Mannschaftskreis beim OFC

Die Anforderungen an den neuen OFC-Trainer sind hoch: Er muss die Kickers in den nächsten drei Jahren zum Aufstieg führen. Doch der Klub sucht nicht nur einen Coach, sondern auch irgendwie sich selbst.

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zum Video OFC- Geschäftsführer Herzog: "Er muss zu 100 Prozent zu uns passen"

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Es gibt eine Geschichte aus dieser Woche, die Andreas Herzog besonders gern erzählt. Ihm huscht dann ein leichtes Lächeln über die Lippen, hin und wieder schüttelt er ungläubig den Kopf. Die Geschichte, um die es geht, handelt von seiner Suche nach einem neuen Trainer für Kickers Offenbach und einer Branche, die es mit der Wahrheit offenbar nicht immer ganz so genau nimmt.

An einem Tag, erzählt Geschäftsführer Herzog also, habe bei ihm binnen kurzer Zeit dreimal das Handy geklingelt. Dreimal sei ihm ein und derselbe Trainer angeboten worden – allerdings von drei unterschiedlichen Beratern. "Wer so viele Berater hat", sagt Herzog und lacht dabei, "der müsste eigentlich Real Madrid trainieren". Man ahnt es: Kickers Offenbach trainiert er zukünftig wohl eher nicht.

Der Neue muss Kickers Offenbach im Herzen tragen

Wer sich in diesen Tagen beim Regionalligisten ein wenig umhört, den erstaunt vor allem die Gelassenheit, die trotz der Entlassungswelle vom vergangenen Dienstag dort herrscht. Da ist man vom OFC eigentlich ganz andere Dinge gewohnt.

Kurz nach den Beurlaubungen von Sportdirektor Sead Mehic und Trainer Daniel Steuernagel saß bereits eine Task Force zusammen, ein kleiner Kreis an Entscheidungsträgern, der ein Profil definierte. Damit machte sich Herzog dann auf die Suche, zunächst nach einem Trainer, wobei eine Zusammenlegung beider Posten nicht ausgeschlossen ist. "Er muss zu 100 Prozent zu uns passen und die Attribute von Kickers Offenbach im Herzen tragen", erklärt Herzog.

Tiefer lässt sich der Geschäftsführer nicht in die Karten schauen, er ist vorsichtig, wägt jeden Satz ab, den er sagt. Das ist logisch, schließlich betritt auch Herzog Neuland. Vor zwei Monaten war er noch für die Stadiongesellschaft tätig, jetzt muss er einen Coach finden, der den Kultklub in den nächsten drei Jahren zurück in die dritte Liga bringt. Keine leichte Aufgabe.

Brummkreisel in der Bedeutungslosigkeit

Sicher, es kursieren Namen wie Reinhard Stumpf, Tomas Oral, Rico Schmitt. Beim 4:0-Heimsieg gegen Koblenz am Samstag saß in Thomas Sobotzik ein möglicher Kandidat auf den Sportdirektor-Posten nur wenige Meter von Herzog entfernt auf der Tribüne. Aber wirklich eindeutige Spuren finden sich bislang noch nicht.

Dabei wird es sicher kein unbeschriebenes Blatt sein, aber auch kein alter Fahrensmann. Offenbach sucht die goldene Mitte – und vor allem eine Idee. Die hatte nämlich zuletzt immer wieder gefehlt, eine Philosophie, etwas Übergeordnetes, für das eine Mannschaft steht. Zuletzt gab es das vor vier Jahren, als Rico Schmitt aus einer jungen Castingtruppe eine Meistermannschaft formte.

Seitdem reibt sich der OFC an der Suche nach sich selbst auf, man rotiert, dreht, häutet sich. Man ist wie ein Brummkreisel in der Bedeutungslosigkeit. Und das ist gefährlich. Offenbach braucht auf Dauer mindestens Drittliga-Fußball – das macht die Entscheidung für Herzog umso schwerer.

Unter Steuernagel zu verkopft?

Deshalb will man auch nichts überstürzen, in Nachwuchstrainer Steven Kessler hat man eine Übergangslösung gefunden, die offenbar den Kurzzeit-Aufgaben gewachsen ist. Kessler konnte in seiner ersten Woche das Team befreien von den vielen taktischen Vorgaben seines Vorgängers. Steuernagel habe seine Spieler oft intellektuell überfrachtet, sei zu sehr Lehrer gewesen, heißt es aus Teamkreisen.

Kommenden Sonntag steht das Derby beim FSV Frankfurt an, wahrscheinlich sitzt dann wieder Kessler auf der Bank, vielleicht aber auch schon der neue Coach. Nur eines scheint sicher: Sollte Andreas Herzog unter der Woche noch einen Trainer präsentieren, dann hat dieser sicher weniger als drei Berater.