Das Team der Fußballer reist mit weniger Spielern als geplant zu den Olympischen Spielen nach Tokio. Trainer Stefan Kuntz bekam nur einen Tag vor dem Abflug die letzte Absage. Ein Youngster von Eintracht Frankfurt aber freut sich auf die Mission Medaille.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Häuflein der Aufrechten: Fußballer wollen bei Olympia überraschen

Die Fußballer wollen bei Olympia überraschen.
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Als Ragnar Aches Telefon klingelte, wollte er eigentlich gerade schlafen gehen. Aber wenn der Trainer des Olympia-Teams anruft, dann ist auch der Eintracht-Youngster zu später Stunde wieder wach. "Ich habe wegen meiner langen Verletzung nicht an Olympia gedacht, aber ich freue mich", sagte Ache am Dienstag in Frankfurt. Und damit ist er nicht allein, Coach Stefan Kuntz ist froh über jeden Spieler, der beim Abenteuer Olympia dabei ist.

"Er hat sich ein Loch in den Bauch gefreut. Ich bin froh, dass er da ist", so Kuntz, der Ache am Freitag für den Kader nachnominiert hatte. Denn mit einem verschworenen Häuflein von gerade einmal 18 Profis tritt das Team nun die Mission Medaille an. Seine gute Laune und Zuversicht wollte sich der U21-Nationaltrainer durch die akuten Personalprobleme nicht nehmen lassen. "Es hätte mich natürlich gefreut, wenn der eine oder andere mehr mitgekommen wäre. Aber diese Jungs brennen für Olympia. Ich bin überzeugt, dass sie entsprechend Gas geben werden", sagte Kuntz.

Absage einen Tag vor dem Abflug

Am Montagabend hatte ihn die nächste Absage ereilt. Ismail Jakobs verzichtet wegen seines Wechsels vom 1. FC Köln zum französischen Erstligisten AS Monaco auf die Sommerspiele, weshalb nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler den rund elfstündigen Flug antraten. "Es ist enttäuschend, wenn du nicht die nötige Unterstützung erhältst. Letztlich ist es so, dass du mit diesem Kader auch begrenzt bist. Wenn irgendwas passiert, kann es dünn werden", sagte der Sportliche Leiter Joti Chatzialexiou.

Eine Nachnominierung für Jakobs wird es nicht geben. "Wir mussten im Januar eine 100er Liste erstellen. Wir haben alle Spieler auf dieser Liste abtelefoniert. Diese 18 sind übrig geblieben", sagte Kuntz. Mehr Profis ließen sich angesichts der bevorstehenden Bundesliga-Saison nicht finden. "Einige Spieler wollten nicht, und dann haben wir einige Vereine, die mit der Unterstützung hinter dem Berg gehalten haben", sagte Kuntz. "Ich finde, das ist kein optimales Zeichen. Es gibt sonst wohl keine Sportart, in der nicht alle möglichen Kaderplätze besetzt werden."

Kruse mit Kritik

Routinier Max Kruse kann die Absageflut ebenfalls nicht nachvollziehen. "Ich glaube, es wird ein einmaliges Erlebnis. Eine Olympia-Medaille in den Händen zu halten, ist für viele Sportler das Größte. So sollte es auch für uns Fußballer sein", sagte der Offensivmann vom 1. FC Union Berlin und fügte mit Trotz in der Stimme hinzu: "Solange wir elf Leute auf den Platz bekommen, werden wir alles versuchen, die Goldmedaille zu holen. Die ist mehr Wert als jedes Geld."

Diese Einstellung soll das Team durch das Turnier tragen und wurde vom Mannschaftsrat bei der Prämienverhandlung untermauert. "Die Jungs haben das erste Angebot angenommen und bekommen soviel wie die anderen Athleten. Denen geht es nicht um die Kohle, die wollen Olympia spielen", lobte Kuntz. "Das war ein geiles Zeichen von der Mannschaft." Für Gold gibt es in Tokio 20.000 Euro.

"Wir haben alle Bock darauf"

Zunächst muss das DFB-Team die schwere Vorrunde mit den Spielen gegen Olympiasieger Brasilien, Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste überstehen. "Unser Ziel ist erst einmal das Erreichen des Viertelfinales", sagte Kuntz. Dabei setzt er auf "eine gewisse Lockerheit und den Teamspirit". Bei einem Gruppensieg lockt der Umzug ins Olympische Dorf, über das die ehemaligen Handball-Stars Stefan Kretzschmar und Christian Schwarzer am Montag bei einem geselligen Abend manche Anekdote erzählten.

Das Dorfleben wollen die Fußballer - wenn auch nur in abgespeckter Corona-Form - nun auch kennenlernen. "Es sollte das Ziel sein, dass wir dorthin kommen. So gehen wir das auch an", sagte Mittelfeldspieler Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg. An der nötigen Motivation ließ er keine Zweifel aufkommen: "Für uns ist es eine Auszeichnung, bei Olympia zu spielen. Wir haben alle Bock darauf." So geht es auch Ragnar Ache. "Es ist ein geiles Gefühl." Und dafür kann man auch mal länger wach bleiben.