Spiele vor leeren Rängen drohen nicht nur bei Eintracht Frankfurt.

Wann dürfen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 wieder Fans ins Stadion lassen? Darüber berät am Dienstag eine Versammlung der DFL. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann betont vorab, warum frühzeitige Planung wichtig ist.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found DFL-Maßnahmen stoßen bei Fans auf Kritik

Eintracht-Fans im Stadion
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Um mit einem bestmöglichen Konzept vorbereitet zu sein, werden die Vertreter der 36 Clubs aus 1. und 2. Bundesliga am Dienstag bei einer virtuellen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) Leitplanken für mögliche Spiele mit Publikum während der Corona-Pandemie setzen. Nachdem die DFL bereits Mitte Juli einen ersten Leitfaden verschickt hatte, wird nun explizit über vier Punkte abgestimmt, die das DFL-Präsidium erarbeitet hat. Die einfache Mehrheit genügt, um diese abzusegnen.

"Entscheiden werden am Ende die Behörden und die Politik", sagte Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann am Montag. "Es wird kein Wunschkonzert der Bundesligisten und von Eintracht Frankfurt geben. Es geht um Machbarkeiten." Hellmann betonte aber auch: "Wir müssen planen. Wenn wir erst am 13. September eine Orientierung bekommen, was machbar sein könnte, und wir haben keinen Plan in der Tasche – das gibt ein Chaos hoch zehn."

Die vier wesentlichen Punkte sind:

Keine Gästefans bis Jahresende

Der Standpunkt der DFL: Das Präsidium ist sich "des Umstands bewusst, dass Auswärtsfahrten und der damit einhergehende (Stimmungs-) Wettstreit der Fans einen wichtigen Bestandteil der deutschen Fußballkultur ausmachen". Auch deshalb stehen den Gästen im Normalfall mindestens 10 Prozent der Tickets der jeweils verfügbaren Stadionkapazität zu. Man dürfe allerdings nicht die Augen vor der Realität verschließen und will mit dieser Maßnahme die Reiseaktivität der Fans minimieren.

Der Standpunkt der Fans (am Beispiel der Vereinigung "Unsere Kurve"): Auswärtsfahrten besitzen für Fans einen besonderen Reiz, sie fordern deshalb eine gerechte Verteilung der Eintrittskarten. "Es darf zu keiner Ungleichbehandlung von Fans kommen, weshalb wir uns für die Zulassung von Gästefans aussprechen", heißt es im Manifest der Organisation. Teile der aktiven Fanszene von Eintracht Frankfurt glauben nicht, dass Eintrittskarten fair verteilt werden können.

Keine Stehplätze bis mindestens 31. Oktober

Der Standpunkt der DFL: Auch hier stellt die DFL klar, dass Stehplätze ein "wesentlicher Bestandteil" der deutschen Fankultur sind. Kurven und Tribünen tragen zur "besonderen Atmosphäre" bei - allerdings stehen die Fans dort meistens dicht gedrängt. "Die Einhaltung eines Abstandsgebots kann dort nicht immer und lückenlos eingehalten und durchgesetzt werden", vermutet die DFL.

Der Standpunkt der Fans: Sie fühlen sich durch diese Regelung extrem eingeschränkt, da sie die Unterstützung ihres Teams nicht wie gewohnt ausüben können. Es besteht die Befürchtung, dass das Spiel zu einer Art Theatervorstellung werden könnte und fordern deshalb Mitsprache. "Man muss Stehplätze nicht grundsätzlich verbieten, sondern kann eine von allen akzeptierte Möglichkeit finden, wenn man sich mit der Fanszene ernsthaft über die Begebenheiten bei einem 'Corona-Spieltag' austauscht", sagte Thomas Kessen von "Unsere Kurve" der Deutschen Welle.

Nachverfolgung möglicher Infektionen

Der Standpunkt der DFL: Die Clubs müssen sicherstellen, dass im Falle einer Ansteckung die Identität und die Kontaktdaten aller Zuschauer, die sich während eines Spiels im Stadion aufgehalten haben, ermittelt werden können. Der Nachverfolgung von Infektionswegen, so die Klarstellung der DFL, gilt "ein besonderes Augenmerk".

Der Standpunkt der Fans: Bei diesem heiklen Thema fordern die Fans, dass der Datenschutz gewährleistet wird und es nicht zu einer verdeckten Überwachung kommt. Personalisierte Tickets sind ihnen ein Dorn im Auge. "Vereine und Verbände müssen sicherstellen, dass keine Weitergabe von erfassten Daten an die Sicherheitsbehörden erfolgt", betonte "Unsere Kurve". "Neue Technologien der Überwachung dürfen nicht durch die Hintertür des Gesundheitsschutzes eingeführt werden."

Kein Alkohol bis mindestens 31. Oktober

Der Standpunkt der DFL: Nach Lage der Statuten dürfen alkoholische Getränke ohnehin nicht ausgeschenkt werden, die gängige Praxis erfolgt nur nach vorheriger behördlicher Einwilligung. Die DFL befürchtet, dass durch den Konsum von Alkohol möglicherweise eine Enthemmung einsetzt, die mit Blick auf die Abstands- und Hygieneregeln zu Problemen führen könnte.

Der Standpunkt der Fans: Eigentlich sollte dieser Punkt die wenigsten Probleme auslösen. Doch die Fans fühlen sich dadurch fast schon beleidigt, gemaßregelt wie ein kleines Kind, das sich nicht benehmen kann. "Wenn man Gästefans, Alkohol und Stehplätze verbieten will, zeugt von einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber Fußballfans", monierte Kessen. "Da stellen wir uns dagegen."