Die Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden feiert den Aufstieg.

Der SV Wehen Wiesbaden ist nach zehn Jahren in die 2. Bundesliga zurückgekehrt. Doch wer ist der SVWW überhaupt? Die Geschichte eines Klubs, der aus der Provinz auszog und um Anerkennung und einen Platz in der Heimat immer wieder kämpfen muss.

Videobeitrag

Video

zum Video Wehen Wiesbaden im Party-Modus

Wehen  Aufstiegsfeier
Ende des Videobeitrags

Am 18. Februar 2017 fiel mit einem 3:0-Heimsieg gegen den FSV Zwickau der Startschuss für eine neue Ära unter Trainer Rüdiger Rehm beim SV Wehen Wiesbaden. Der 40-Jährige übernahm den Klub aus der hessischen Landeshauptstadt auf einem Abstiegsrang und führte ihn erst auf Rang sieben, in der darauffolgenden Spielzeit in die Spitzengruppe auf den vierten Platz – und diesmal zum Aufstieg. In 180 packenden und hochspannenden Minuten wurde der FC Ingolstadt dank der Auswärtstorregelung bezwungen.

Die Säulen für den SVWW-Erfolg

Videobeitrag

Video

zum Video SVWW-Trainer Rehm im Party-Interview

Rehm im Interview
Ende des Videobeitrags

Zusammen mit Sportdirektor Christian Hock zeichnet sich Rehm für den Erfolg des Klubs verantwortlich, der zudem noch immer von einer 2016 verstorbenen Person profitiert: Heinz Hankammer. Der Gründer eines auf Wasserfilter spezialisierten Unternehmens stieg 1979 als Hauptsponsor und Präsident ein. In dieser Funktion investierte er viel Geld in den 1926 gegründeten SV Wehen und bekam deshalb in Anlehnung an den Inhaber des FC Chelsea den Titel "Abramowitsch vom Dorf".

Weitere Informationen

Mintzel macht Schluss

Im Alter von 37 Jahren hat SVWW-Vereinslegende Alf Mintzel seine Karriere beendet. Das gab der Linksaußen auf der Aufstiegsfeier von Wehen Wiesbaden am Mittwoch bekannt. "Es war mir eine Ehre. Ich bin ergriffen davon, welche Liebe ihr mir entgegen gebracht habt", rief Mintzel den Fans des Zweitliga-Aufsteigers zu. Der Blondschopf war im Jahr 2010 zu den Hessen gewechselt und über die Jahre zum Fanliebling gereift. "Ich find's geil, dass ich am Wochenende sagen kann: Scheiß drauf, ich muss nicht auf den Platz", scherzte er. Trainer Rüdiger Rehm sprach von einem "krönenden Abschluss" von Mintzels Karriere.

Ende der weiteren Informationen

Bis zum Hankammer-Einstieg dümpelte der Klub aus Taunusstein in den untersten Ligen der Republik herum. Der erste größere Erfolg war 1996 der Sprung in die Regionalliga, 2007 glückte der erste Aufstieg der Vereinsgeschichte in die 2. Bundesliga – mit Hock als Trainer. Doch schnell war klar: Problemlos sollte dieser Schritt nicht bewältigt werden.

Stadion-Probleme schon nach dem ersten Aufstieg

Das Stadion am Halberg fasste nur 5.000 Zuschauer, und ein Umbau wäre für den SV Wehen infrastrukturell mit allergrößter Mühe verbunden gewesen. Statt dieses Mammutprojekt zu stemmen, folgte der Umzug nach Wiesbaden, wo in kürzester Zeit ein 12.566 fassendes Stadion neu erbaut wurde.

Seit dieser Umsiedlung firmiert der Klub unter dem Namen SV Wehen Wiesbaden, die Profi-Abteilung wurde in die neu gegründete SV Wehen 1926 Wiesbaden GmbH ausgegliedert. Kurzzeitig musste der SVWW allerdings ausweichen und vier Spiele in der Arena von Eintracht Frankfurt bestreiten.

Ringen um Anerkennung

Zwei Sachen haben sich damals wie heute nicht verändert. Wehen Wiesbaden hat noch immer mit der mangelnden Unterstützung in der gesamten Region zu kämpfen. Markus Hankammer, der Sohn des verstorbenen Heinz Hankammer und heutiger Präsident, sieht hier im Gespräch mit dem hr-sport zwar eine Verbesserung: "Man hat in den letzten Wochen gemerkt, dass immer mehr Leute gekommen sind. In und außerhalb der Stadt habe ich Leute in unserem Trikot rumlaufen sehen. Das ist toll."

Videobeitrag

Video

zum Video Hankammer: "War eine Achterbahnfahrt der Gefühle"

SVWW-Vereinspräsident Markus Hankammer
Ende des Videobeitrags

Dennoch schob er ehrlich hinterher: "Wir wissen, dass wir viel dafür arbeiten müssen, dass wir in Wiesbaden und Taunusstein die Unterstützung kriegen." Künftige Zweitligapartien gegen große Mannschaften wie den Hamburger SV, VfB Stuttgart, Hannover 96 oder das Hessenderby gegen den SV Darmstadt 98 sollten hierbei helfen.

Wiederkehrende Probleme mit dem Standort

Doch wo wird – und hier ist das zweite Problem - überhaupt gespielt? Erneut hat der Erfolg den Klub in seiner Entwicklung überholt. Die Vorgaben der DFL sind streng, das Stadion muss auf 15.000 Plätze erweitert werden. Der Plan: Bis Ende 2020 sollen die komplette Westtribüne und Nordwestecke ausgebaut sein.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pröckl: "Ende 2020 soll die neue Tribüne fertig sein"

Proeckl SVWW
Ende des Audiobeitrags

Derzeit hätten bei Vollauslastung 9.000 Anhänger Platz, eine Sondergenehmigung für den Standort Wiesbaden muss beantragt werden. "Wir gehen davon aus, dass wir eine solche bekommen würden", sagte Thomas Pröckl, der als Geschäftsführer der Stadion GmbH der Projektleiter des Umbaus ist, dem hr-sport bereits im März.

Erneut in Frankfurt unterwegs?

Videobeitrag

Video

zum Video Schäffler: "Jetzt in der 2. Liga etablieren"

Schäffer im Interview
Ende des Videobeitrags

Als Ausweichstadien habe man der DFL die Frankfurter Arena und das Stadion von Mainz 05 genannt. Dieses Szenario wäre dennoch ein Rückschlag für den Klub, der sich etablieren und über die Stadtgrenzen hinaus bekannter werden will. Doch auch davon will sich der SV Wehen Wiesbaden nicht von seinem Weg abbringen lassen.