Sidney Friede und Rüdiger Rehm

Wenn es bei ihm nicht läuft, können schon mal Gegenspieler und Spielkonsolen fliegen: Neuzugang Sidney Friede soll beim SV Wehen Wiesbaden aber nicht nur mit Emotionen auffallen. Der Zweitligist fordert auch Zählbares.

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Sidney Friede, SV Wehen Wiesbaden
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Inhaltlich wirkte das, was Sidney Friede im Trainingslager des SV Wehen Wiesbaden zu erzählen hatte, ziemlich beliebig. Wie geschätzte 99 Prozent aller Profis vor ihm erklärte der Winterneuzugang, dass er a) gut aufgenommen worden sei, b) Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln und c) dem Team so gut wie möglich helfen wolle. Soweit, so altbekannt.

Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zunft, die Medientermine offenkundig als lästige Pflichtübung ansehen, wirkte Friede bei seinem Gesprächstermin mit dem hr aber ungewöhnlich gelöst. Kaum eine Frage, die nicht durch Friedes Lachen oder das der im Hintergrund herumhampelnden Mannschaftskollegen unterbrochen wurde. Wer den 21-jährigen Ex-Berliner so erlebte, nahm ihm wirklich ab, als er sagte: "Wir sind total euphorisch."

Rehm fordert offensive Akzente

Dass Tabellenplatz 17 und Euphorie auf dem Papier so gar nicht zusammenpassen wollen, spielt im Fall des Zweitligisten offenbar keine Rolle. Nach katastrophalem Saisonstart – der erste Sieg gelang dem SVWW Ende September – hat sich die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm zwar erst spät gefunden, aber dann mehrfach unter Beweis gestellt, dass die Qualität für die Ligazugehörigkeit definitiv vorhanden ist. "Wir müssen offensiv noch etwas effektiver werden", forderte Sportdirektor Christian Hock, "dann habe ich ein gutes Gefühl, dass wir die Klasse halten."

Friede soll dabei ein entscheidender Baustein im zentralen Mittelfeld werden. "Sidney ist ein Box-to-box-Spieler", sagte Hock, also einer, der am eigenen Strafraum ausputzt und den Ball im Optimalfall von dort aus gleich selbst ins gegnerische Tor trägt. Akzente sowohl defensiv als auch offensiv erhofft sich auch Cheftrainer Rehm von seinem Neuzugang. "Er soll den letzten oder vorletzten Pass spielen und den Abschluss suchen", forderte Rehm im Interview mit dem hr. Gleichwohl dürfe man den jungen Spieler nicht mit Erwartungen überfrachten.

Emotional auf und neben dem Platz

Friede, der in den ambitionierten Plänen der Hertha keine Rolle spielt und in der Hinrunde nur auf ein halbes Dutzend Einsätze in der Regionalliga-Reserve kam, konnte seine Fähigkeiten in der Rückrunde der vergangenen Saison bei Royal Mouscron in der ersten belgischen Liga andeuten. In acht Einsätzen kam er dort auf zwei Tore, eine Vorlage – und rekordverdächtige fünf Gelbe Karten. Ein Beleg für das Temperament des ehemaligen U-Nationalspielers, der von sich behauptet: "Ich bin ein sehr emotionaler Typ auf dem Platz."

Spötter würden sagen: nicht nur dort. Schließlich kursiert seit Ende des Jahres ein unterhaltsames Video von Friede im Internet, in dem er einem Fifa-spielenden Youtuber androht, seine Playstation aus dem Fenster zu werfen. Mangelnde Leidenschaft kann man dem 21-Jährigen definitiv nicht vorwerfen, ob in der digitalen oder der realen Welt.

SVWW sondiert den Markt

Ein belebendes Element auf und neben dem Platz soll der Neuzugang beim SVWW auch werden. Der 21-Jährige ist bislang der einzige Winterneuzugang in der Landeshauptstadt. Andere könnten noch kommen, Hock will in dieser Hinsicht aber nichts übers Knie brechen: "Egal, ob in der 1., 2. oder 3. Liga: Im Winter ist es schwierig, einen Spieler zu finden, der sofort zu 100 Prozent weiterhilft", sagte Hock. "Bei Sidney sind wir uns dessen sicher."

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Sidney Friede, SV Wehen Wiesbaden
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