Eine Szene aus dem Testepil der Offenbacher Kickers gegen AFC Wimbledon.

Nach einer ernüchternden Saison haben die Offenbacher Kickers Frühjahrsputz gemacht. Mit neuem Präsidenten und neuem Kader will der OFC sich in Fußball-Deutschland "wieder Respekt" erarbeiten.

"Kult sind wir", so lautet das Motto der Offenbacher Kickers. Bald soll man nach dem Willen der neuen Vereinsführung auf dem Bieberer Berg auch wieder sagen können: Drittklassig sind wir. Nach einer schwierigen vergangenen Saison, in der der explizit angepeilte Aufstieg nie richtig in greifbarer Nähe war, soll der runderneuerte Traditionsclub auf absehbare Zeit endlich den ersten Aufstieg seit 2005 schaffen - genau genommen binnen drei Jahren. Gelingen soll das mit einem stark umgestellten Team.

"Wir wollen, dass wir im deutschen Fußball wieder Respekt erhalten", sagte der neue Clubchef Joachim Wagner. In allen zwölf Testspielen blieben die Offenbacher ungeschlagen, die Zuversicht ist auch deshalb groß. Doch das Auftaktprogramm ist knackig: Los geht es mit einem Flutlichtspiel am 29. Juli gegen den ambitionierten SSV Ulm 1846 (20.15 Uhr). Es folgen Partien gegen die zweite Auswahl des SC Freiburg und Drittliga-Absteiger VfR Aalen.

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Robust, erfahren, zielstrebig

Prägende Spieler der vergangenen Jahre haben den OFC verlassen, der Verein wollte bewusst den Neustart. Keinen neuen Vertrag bekam etwa Torwart-Urgestein Daniel Endres (künftig Bayern Alzenau), der mit kurzer Unterbrechung seit 1994 immer in Offenbach spielte. Der letztjährige Kapitän und Abwehrchef Benjamin Kirchhoff läuft nun für Liga-Konkurrent TSV Steinbach auf. Den japanischen Mittelfelddribbler Ko Sawada, einer der Lichtblicke der vergangenen Spielzeit, zog es zum japanischen Erstligisten Shonan Bellmare.

"In unserer Saisonanalyse sind wir zum Entschluss gekommen, dass wir gewisse Dinge verändern müssen, um die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg zu erhöhen", erklärte Trainer Daniel Steuernagel. Bei der Zusammenstellung des Kaders sei auf "Robustheit, Erfahrung, Zielstrebigkeit und Tempo" geachtet worden. Sportdirektor Sead Mehic hatte den Handlungsbedarf kürzlich in der Offenbach Post damit begründet, dass viele liebe Schwiegersöhne im Kader gewesen seien. Es brauche aber ab und zu Leute, die ein bisschen dreckig spielen. 

Etat hat sich mehr als verdoppelt

Die zuletzt vermissten Qualitäten sollen unter anderem der vom SSV Ulm geholte Luigi Campagna (29) und der von Zweitliga-Absteiger Magdeburg verpflichtete Richard Weil (31) im defensiven Mittelfeld sowie zwei zweit- und bundesligaerfahrene Kicker bringen: Der in Frankfurt geborene Innenverteidiger und ehemalige deutsche U-Nationalspieler Kevin Pezzoni (30), zuletzt bei Hessen Dreieich, sowie Stürmer Nejmeddin Daghfous (32), einst auch mal beim 1. FSV Mainz 05 im Oberhaus am Ball.

Der Etat ist nach Bild-Angaben von 1,3 auf 2,8 Millionen Euro gestiegen, auch dank des neuen Präsidenten Wagner und der Initiative "Freunde der Kickers". Der Unternehmer glaubt fest daran, dass beim OFC alle an einem Strang ziehen, um das große Ziel zu erreichen. "Wir sind im Präsidium jetzt im Grunde mit Fans aufgestellt, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Verein aus der Liga zu führen." Symbolisch für die Einigkeit sei das eindeutige Ergebnis bei der Wahl des Präsidiums gewesen, betont der 52-Jährige. Wagner selbst war ohne Gegenstimme und mit nur zwei Enthaltungen ins Amt gehoben worden. "Das ist, glaube ich, mehr als viele Worte, dass wir eine neue Geschlossenheit haben und die uns auch sehr wichtig ist."

Bis 2022 wieder Profifußball

Vor allzu vollmundigen Ankündigungen hüten sich die Verantwortlichen dennoch. Hatte Ex-Präsident Helmut Spahn vor der vergangenen Saison noch den Aufstieg als Ziel ausgerufen, sagt Steuernagel nun: "Wir haben uns als Verein das Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten drei Jahre in den Profifußball zurückzukehren."

Wenn der DFB-Pokal am übernächsten Wochenende in seine erste Runde geht, wird der einstige Pokalschreck Offenbach aber nur zuschauen. Ausgerechnet im Kreis-Offenbach-Duell gegen Hessen Dreieich hatte es im Hessenpokal-Viertelfinale vor eigenem Publikum ein 1:2 gesetzt - finanziell schmerzvoll. Doch das ist abgehakt. Steuernagel erwartet nun eine "spannende Saison".