Jose Holebas von Bayern Alzenau

In der vergangenen Saison lief Jose Holebas noch bei Eintracht-Gegner Olympiakos Piräus in der Champions League auf, jetzt kämpft er für Bayern Alzenau um Punkte in der Hessenliga. Warum tut er das?

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Seinen Start in das Kapitel Hessenliga hatte sich Jose Holebas mit Sicherheit anders vorgestellt. Der 37-Jährige, der exakt vor einem Jahr noch mit Olympiakos Piräus in der Champions League gegen Manchester City spielte, wurde bei seiner Premiere im Trikot von Bayern Alzenau vorzeitig zum Duschen geschickt. Gelb-Rot in der 88. Minute, Endstand gegen Eintracht Stadtallendorf: 1:1. Herzlich willkommen in der Fußball-Provinz. 5. Liga statt Königsklasse.

"Das ist hier schon ein anderer Fußball", fasst Holebas rund sechs Wochen und sechs Spiele nach seinem Debüt für Alzenau gegenüber dem hr-sport zusammen. Der Linksfuß, der in seiner Karriere für 1860 München, Piräus, die AS Rom sowie den FC Watford spielte, insgesamt 28 Mal in der Champions League auflief und mit Griechenland an der EM 2012 und der WM 2014 teilnahm, hat sich inzwischen an seine neue sportliche Heimat gewöhnt. "Es gibt aber natürlich viele Dinge, die man verbessern kann."

Kein Fußball ist auch keine Lösung

Holebas, der laut seiner Teamkollegen auch in der Kabine als Spaßkanone glänzt, ist körperlich topfit und wurde in der Hessenliga inzwischen vom gelernten Linksverteidiger zur Offensivkraft im Mittelfeld umgeschult. Einen Treffer hat er bislang erzielt, das Team steht in der Gruppe A der Hessenliga auf Tabellenrang sechs. Alles in allem: ausbaufähig. Warum tut sich Holebas, der eigenen Angaben zufolge noch ein Jahr in Piräus hätte dranhängen können, dieses Fußball-Abenteuer im hessischen Grenzgebiet also überhaupt an?

Holebas könnte am Donnerstag (18.45 Uhr) in der Europa League vor vollen Rängen gegen Eintracht Frankfurt auflaufen. Stattdessen heißt seine Realität am Samstag: Auswärtsspiel beim Hünfelder SV. Landkreis Fulda, Nieselregen.

"Ich hatte eigentlich vor, nach dem Ende meiner Karriere nix mehr zu machen. Aber das hat nicht funktioniert", so Holebas. Nach seinem Schlussstrich in Piräus kam schnell die Einsicht, dass kein Fußball auch keine Lösung ist. Ein Dilemma, das ein paar alte Weggefährten dann eiskalt ausnutzten.

Holebas' Rückkehr in die Heimat

Der aktuelle Alzenauer Spielertrainer Peter Sprung und sein Co-Trainer Murat Özbahar kennen Holebas, der in Aschaffenburg geboren wurde, schon seit mehr als 20 Jahren und halfen dem einst hoffnungsvollen Talent vor allem in der Anfangszeit seiner Laufbahn sehr. Da Holebas sehr jung Vater wurde und deshalb eine Fußball-Pause einlegte, begleiteten die beiden seinen Wiedereinstieg, der ihn von der Kreisliga in die Landesliga, zu 1860 München und in die große Fußballwelt führte, sehr intensiv. "Ich habe mit 18 aufgehört und wollte eigentlich gar nicht mehr spielen", so Holebas. "Ich bin sehr dankbar für meine Karriere."

Und ein Mix aus dieser Dankbarkeit und der heimatlichen Verbundenheit führte letztlich dazu, dass Holebas seit Ende September das Trikot von Bayern Alzenau trägt. "Peter hat mich wochenlang angerufen, dann habe ich ein paarmal mittrainiert und mich hinreißen lassen", erzählt er mit einem Grinsen.

Sein Haus, seine Familie und seine Freunde sind ohnehin alle in der Gegend, jetzt also auch sein Fußballverein. "Es war klar, dass es für mich irgendwann wieder hierhergeht." Zum privaten Glück gesellt sich nun eine fußballerische Herausforderung auf überschaubarem Niveau. Nebenbei macht Holebas seinen Trainerschein. Ein bayrisch-griechisch-hessisches Happy End.

Warnung an die Eintracht

Ob es das auch für die Eintracht am Donnerstagabend in Piräus geben wird? Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner könnte mit einem Sieg bei Holebas' Ex-Kollegen einen großen Schritt in Richtung K.o.-Phase machen. Die Heimstärke von Olympiakos ist jedoch nicht zu unterschätzen. "Die Eintracht erwartet ein Hexenkessel, da ist richtig Feuer drin in dem Laden", so Holebas. "Ich habe fünf Jahre dort gespielt, Piräus ist der FC Bayern Griechenlands." Holebas hat diesen griechischen FC Bayern in Richtung des bayrischen FC Bayern Alzenau verlassen. Klingt komisch, aber Gründe dafür gibt es genug.

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