Schiedsrichterin Julia Boike ist regelmäßig im Einsatz.

Ein Testspiel der Frauen-Bundesliga durfte sie bereits pfeifen, auch eine Partie der Eintracht-Traditionsmannschaft mit Charly Körbel. Schiedsrichterin Julia Boike vereint Ehrgeiz und viel Talent. Das Ziel ist klar: ganz oben landen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Boike: "Klaus hat mich gesehen und gedacht: Die Julia ist dafür geeignet"

Julia Boike geht ihrer Leidenschaft mit großer Freude nach.
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Job in der Marketingabteilung eines Sanitätshauses, Master-Studium in General Management - und dann noch als Schiedsrichtern im Frauen- und Herrenbereich im Einsatz. Julia Boike aus Altenstadt (Wetterau) tanzt mit ihren 25 Jahren auf drei Hochzeiten und ist in ihrem Leben viel unterwegs. "Ich brauche einen gut strukturierten Terminplan. Wann kann ich wo sein? Wann muss ich mich für Schiedsrichtereinsätze eintragen?", erklärt sie im Gespräch mit dem hr-sport.

Ehemaliger Trainer meldet Boike einfach an

Es gibt viel zu tun für Boike, die ihrer Tätigkeit als Schiedsrichterin mit großer Freude nachgeht. Neun Jahre liegt es inzwischen zurück, als sie von ihrem damaligen Trainer Klaus Pfeffer einfach für den Schiedsrichterlehrgang angemeldet wurde.

Die Sportfreunde Oberau hatten einerseits zu wenig Unparteiische, andererseits aber erkannte Pfeffer in Boike Talent für diese Herausforderung: "Klaus meinte, dass ich pflichtbewusst bin und eine gute Persönlichkeit habe. Das würde gut zu einem Schiedsrichter passen."

Pfeffer bewies den richtigen Riecher

Sie sei nicht die schlechteste Fußballerin im Kader gewesen und räumte sogleich mit einem Vorurteil auf: "Es gibt ja das Gerücht, dass die Fußballerinnen oder Fußballer, die schlecht sind, Schiedsrichter werden. Das würde ich aber nicht so bestätigen."

Im Nachhinein lässt sich festhalten: Pfeffer hat einen sehr guten Instinkt bewiesen. Boike bestand ihre Prüfung, einmal jährlich muss der Schein durch einen schriftlichen Test und eine Laufeinheit erneuert werden.

Mit Willenskraft und Ehrgeiz schnell aufgestiegen

Was mit sechs Jahren als Kickerin bei den Bambinis und seit 2011 als Schiedsrichterin bei D-Jugend-Spielen begonnen hat, geht inzwischen in der zweiten Frauen-Bundesliga und Herren-Verbandsliga weiter. "Mit Ehrgeiz und Willenskraft kann man schnell aufsteigen", sagt Boike, die sich auf dem Platz nicht anders als im Privatleben verhält: "Ich bin locker und authentisch, aber auch konsequent, wenn es denn sein muss."

Verstellen? In eine andere Rolle schlüpfen? Für Boike zählt in den 90 Minuten auf dem Feld etwas anderes: "Die geregelte Spielleitung besitzt oberste Priorität. Beide Mannschaften sollen fair miteinander umgehen und die Partie soll nicht aus dem Ruder laufen."

Steinhaus und Aytekin als Vorbilder

Mit ihrem ansteckenden Lachen und ihrer freundlichen Art kommt sie auf dem Platz bestens zurecht, schlimme Beleidigungen oder verbale Ausrutscher hat sie glücklicherweise noch nicht erlebt: "Und wenn es welche gab, dann habe ich sie nicht gehört." Kommunikation lautet dabei ihr Zauberwort: Mit den eigenen Assistenten, aber auch mit den Trainern und Spielern.

Für die eigene Entwicklung schaut sich Boike auch von den ganz bekannten Kolleginnen und Kollegen vor dem TV-Gerät etwas ab: "Bibiana Steinhaus ist natürlich eine Vorreiter und Katrin Rafalski aus Hessen macht einen überragenden Job. Bei den Männern fallen mir vor allem Patrick Ittrich und Deniz Aytekin ein, die im Umgang mit Spielern eine Vorreiterrolle in Deutschland einnehmen."

Zwei große Highlights als Schiedsrichterin

Sie selbst wird seit über einem Jahr regelmäßig beobachtet, ihr steiler Aufstieg genauestens begleitet. Highlights hat Boike dabei auch schon einige erlebt. Zuletzt durfte sie das Testspiel zwischen den neu formierten Eintracht Frankfurt Frauen und dem VfL Wolfsburg im hessischen Grünberg leiten: "Ich war nicht so aufgeregt, aber schon angespannt. Natürlich ist es eine sehr große Ehre so ein Spiel, wo die halbe deutsche Nationalmannschaft dabei ist, pfeifen zu dürfen."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Julia Boike: "Jedes Spiel ist ein Highlight"

Julia Boike geht ihrer Leidenschaft mit großer Freude nach.
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Auch im Herrenbereich erlebte Julia im Sommer vergangenen Jahres einen großartigen Moment: "Ich durfte das Spiel der Eintracht-Traditionsmannschaft gegen meinen Ex-Klub Phoenix Düdelsheim pfeifen. Da hat auch Charly Körbel mitgespielt, das hat mir viel Spaß gemacht."

2. Liga noch nicht als Endstation

Obwohl Julia schon viel erreicht hat, strebt sie weiter nach oben. Frauen-Bundesliga und Herren-Hessenliga lauten die Ziele. Doch Zeit und Geduld sind nötig: "Das ist noch weit weg. Ich muss mich zuerst in der 2. Frauenfußball-Bundesliga und der Verbandsliga beweisen und Erfahrung sammeln."

Mit der Unterstützung von Familie und Freunden, die jederzeit voll hinter ihr stehen, wird Julia versuchen, auch diese Karriereschritt zu gehen. Sie will dabei auch Vorbild sein: "Wir sind eine tolle Gemeinschaft. Ich kann jedem nur empfehlen, den Schiedsrichterschein zu machen."