Collage: Stenger und Grindel
Harald Stenger (li.) und DFB-Präsident Reinhard Grindel Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Die Debatte um Mesut Özil ist auch eine Debatte über den Umgang des DFB mit dem Fall. Der Frankfurter Harald Stenger, Ex-Sprecher der Verbandes, macht Präsident Reinhard Grindel mitverantwortlich. Am Montagmittag folgte eine DFB-Stellungnahme – aber nur zum Thema Özil.

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Der frühere Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes, Harald Stenger, hat DFB-Präsident Reinhard Grindel unmittelbar nach dem Rücktritt von Nationalspieler Mesut Özil scharf kritisiert. "Nicht nur im Fall Özil, sondern insgesamt in den verschiedensten Dingen, die ich jetzt gar nicht im Detail aufzählen will, ist Reinhard Grindel der schlechteste DFB-Präsident in den letzten 50 Jahren", sagte der gebürtige Frankfurter im Interview mit dem ARD-Morgenmagazin.

Für Stenger ist der CDU-Politiker an der Spitze des DFB nicht mehr tragbar: "Und deshalb wäre er gut beraten, den Weg für einen Nachfolger frei zu machen. Und dann wird es eine intensive Diskussion geben", so der 67-Jährige weiter.

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Eine Übersetzung der Özil-Erklärung finden Sie bei tagesschau.de.

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Özils Rücktritt komme nicht überraschend, gleiches gelte für die harte Kritik an Grindel, die berechtigt sei. "Aber vielleicht sollte man, bevor man darauf eingeht, noch einmal auch Mesut Özil hinterfragen. Er hat sich in der Sache Erdogan-Foto in keiner Weise einsichtig gezeigt. Er ist stur geblieben, so wie das auch von ihm zu erwarten ist, wie das seine Art ist", sagte Stenger.

Özil hatte am Sonntagabend nach 92 Spielen im Nationaltrikot über Twitter seinen Rücktritt erklärt. Er begründete dies auch mit Rassismus innerhalb des DFB. Zugleich warf er Grindel vor, dass dieser ihn zum "Sündenbock" für das schlechte Abschneiden bei der WM machen wolle.

DFB bedauert Rücktritt...

Am Montagmittag veröffentlichte der DFB eine Erklärung, in der er Özils Abschied aus der Nationalmannschaft bedauert und zugleich den von ihm erhobenen Vorwurf des Rassismus zurückweist. Der Verband verwies darauf, dass "die Bilder mit dem türksichen Staatspräsidenten Erdogan bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen" haben.

"Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein. Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jerome Boateng der Fall war, bedauern wir", heißt es in der Mitteilung. Im Gegensatz zu Ilkay Gündogan hatte sich Özil nicht öffentlich über das Erdogan-Foto geäußert.

...und weist Rassismus-Vorwürfe zurück

"Er hat sich anders entschieden. Der DFB respektiert das, und es gehört für uns als Verband auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen", heißt es weiter.

"Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir aber mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück. Der DFB engagiert sich seit vielen Jahren in hohem Maße für die Integrationsarbeit in Deutschland."