Hängende Köpfe beim SV Wehen Wiesbaden nach dem Abpfiff in Ingolstadt

Zu Saisonbeginn war die Abwehr das Prunkstück des SV Wehen Wiesbaden. In den vergangenen zwei Spielen gab es dann jeweils vier Gegentore. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mockenhaupt: "Müssen uns als Team hinterfragen"

Sascha Mockenhaupt vom SV Wehen Wiesbaden
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Es ist noch nicht lange her, da stellte der SV Wehen Wiesbaden die beste Abwehr der 3. Liga. Nach sieben Spielen standen nur vier Gegentore zu Buche. Nur zwei Partien später ist dieser Nimbus Geschichte - erst hieß es 2:4 gegen die Zweitvertretung der Bayern, dann setzte es in Ingolstadt ein 1:4.

Rehm findet deutliche Worte

Woher kommt die plötzliche Abwehrschwäche? Eine zufriedenstellende Antwort hatte Sascha Mockenhaupt nach dem Spiel in Ingolstadt nicht. "Das ist eine Sache, die man den Trainer fragen muss. Und auch wir als Team müssen uns hinterfragen", sagte der Verteidiger im vereinseigenen Interview. "Wir müssen die Köpfe zusammenstecken und das analysieren."

Trainer Rüdiger Rehm fand nach der Auswärtsklatsche deutlichere Worte: "So können wir uns nicht präsentieren, da muss der ein oder andere mal den Kopf gewaschen bekommen. Das hat nichts mit Profifußball zu tun, was wir heute an den Tag gelegt haben", sagte er sichtlich angefressen bei Magenta Sport.

"Wir müssen in den scheiß Zweikampf!"

Und hatte damit indirekt bereits einen Punkt der aktuellen Abwehrschwäche ausgemacht: Die Wiesbadener waren in den Zweikämpfen nicht präsent - diese fehlende Entschlossenheit, die sich durch alle Mannschaftsteile zog, musste die letzte Reihe immer wieder ausbaden. "Wir müssen in den scheiß Zweikampf!", hatte Torhüter Tim Boss bereits beim zweiten Gegentor im Heimspiel gegen die Bayern für alle hörbar durch das Wiesbadener Stadion gebrüllt. Alleine seine Vorderleute folgten diesem Befehl nicht.

Hinzu kommen individuelle Fehler, die es in dieser Häufigkeit zum Saisonstart nicht gegeben hatte und die in den vergangenen beiden Spielen vermehrt zu Gegentoren führten: Paterson Chatos missglückter Abstoß gegen Ingolstadt sei genauso genannt wie die ungeschickten Einsätze von Michel Niemeyer (in Ingolstadt) und Jakov Medic (gegen Bayern), die jeweils zu Elfmetern für den Gegner führten. "Wenn man so viele Geschenke verteilt, dann bedankt sich der Gegner natürlich und du kriegst vier Dinger", resümierte Mockenhaupt.

Der kleine Kader wird zum Problem

Zudem wird dem SVWW aktuell sein sehr kleiner Kader zum Verhängnis: Mit Kapitän Sebastian Mrowca, Stefan Aigner, Benedikt Röcker sowie in Ingolstadt Dennis Kempe und Johannes Wurtz fehlen viele erfahrene Kräfte, die dem Team Stabilität verleihen und nicht adäquat ersetzt werden können. Ersatz-Kapitän Mockenhaupt spielt mittlerweile regelmäßig auf der rechten Außenbahn, fehlt dafür aber als ordnende Hand in der Innenverteidigung, in der die beiden 22-jährigen Medic und Florian Carstens zunehmend überfordert wirken.

Und die Verletzungsmisere könnte sich weiter verschärfen: Mit Marc Lais und Tim Walbrecht mussten gleich zwei Spieler aus dem defensiven Mittelfeld in Ingolstadt verletzt ausgewechselt werden. Immerhin: Da die Partie im Hessenpokal beim SV Zeilsheim, die für diesen Dienstag angesetzt war, coronabedingt ausfällt, hat der SVWW Zeit, die Krise aufzuarbeiten. Das soll laut Rehm in einer "knallharten Analyse" geschehen. Am Samstag (14 Uhr) kommt dann der FSV Zwickau mit Stürmer und SVWW-Legende Ronny König in die Wiesbadener Arena.