Rüdiger Rehm bleibt - diese Bitte der Fans des SV Wehen Wiesbaden wird wahr. Der Trainer blickt im Interview auf schwierige Zeiten zurück, aber auch auf das große Ziel: die 2. Liga.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rehm: "Es ist eine große Dankbarkeit da"

Rüdiger Rehm Fingerzeig
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Bei der virtuellen Mitgliederversammlung des SV Wehen Wiesbaden in der vergangenen Woche hatte der Klub eine besondere Meldung für die Fans parat: Trainer Rüdiger Rehm hat einen neuen Vertrag bis 2023 unterschrieben. Damit ist der seit Februar 2017 beim Klub tätige Rehm nun Rekordtrainer des SVWW. Im Interview spricht er über die Wertschätzung in schwierigen Zeiten und Duelle mit Real Madrid.

hessenschau.de: Rüdiger Rehm, SVWW-Geschäftsführer Nico Schäfer sagte zu Ihrer Vertragsverlängerung, Sie seien ein Glücksfall für den Verein. Ist der Verein auch ein Glücksfall für Sie? 

Rüdiger Rehm: Wenn der Geschäftsführer so etwas sagt, ist das natürlich eine Ehre. Das erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit, weil ich weiß, dass Situationen, in denen es nicht so lief, bei anderen Vereinen anders gehandhabt werden. Wir sind aber gemeinsam durch diese Situationen durchgegangen. Das ist eine schöne Bestätigung für die Arbeit, die wir leisten, und bei der eben nicht nur immer das endgültige Ergebnis zählt, sondern auch die schrittweise Entwicklung.  

hessenschau.de: Am Ende Ihres neuen Vertrags wären Sie über sechs Jahre SVWW-Trainer. Hätten Sie gedacht, mal so lange beim Verein zu sein? Oder überrascht es Sie? 

Rehm: Nein, es überrascht mich gar nicht. Ich bin jemand, der etwas entwickeln will. In Bielefeld haben die Ergebnisse nicht gepasst, aber zuvor in Großaspach habe ich auch über acht Jahre gearbeitet und etwas aufgebaut. Deswegen bin ich nicht überrascht, aber ich bin froh, denn das Trainergeschäft ist natürlich schnelllebig. Eine so lange Zeit ist eine Seltenheit. Aber ich freue mich, dass der Verein die Entwicklungsschritte der Mannschaft und auch des ganzen Klubs mitgeht. Das ist natürlich auch ein Verdienst der Geschäftsführung und des Trainerteams und des guten Zusammenhalts. Ich denke, wir haben den Verein gemeinsam in eine positive Richtung entwickelt.  

hessenschau.de: Sie haben den Zusammenhalt angesprochen: Selbst in der schwierigen Zweitliga-Hinrunde 2019 blieb der Verein ruhig, die Fans hingen "Rehm bleibt"-Banner auf. Wie viel bedeutet Ihnen dieser Zusammenhalt?  

Rehm: Das war etwas ganz Besonderes. Wichtig ist, dass man Dinge realistisch einschätzt, im Leben wie im Fußball. Wir wussten, dass wir durch das letzte Nadelöhr überhaupt, die Relegation, in die zweite Liga geschlüpft sind. Damit waren wir der krasse Außenseiter in der Liga. Natürlich wollten wir uns in der zweiten Liga halten und etablieren, aber realistisch gesehen waren wir der erste Absteiger. Dass wir dann so einen schlechten Start erwischen, hat uns den Klassenerhalt gekostet. Aber der Verein hat das realistisch eingeschätzt. Wir wussten, dass wir mit den Möglichkeiten, die wir haben, die Mannschaft entwickeln und den Klassenerhalt schaffen können. Aber auch der Abstieg war eben eine Option. 

hessenschau.de: In der dritten Liga haben Sie wieder oben angedockt. Was sind denn die aktuellen Ziele?  

Rehm: Die nächsten Spiele werden entscheidend sein, wir haben eine gute Aufholjagd hingelegt, waren wieder dran, haben jetzt aber verloren. Wir wollen weiter angreifen, aber die Vertragsverlängerung ist nicht an den Aufstieg gekoppelt. Unser Weg ist mittelfristig ausgelegt. Es geht in dieser Saison darum, alles rauszuholen, was drin ist. Wir wollen Boden gut machen. Wenn nicht, greifen wir nächstes Jahr wieder an. Das liegt aber natürlich auch immer an den Gegnern. Wir können immer sagen, dass wir aufsteigen wollen. Aber wenn von der Stärke her Mannschaften wie Real Madrid oder der FC Barcelona in der Liga sind, dann sind die ersten zwei Plätze vergeben (lacht). 

hessenschau.de: Und die langfristigen Ziele? Sie haben Real Madrid schon angesprochen. 

Rehm: Das ist aber sehr langfristig gedacht (lacht). Ich will meine ganze Energie darauf verwenden, mit dem Verein wieder in die zweite Liga zu kommen. Etwas anderes können wir nicht als Ziel ausgeben. Aber wir sind auch nicht die einzigen, die da hinwollen. Wir müssen gucken, dass wir da hart dran arbeiten, weil andere Vereine bessere Voraussetzungen haben. Traditionsvereine mit mehr Fans und besseren finanziellen Rahmenbedingungen, die den einen oder anderen Spieler mehr überzeugen können. Wir wissen, dass wir mit wenig Möglichkeiten viel erreichen können. Aber wie viel, wird man sehen.  

hessenschau.de: Worauf kommt es denn im Verhältnis zwischen Verein und Trainerteam an?  

Rehm: Das Entscheidende ist, dass man an der gemeinsamen Sache festhält. Es muss auch mal knirschen und auch mal richtig knallen, aber dann muss man trotzdem an der gemeinsamen Sache festhalten. Kommunikation, ein gemeinsamer Weg, gemeinsam als Team anpacken. Das ist das Wichtige, um langfristig gemeinsam zu arbeiten.  

Rüdiger Rehm Aufstieg 2019

hessenschau.de: Nutzt sich die Kommunikation nicht nach ein paar Jahren ab? 

Rehm: Ich versuche immer wieder, neue Reize zu setzen, sowohl im Training als auch in der Ansprache und in den Präsentationen. So verfällt man nicht in den alten Trott, wenn man schon länger zusammenarbeitet. Sonst schlafen die Jungs bei der nächsten Sitzung ein.  

hessenschau.de: Sollten Sie Ihren Vertrag erfüllen, wären Sie am letzten Tag 2328 Tage im Amt. Mit was würden Sie das feiern? Mit dem traditionellen Schokocreme-Brötchen, das Sie sich morgens mit Christian Hock immer gönnen?  

Rehm: Wenn der SV Wehen Wiesbaden nach diesen 2328 Tagen in der zweiten Liga spielt, feiere ich das mit mehr als einem Nutellabrötchen. Nutellabrötchen gibt’s dann am nächsten Morgen. Aber ja, mein Laster ist Nutella, darauf kann ich nicht verzichten. Ich kriege schon immer von meiner Frau Ärger, weil die Kinder auch schon in die Nutella-Richtung gehen. Aber es muss eben sein (lacht). 

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Rose.