Geisterspiel Eintracht - Dortmund

Eintracht gegen Dortmund war ein Spektakel mit fünf Toren und deftigen Haaland-Rangeleien. Doch auf den Tribünen herrschte Stille. Kaum erträglich, sagt unser Reporter, der als einer der wenigen im Stadion war.

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Eintracht gegen Dortmund
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Da war es also wieder, dieses Gefühl, das der Reporter nie wieder spüren wollte. Dieses deprimierende, ohnmächtige Gefühl. Schon lange vor dem Betreten des verlassenen Stadiongeländes. Keine Fans auf den Fußgängerbrücken über der Mörfelder Landstraße, keine lebhaften Diskussionsrunden beim Vorglühen an der Haltestelle. Stattdessen: verwaiste Bier- und Wurststände in der Dämmerung eines ohnehin schon wahnsinnig trüben Tages.

Ich versuche krampfhaft, das Positive zu sehen: wenig Verkehr rund um die Arena, eine entspannte Anreise, kein gestresstes Sicherheitspersonal. Jeder grüßt jeden, es ist schließlich ein elitärer Kreis in der an diesem Abend besonders kalten Betonschüssel. Von überall her kriecht die Kälte rein, es fehlt der Duft von Stadionwurst und heißem Apfelwein. 

Motivationsprobleme im leeren Stadion

Hoffentlich wenigstens ein gutes Spiel, das wünsche ich mir, um zumindest ansatzweise so etwas wie Spaß an diesem Arbeitstag entwickeln zu können. Aus meiner überschaubaren Vorfreude mache ich anfangs auch live auf dem Sender keinen Hehl, muss aber aufpassen, mich nicht selbst zu sehr in diesem Modus gefangen zu halten. Schließlich haben die Hörer ein Recht auf eine lebendige Reportage, gerade weil sie selbst nicht live dabei sein können - und selbst am wenigsten dafür können.

Mein Wunsch erfüllt sich, gerade die Eintracht ist lange richtig gut. Beim Torschrei von Doppelpacker Rafael Borré vergesse ich für einen Moment sogar mal kurz, dass das Stadion leer ist. Und doch ist die fehlende Kulisse schnell auch wieder Thema: weil der Eintracht in Hälfte zwei erst die Kraft, dann die Kontrolle, und am Ende auch das Spiel verloren geht.

Fluchender Haaland

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Haaland und Hinteregger geraten aneinander
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Und dann noch das: Dortmunds Superstar Erling Haaland packt sich in den Schritt, das F-Wort Richtung Eintracht-Spieler ist mehrfach bis nach ganz oben auf die Reportertribüne deutlich zu vernehmen. Er mag ein toller Stürmer sein, ein toller Sportler ist er (noch) nicht. Und spätestens jetzt ist auch mir klar: Mit mehr als 50.000 im Stadion hätte dieses Spiel vermutlich ein anderes Ende gehabt. Nicht nur für Erling Haaland, sondern wohl auch für die Eintracht.