U19-Junioren des KSV Kassel steigen in die Bundsliga auf

Der Bundesliga-Aufstieg der KSV-Junioren hört sich an wie ein Märchen. Obwohl die Kasseler Nachwuchsfußballer sieben Monate nur per Zoom-Meeting miteinander trainieren durften, besiegten sie den großen Favoriten. Nun warten die Bayern und die Eintracht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found KSV-Trainer Christian Andrecht: Im Zoom-Meeting zum Bundesliga-Aufstieg

Christian Andrecht, Aufstiegstrainer U19 KSV Hessen Kassel
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Auf einmal hatten die Junioren des KSV Hessen Kassel doch ein Problem. Nach dem sensationellen Aufstieg in die U19-Bundesliga durch einen 2:1-Sieg bei der SV Elversberg gingen auf der Fahrt zurück nach Nordhessen die Getränke aus. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Bus mit den siegestrunkenen Spielern endlich an einem Autobahn-Rasthof hielt, damit sich die frischgebackenen Aufsteiger mit "Erfrischungsgetränken" versorgen konnten.

"Danach verwandelte sich der Bus auf der fünfstündigen Rückfahrt in eine rollende Party", erinnert sich Aufstiegstrainer Christian Andrecht. Die Stimmung im KSV-Party-Bus war sensationell. Während die Getränkefrage relativ einfach zu lösen war, waren die Probleme davor weitaus schwerer aus dem Weg zu räumen.

Mit Zoom-Mannschaft zum Aufstieg

Das Aufstiegs-Hinspiel in Kassel endete 0:0. Im entscheidenden Rückspiel am vergangenen Sonntag ging der übermächtige Gegner aus Elversberg zunächst in Führung. Doch die KSV-Junioren drehten das Spiel. Der 2:1-Siegtreffer in der letzten Minute der Verlängerung bedeutete den Aufstieg. Fast unüberwindliche Probleme türmten sich jedoch in den vergangenen Monaten vor den Kasseler Nachwuchskickern auf. Seit Ende Oktober durften die KSV-Junioren wegen des Corona-Lockdowns nicht mehr gemeinsam trainieren. Über ein halbes Jahr lang.

Die Spieler übten stattdessen individuell. Und im Internet. Andrecht und sein Trainerteam standen auf der einen Seite vor ihren Laptops, die rund 20 KSV-Spieler waren vor ihren Computern auf der anderen Seite via Zoom zugeschaltet. Kamera an und los ging das Training.

"Das waren meist athletische Übungen, manchmal haben wir sogar mit dem Ball trainiert" sagt Andrecht. Jeder für sich in den eigenen vier Wänden, im Garten oder im Park. "Als uns das nach ein paar Monaten ziemlich auf die Nerven ging, haben wir auch mal Yoga gemacht oder eine Traumreise mit Musik zur Entspannung."

Elversberg durfte trainieren, Kassel nicht

Sieben Monate lang warteten die KSV-Junioren auf die Aufstiegsgrunde gegen die SV Elversberg. Kassel war Tabellenführer der Hessenliga, als die Saison nach nur sechs Spielen wegen Corona abgebrochen wurde. Damit waren die Nordhessen qualifiziert. Doch dann begann die ungerechte Vorbereitung auf das entscheidende Aufstiegsspiel, das am Sonntag nach Monaten des Lockdowns endlich stattfand. Der Gegner aus Elversberg durfte, da er über ein professionelles Nachwuchsleistungszentrum verfügt, die ganze Zeit über mit der Mannschaft trainieren, Kassel nicht.

Während Elversberg in der Zeit elf Testspiele bestritt, konnte Kassel wegen der Lockdown-Bestimmungen nur Däumchen drehen. Das änderte sich erst Anfang Juni. Mit einer Ausnahmegenehmigung des Gesundheitsamtes Kassel durften die U19-Junioren endlich auf den Platz. Zwei Wochen Mannschaftstraining, ein verlorenes Testspiel, mehr Vorbereitung war nicht möglich. Doch diese Zeit hatte es in sich.

"Die Jungs sind mit einer solchen Energie ins Training gekommen, das war der Wahnsinn", erinnert sich Andrecht. Der 37-Jährige hatte das Gefühl, dass seine Spieler den ganzen aufgestauten Ärger und Trotz über die Ungleichbehandlung in Energie und Willen umwandelten. "Mit unserer herausragenden Mentalität haben wir dann, ich will nicht von Wunder sprechen, aber wir haben diese unglaubliche Leistung beim Bundesliga-Aufstieg zeigen können."

Der Bundesliga-Klassenerhalt wäre die nächste Sensation

Nicht direkt wieder aus der Bundesliga abzusteigen wird eine äußerst schwere Aufgabe für den KSV Hessen Kassel. Wegen der pandemiebedingten Abbrüche der vergangenen beiden Spielzeiten gab es in der obersten Junioren-Liga keine Absteiger. Somit ist die Bundesliga auf stolze 21 Mannschaften angewachsen. Deshalb müssen am Ende der neuen Saison sieben Teams absteigen. "Da drin zu bleiben, wäre wieder eine Art Wunder", sagt Andrecht. Bei Gegnern wie Bayern München, TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart oder Eintracht Frankfurt eine vertretbare Ansicht.

Andrecht selbst wird dann nicht mehr Junioren-Trainer sein. Er wechselt in den Männerbereich, coacht ab der kommenden Saison die U23 von Hessen Kassel. Neun seiner Bundesliga-Aufsteiger aus der A-Jugend nimmt er mit. Vielleicht führt Andrecht den einen oder anderen Spieler letztlich in die Regionalliga-Mannschaft des KSV. Die Spiele der Junioren will er weiterhin so oft es geht gucken. Dann möglichst live vor Ort und ohne Zoom-Schalte.