OFC-Fans auf den Stehplätzen im Testspiel gegen Essen

Beim OFC und seinen Anhängern ist der Unmut über die Corona-Vorgaben groß. Dem Verein droht nun sogar ein empfindlicher finanzieller Verlust. Die Stadt verteidigt ihr Vorgehen.

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Audioseite Die Stadt Offenbach und die Kickers befinden sich im Clinch

Fans von Kickers Offenbach in Homburg
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Endlich wieder Stadion: Eigentlich hätten die gut 2.000 Zuschauer beim Testspiel der Offenbacher Kickers gegen Rot-Weiss Essen am Donnerstagabend allen Grund zur Freude gehabt. Die wurde aber nicht nur durch die 1:4-Niederlage deutlich getrübt.

Gesundheitsamt beobachtet Fans auf den Stehplätzen

Denn die Vorgaben des Gesundheitsamts der Stadt Offenbach, wonach nur im Business-Bereich zwei kleine alkoholische Getränke erlaubt waren und auf den Stehplätzen durchgehend Maskenpflicht galt, nervten Fans und Verantwortliche gleichermaßen. "Die Leute kommunizieren ziemlich deutlich in unsere Richtung, dass sie nicht länger bereit sind, wie kleine, unmündige Kinder behandelt zu werden", sagte OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik dem hr-sport. "Es ist unserer Ansicht nach ein sehr großer Rückschritt. Denn willkürliche, unsinnige und lebensfremde Regelungen schüren nur Aggressionen bei allen Beteiligten."

Mitarbeitende des Gesundheitsamts hätten sogar von der Haupttribüne aus mit Ferngläsern die Menschen auf den Stehplätzen beobachtet und mit der Kamera aufgenommen. "Das stößt bei uns ebenfalls auf wenig Verständnis", so Sobotzik. Die Stadt Offenbach bestätigte dem hr-sport, dass das Gesundheitsamt vor Ort gewesen sei und die Einhaltung der Vorgaben überwacht habe.

Stadt verteidigt Abwägung

Bei der Stadt kann man die wüste Reaktion des Vereins generell nur schwer nachvollziehen. "Es ist immer die Abwägung, wie viele Zuschauer lassen wir rein und an welche Auflagen knüpfen wir das", sagte Fabian El Cheikh, der das Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Offenbach leitet. Der OFC habe, im Unterschied beispielsweise zur Eintracht, ein Drittel der Stadionkapazität ausnutzen dürfen.

Tatsächlich hatten die Kickers für das Spiel knapp 6.400 Karten verkaufen dürfen. Hätte man sich von Anfang an auf weniger Besucher geeinigt, hätte man womöglich auch über die Alkohol-Regeln noch einmal verhandeln können. "Es ist eine Art Geben und Nehmen zwischen Verein und Stadt. Da ist es ein bisschen bedauerlich, dass der Verein es nicht im Detail alles darstellt."

Business-Kunden stornieren Tickets

Beim OFC hat man nun die Sorge, dass die Regeln auch für die Heimspiele in der kommenden Regionalliga-Saison gelten könnten. Durch die angekündigten Stornierungen aufgrund der Bestimmungen im Business-Bereich rechnet der Verein aktuell mit 60.000 Euro Verlust - schon für das Spiel gegen Essen hatte es bei den Business-Tickets laut Sobotzik eine zweifache Anzahl an Stornierungen gegeben. "Im Publikbereich können wir es noch nicht konkret nachvollziehen", sagte er mit Blick auf die Fans, die beispielsweise zum dauerhaften Tragen der Maske auf den Stehplätzen gewungen werden.

Eine einstweilige Verfügung gegen die Vorgaben für das Testspiel hatte das Verwaltungsgericht Darmstadt am Donnerstag abgelehnt und damit die Position der Stadt bestätigt. Die Vorgaben des Gesundheitsamts waren zunächst nur für die Partie gegen Essen gültig. Der OFC hat dort nun einen Antrag gestellt, um die Bedingungen für die Fans zum ersten Liga-Heimspiel am 14. August gegen Homburg zu verbessern. "Das Thema steht nächste Woche im Verwaltungsstab auf der Tagesordnung. Dann wird diskutiert, wie man damit umgeht", so El Cheikh.