Corona-Bilder

Die Spieler des SV Wehen Wiesbaden haben am Sonntag mit einem innigen Torjubel für Irritationen gesorgt. Aber - ist das wirklich verboten? Und was droht dem Club? Die Antworten.

Videobeitrag

Video

zum Video Rehm: "Kracher Stuttgart zuhause besiegt"

Rehm nach Stuttgart-Sieg
Ende des Videobeitrags

Manuel Schäffler schiebt zum Führungstreffer ein, dreht ab und jubelt gemeinsam mit Stefan Aigner, der das Tor vorbereitet hat. Die Umarmung ist innig, die Gesichter nah beieinander, nach und nach stoßen weitere Spieler des SV Wehen Wiesbaden dazu, bis schließlich eine ganze Traube Spieler gemeinsam den Treffer zum 1:0 gegen den VfB Stuttgart feiert. An einem ganz normalen Zweitliga-Spieltag ist das ein ganz normaler Torjubel. Einzig - das vergangene Wochenende war alles andere als normal.

Denn nach der wochenlangen, Corona bedingten, Pause starteten Bundesliga und 2. Bundesliga nicht nur unter dem Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL), sondern auch unter besonderer Aufmerksamkeit. Fans und Verantwortliche sahen ungewöhnliche Bilder aus den Stadien - leere Ränge, Profis, die mit Maske und großem Abstand auf der Tribüne statt auf der Auswechselbank sitzen, Distanzjubel und Bälle, die desinfiziert wurden.

Keine Distanz, keine Antworten

Sie sahen aber auch jene Bilder, die bereits am Samstagnachmittag für Diskussionen sorgten: Die Spieler von Hertha BSC etwa, die beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim gleich mehrere Treffer bejubeln durften (3:0), dabei allerdings das Gebot des zurückhaltenden Torjubels außer Acht ließen. Am Sonntag dann ähnliche Bilder - wenn auch nicht mit einer solchen Intensität - aus Wiesbaden.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Masken und Umarmungen: So sah der erste Corona-Spieltag aus

Ende der Bildergalerie

Der Verein wollte sich auf Anfrage des hr-sports dazu nicht äußern. Ein Sprecher betonte aber, der SVWW sei mit seinen Spielern im permanenten Austausch, um die von der DFL vorgegebenen Hygieneregeln umzusetzen. Ob der innige, distanzlose Jubel noch einmal Thema waren - etwa in der Nachbesprechung der Partie? Das verriet der Verein nicht.

Kein Regelverstoß

Klar ist, die Spieler des SVWW haben mit jenen Gesten nicht gegen das Hygiene-Konzept der DFL verstoßen. Denn bereits am Samstag hatte die Liga als Reaktion auf die Berliner Ekstase mitgeteilt: Der Torjubel von Spielern sei "nicht Bestandteil" des medizinisch-organisatorischen Konzepts: "Zum Thema Torjubel wurden in Ergänzung zum Konzept lediglich Hinweise zur Orientierung gegeben – Sanktionen erübrigen sich daher."

Jene Hinweise ergeben sich aus einem Rundschreiben zum Wiederbeginn am vergangenen Wochenende: "Gemeinsames Jubeln, Abklatschen und Umarmungen sind zu unterlassen." Das ist allerdings nur eine Empfehlung, weshalb auch die Schiedsrichter keine Sanktionsmöglichkeiten haben. "Die Schiedsrichter können nur präventiv tätig sein und die Spieler auf ihre Eigenverantwortung hinweisen“, sagte Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner.

Söder fordert Nachbesserungen

Aus Sicht der Politik aber ist es damit nicht getan. So erwartet etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder präzisierte Verhaltensregeln für die Profis beim Torjubel. "Die Liga wird noch mal nachschärfen, da bin ich relativ sicher, um das klarer zu machen", sagte der CSU-Chef am Sonntag Sport1. Dann sehen die Bilder am nächsten Spieltag vielleicht schon wieder anders aus.