Der SV Wehen Wiesbaden hat die Vorbereitung auf die neue Drittliga-Saison aufgenommen. Zuschauer waren beim Trainingsauftakt erlaubt. Viel zu sehen bekamen sie noch nicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So lief der Trainingsstart beim SV Wehen Wiesbaden

Rüdiger Rehm beim Training des SV Wehen Wiesbaden
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Fußball-Feinschmecker kamen am Montagnachmittag beim Trainingsauftakt des SV Wehen Wiesbaden eher abseits des Feldes auf ihre Kosten. Ein Imbisswagen hatte sich den Weg aus Wiesbaden hinauf auf den Halberg im Taunussteiner Ortsteil Wehen gebahnt und bot klassische Schmankerl der Sportplatz-Küche wie Pommes und Currywurst. Die wahren Gourmets versuchten sich freilich an der Wildschwein-Bratwurst. Ein Bier dazu, und man fühlte sich beinahe in die gute, alte Prä-Corona-Zeit versetzt.

Anders als etwa die Frankfurter Eintracht oder Darmstadt 98 entschied sich der Zweitliga-Absteiger dafür, die Vorbereitung zur neuen Saison vor Zuschauern anzugehen. 250 Anhänger hätten laut Corona-Statuten die ersten Ballberührungen des Neu-Drittligisten bestaunen dürfen, gut 50 machten davon Gebrauch. Da wurde das Abstandhalten rund um das Nachwuchsleistungszentrum zum Kinderspiel. Den vorgeschriebenen Mundschutz durfte man dennoch nur für kulinarische Zwecke kurzzeitig beiseite schieben.

Keine Hektik trotz Nachholbedarf

Auf große Leckerbissen auf dem Rasen mussten die treuen SVWW-Pilger indes erwartungsgemäß verzichten. "Man hat natürlich gemerkt, dass wir vier Wochen keinen Ball am Fuß hatten", sagte Gianluca Korte. Der Offensivmann, der von Waldhof Mannheim kam, ist neben Torwart Tim Boss (Dynamo Dresden) und Innenverteidiger Florian Carstens (FC St. Pauli) einer von bislang nur drei externen Neuzugängen. Ein gutes Dutzend Spieler haben den Verein dagegen nach dem Abstieg verlassen. Und mit Giona Leibold, Tobias Mißner, Cedric Euschen wurde einem weiteren Trio ein Abschied nahegelegt.

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zum Video Impressionen vom SVWW-Trainingsauftakt auf dem Halberg

SVWW-Training
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So standen beim Auftakt am Montag nur 16 Profi-Feldspieler auf dem Platz. "Da müssen wir noch nachlegen, und das werden wir auch", kündigte Trainer Rüdiger Rehm umfangreiche Transferaktivitäten bis zur Mitte September beginnenden Spielzeit an. Das zentrale Mittelfeld genießt dabei Priorität. Aber auch in der Innenverteidigung, im Sturm und auf den Außenbahnen könne sich noch etwas tun, so Rehm. Sprich: Es hakt an allen Ecken und Enden bei den Wiesbadenern, die eigentlich gerne so schnell wie möglich wieder in die zweite Liga zurückkehren möchten.

Aktuell, das weiß auch der Coach, seien einige Konkurrenten dem SVWW in puncto Neuverpflichtungen und Kaderqualität aber um einiges voraus. "Es gibt schon drei, vier Spieler, an denen wir dran waren, die leider nicht zu uns gekommen sind", erklärte Rehm. In Hektik verfallen, wolle man deshalb dennoch nicht. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, als man den Kader zu Lasten der individuellen Klasse frühzeitig beisammen hatte, ist noch immer in den Köpfen präsent. "Das hat uns gezeigt, dass man nicht zu schnell alles zumachen muss", sagte Rehm.

Der Fall Schäffler

Allzu große Investition können sich die Wiesbadener aktuell ohnehin nicht erlauben. "Unser Auftrag ist es, Spieler zu entwickeln", unterstrich Rehm noch einmal die Philosophie der vergangenen Jahre. Klappt das, sollen im nächsten Schritt durch Transfereinnahmen neue Talente an Land gezogen werden.

Die große Unbekannte in diesem System heißt derzeit Manuel Schäffler. Mit 19 Zweitliga-Toren hat sich der Stürmer selbst ins Schaufenster gestellt und könnte dem SVWW bei einem Verkauf neue Spielräume für Neuzugänge bescheren. Dass sich der 31-Jährige in der vergangenen Woche in Hamburg aufhielt, dürfte die anhaltenden Spekulationen um einen Wechsel zum HSV nicht abebben lassen. "Hamburg ist eine schöne Stadt, ich kann mir auch vorstellen, mal ein paar Tage da zu verbringen", wiegelte sein jetziger Coach die Gerüchte ab. Schäffler sei da und gebe im Training Vollgas, betonte Rehm: "Ich weiß auch, dass er ein Haus hier hat, da fühlt er sich ganz wohl." Ein Verbleib erscheint dennoch unwahrscheinlich.

Heimat Halberg

Hamburg oder Halberg? Den Unterschied zwischen dem Tor zur Welt und dem Tor zum Hintertaunus lernt gerade auch St.-Pauli-Neuzugang Florian Carstens kennen. "Ich bin momentan im Hotel in Taunusstein untergebracht , das ist natürlich was anderes als in der City in Hamburg", sagte der Abwehrmann. Auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe hat er daher das benachbarte Frankfurt ins Auge gefasst.

In den kommenden Wochen wird der Halberg aber zunächst zur zweiten Heimat für alle Spieler des SVWW werden. Am früheren Profistandort will sich der Drittligist vornehmlich auf die neue Saison vorbereiten. Ein Trainingslager sei nicht geplant, so Rehm: "Wir werden maximal vier, fünf Tage mal in ein Hotel gehen, um ein bisschen Teamspirit zu entwickeln." Für die Fans in Taunusstein heißt das jede Menge Trainingseinheiten. "Es ist toll, dass die Leute wieder da sind", sagte Trainer Rehm. Für die Leckerbissen muss - in Abwesenheit des Imbisswagens - fortan aber wahrscheinlich das Team sorgen.

Sendung: hr-iNFO, 03.08.2020, 19.30 Uhr