Sascha Mockenhaupt

Wenn der SV Wehen Wiesbaden in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Borussia Dortmund trifft, dann ist das für einen etwas ganz Besonderes: Sascha Mockenhaupt. Der Routinier ist glühender BVB-Fan und hat das Pokal-Los emotional gefeiert.

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Sascha Mockenhaupt
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Ein kleiner Junge grinst über beide Ohren. Seinen Kopf hat er auf ein großes, schwarz-gelbes Kissen gelegt, darauf prangt das Logo von Borussia Dortmund. Der kleine Junge, er ist inzwischen selbst Fußball-Profi, läuft für den SV Wehen Wiesbaden auf und heißt Sascha Mockenhaupt – und trifft in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den Verein, in dessen Bettwäsche er einst schlief: den BVB. "Das ist ein absoluter Kindheitstraum und ich bin froh, dass es so gekommen ist", sagte er im Gespräch mit dem hr-sport.

Die Bilder mit der BVB-Bettwäsche oder im riesigen Trikot, das einst auch bei Jan Koller locker saß, hat Mockenhaupts Mutter noch am Abend der Auslosung rausgesucht und ihrem Sohn geschickt. "Das Fan-Herz ist riesig", verrät er. "Für mich ist das keine Floskel. Seit dem Kindergarten bin ich Dortmund-Fan."

Emotionale Eskalation

Den Beweis dafür liefern nicht nur die verblassten, selten gestochen scharfen Fotos aus den 90ern. Wer Mockenhaupt auf Instagram folgt, konnte schon während der Pokalauslosung spüren, wie groß der Wunsch ist, endlich mal gegen seinen Herzensverein zu spielen. Den entscheidenden Moment hat er in einem Video festgehalten, das er später in seiner Story postet.

"Ich hab so Puls", ist da zu hören, als das entscheidende Los gezogen wird. Als dann der BVB als Gegner feststeht – ist erst einmal Stille. Zwei, drei Sekunden. "Niemals", sagt Mockenhaupt noch, bevor es aus ihm herausbricht. Er schreit und hüpft, kurz: Es herrscht komplette Eskalation.

Sascha Mockenhaupt

"Ich habe gegen so viele Bundesligisten gespielt, Dortmund hat einfach noch gefehlt", fasst er das mit etwas Abstand und emotionaler Distanz zusammen. "Ich habe mit meinen Freunden geschrieben, und je mehr Lose weggingen, habe ich immer geschrieben: Dortmund - Wiesbaden. Und als es dann so kam, konnte ich es im ersten Moment gar nicht richtig realisieren." Die Euphorie, sein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht, das alles entlädt sich in Tränen. Auch davon postet Mockenhaupt ein Bild.

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„Wenn ein Spieler zeigt, dass er geweint hat – das ist nicht typisch für einen Profi.“ Zitat von Sascha Mockenhaupt
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"Ich habe kurz gezögert, weil ich dachte: Wann sieht man mal einen Profi, der weint. Aber – wenn ich das nicht mache, ist das nicht authentisch. Da wollte ich mir einfach selbst treu bleiben", verrät er. Auf TikTok ist sein Video der emotionalen Pokalauslosung inzwischen viral gegangen, für Mockenhaupt ist all das immer noch unfassbar. Ein wenig so wie die Tatsache, dass er tatsächlich mit seinem Team gegen den Titelverteidiger, gegen seinen BVB aufläuft.

Schließlich schien das im Vorfeld beinahe aussichtslos. "Ich habe die Wahrscheinlichkeit ausgerechnet, das waren so um die drei Prozent." Dass er unbedingt gegen die Dortmunder spielen will, hat er trotzdem allen erzählt, die es hören oder manchmal auch nicht hören wollten. "Ich habe vorher mit unserer Physiotherapeutin und Mitspielern gesprochen", so Mockenhaupt. Die haben sich inzwischen schon über die Gegenspieler ausgetauscht, Mitspieler "Mocki" war derweil noch damit beschäftigt, das Los zu verarbeiten. "Ich war noch laufen, um wieder runterzukommen."

Laufduell mit Haaland

Als das erledigt war, konnte sich Mockenhaupt endlich Gedanken um all die Dinge machen, auf die er sich so freut: "Wenn ich die Jungs das erste Mal sehe, die Platzwahl, wenn Reus spielen sollte oder Hummels, dann Handshake und Platzwahl", sprudelt es aus ihm heraus. "Und auf ein Laufduell mit Erling Haaland freue ich mich." Da dürfte Mockenhaupt in etwa der einzige Gegenspieler des hochveranlagten Norwegers sein, der das so formuliert. Aber für die Erfüllung seines Kindheitstraums nimmt der 29-Jährige selbst das in Kauf.

Sascha Mockenhaupt

Und dann ist da ja noch die Sache mit dem Trikot. Zwar ist Jan Koller nicht mehr da, und die Jerseys sind auch nicht mehr ganz so leger geschnitten wie in den frühen 2000ern, Mockenhaupt hofft trotzdem auf einen Trikottausch. "Ich habe bisher nur mit Freunden und alten Weggefährten getauscht. Die hängen in meinem Streaming-Zimmer. Aber ich glaube, die Ausnahme wird man mir verzeihen", erzählt er.

Trikottausch mit Hummels?

Mockenhaupt selbst hat keine Präferenz: "Meine Frau wird wahrscheinlich auf Mats Hummels pochen, weil sie ein großer Fan ist. Am liebsten wäre mir: Ich geb ihnen elf Trikots, und darf alle elf mitnehmen, von denen, die gespielt haben." Dann wäre sicher auch das breite Grinsen zurück, das Sascha Mockenhaupt schon als kleiner BVB-Fan hatte.