Alf Mintzel vom SV Wehen Wiesbaden
Alf Mintzel vom SV Wehen Wiesbaden Bild © Imago Images

Für den SV Wehen Wiesbaden geht es in den letzten beiden Saisonspielen in der Dritten Liga um den Aufstieg. Routinier Alf Mintzel kennt solche Drucksituationen bestens und wagt einen Vergleich mit dem FC Liverpool.

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Alf Mintzel vom SV Wehen Wiesbaden

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alf Mintzel: "Vier Punkte, zwei Spiele - das ist noch zu schaffen"

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Im Heimspiel am Samstag gegen den VfL Osnabrück (13.30 Uhr) kann sich der SV Wehen Wiesbaden bereits den Relegationsplatz sichern. Abwehrspieler Alf Mintzel schaut im Interview mit dem hr-sport aber noch weiter nach oben und erklärt, wie er als erfahrener Spieler auf seiner jüngeren Kollegen einwirken kann und warum Liverpool gezeigt hat, was möglich ist.

hr-sport: Herr Mintzel, wie bereitet sich das Team auf das Spiel gegen Osnabrück vor? Immerhin kann man den Relegationsplatz mit einem Sieg bereits klarmachen.

Alf Mintzel: Jeder versucht, noch mal ein Stück konzentrierter an die Sache ranzugehen. Aber unter dem Strich ist es nur ein Fußballspiel wie jedes andere auch, auf das wir uns ganz normal vorbereiten.

hr-sport: Ist es ein Vorteil für den SVWW, dass der Gegner Osnabrück bereits als Aufsteiger feststeht?

Alf Mintzel: Das ist immer schwierig. In manchen Spielen ist es ein Vorteil, manchmal ist es auch ein absoluter Nachteil, weil die Gegner dann komplett befreit aufspielen können und dann manchmal Sachen klappen, die sonst vielleicht nicht so klappen, wenn mehr Druck da ist. Aber es wird in erster Linie darauf ankommen, wie wir Osnabrück begegnen und wenn wir ihnen frühzeitig den Zahn ziehen und aggressiv spielen, dann kann es eher zu unserem Vorteil sein.

hr-sport: Schielt die Mannschaft noch auf den zweiten Platz oder geht es erst mal nur darum, den Relegationsplatz drei abzusichern?

Alf Mintzel: Warum sollten wir nicht auf den zweiten Platz schielen? Es ist ja noch nicht vorbei - vier Punkte, zwei Spiele, das ist noch zu schaffen. Noch ist es möglich, Karlsruhe abzufangen und so lange es möglich ist, werden wir es probieren.

hr-sport: Ist es denn realistisch, dass Karlsruhe noch zwei Mal patzt?

Alf Mintzel: Im Fußball von realistisch zu sprechen ist ganz schwierig. Wir haben das beste Beispiel bei Liverpool gegen Barcelona gesehen. Wie realistisch war es denn, dass Liverpool Barcelona daheim 4:0 schlägt, denen mit Firmino und Salah auch noch zwei Leistungsträger ausfallen? Im Fußball geht alles.

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SVWW-Profi Alf Mintzel beim Einwurf

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alf Mintzel: "Beim vierten Kind ist man nicht mehr so aufgeregt"

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hr-sport: Ärgern Sie sich noch sehr über die Niederlagen in Zwickau und Jena, durch die Sie hinter den KSC zurückgefallen sind?

Alf Mintzel: Es bringt nichts, in der Vergangenheit rumzukramen. Es gab mit Sicherheit noch andere Spiele in der Saison, die wir weggegeben haben, von denen uns die Punkte jetzt fehlen könnten im Vergleich mit Karlsruhe. Aber das bringt ja nichts. Die Spiele sind verloren worden und fertig. Wir können nur noch das beeinflussen, was vor uns liegt.

hr-sport: In der Winterpause hatte der SVWW sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Hat die Mannschaft damals noch an ihre Chance geglaubt, unter die Top drei der Liga zu kommen?

Alf Mintzel: Wir haben natürlich gewusst, dass es schwierig wird, noch mal da oben anzuklopfen. Aber wir hatten es nicht abgeschrieben. Unterhaching war Fünfter nach der Vorrunde und schauen Sie mal, wo die jetzt sind. Es geht in beide Richtungen nach wie vor alles. Deshalb haben wir uns gesagt: Wenn wir es schaffen, konstanter zu spielen und unsere Qualität auf den Platz zu bringen, dann können wir sicherlich auch nach oben hin noch was reißen. Und das haben wir getan.

hr-sport: Sie haben als Fußballer schon viele wichtige Spiele absolviert und 2016 gar in letzter Sekunde das entscheidende Tor zum Klassenerhalt erzielt. Sind Sie vor Duellen wie am Samstag gegen Osnabrück überhaupt noch aufgeregt?

Alf Mintzel: Man ist mit Sicherheit ruhiger als früher, aber das gilt für alle Situationen im Leben. Wenn man das vierte Kind bekommt, ist man nicht mehr so aufgeregt wie beim ersten. Die Routine beruhigt einen dann schon, weil man natürlich grob weiß, was auf einen zukommt. Aber eine gewisse Anspannung oder Nervosität ist vor jedem Spiel da. Da ist es egal, ob es um den Aufstieg geht oder ob es ein normales Spiel ist. Ganz ohne kann man auch keine Leistung bringen.

hr-sport: Wirken Sie denn damit auch auf die jüngeren Kollegen ein?

Mintzel: Einwirken dadurch, dass sie solche Situationen vielleicht noch nicht erlebt haben, sich aber nicht verrückt machen und einfach ihr Ding spielen sollen. Das kann man den Jungs natürlich schon mit auf den Weg geben. Es ist noch keiner gestorben deswegen, es gibt immer Schlimmeres im Leben. Deshalb sollte man versuchen, so frei wie möglich aufzuspielen in solchen Spielen.

hr-sport: Macht sich der Umbau des Stadions denn auf dem Platz bemerkbar?

Alf Mintzel: Es ist schon ein anderer Blick, den man im Spiel hat. Das war beim ersten Spiel ein bisschen ungewohnt, aber jetzt wissen wir, wie es aussieht und machen uns darüber ehrlich gesagt gar keine Gedanken mehr.

hr-sport: Sie sind nun 37 Jahre alt, ihr Vertrag, den Sie zuletzt immer um ein weiteres Jahr verlängert haben, läuft zum Saisonende aus. Wie geht es für Sie nach der Saison weiter?

Alf Mintzel: Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf das, was vor uns liegt und dann setzen wir uns hin und sprechen ganz in Ruhe. Die Pläne sind in der Schublade und was wir daraus machen, werden wir noch früh genug mitteilen.

hr-sport: Sie sollten ja eigentlich schon anderweitig im Verein angelernt werden für die Zeit nach der Karriere - wann auch immer das sein wird. Gab es dazu denn überhaupt schon Gelegenheit?

Alf Mintzel: Das ist immer schwierig, wenn man pro Jahr dann doch wieder 20 bis 30 Spiele macht. Da bleibt wenig Zeit für nebenher. Deshalb war das jetzt noch nicht so der Fall. Aber ich bin jetzt auch kein Dummerchen, ich werde da relativ schnell reinkommen, wenn es so weit sein sollte.

Das Gespräch führte Sonja Riegel