SVWW-Trainer Rüdiger Rehm im Gespräch mit seinen Spielern

Holprige Vorbereitung, großer Umbruch und ein vielversprechender Youngster: Nach einer kurzen Vorbereitungszeit geht es für den SV Wehen Wiesbaden am Montag in der 3. Liga los. Noch läuft nicht alles rund.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Eintracht Frankfurt verliert Test gegen Wehen Wiesbaden

Ali Akman am Ball gegen den SV Wehen Wiesbaden.
Ende des Audiobeitrags

Nach Platz sechs im vergangenen Jahr startet der SV Wehen Wiesbaden in eine weitere Drittliga-Saison: Am ersten Spieltag geht es am kommenden Montag (19 Uhr) zur Zweitvertretung des SC Freiburg. hessenschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Saisonstart des SVWW.

Wie lief die Vorbereitung?

Durchwachsen. Während der 3:1-Testspiel-Sieg bei Eintracht Frankfurt ein Highlight war, hatte Trainer Rüdiger Rehm auch mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen. So stießen viele Neuzugänge erst in der Vorbereitung zum Team. Hinzu kam das ausgefallene Testspiel in Leverkusen am Mittwoch vergangener Woche, das dem Coach besonders schmerzte. "Uns fehlt ein bisschen Spielzeit nach kurzer Sommerpause und nur fünf Testspielen", sagte er nach der 1:2-Niederlage gegen Elversberg am Samstag. Die Generalprobe gegen den ambitionierten Regionalligisten ging auch deshalb verloren, weil die Wiesbadener nach ihrer Rückkehr aus Leverkusen kurzfristig eine Doppeleinheit angesetzt hatten und entsprechend müde waren.

Wie groß war der Umbruch?

"Das sind wir ja gewohnt", sagte Rehm am Rande des Trainingsauftakts im Juni, als ihm noch einige Spieler fehlten. Und tatsächlich war der Umbruch erneut groß: Zwölf Spieler verließen den Verein, bis jetzt kamen elf neue hinzu. Die Aufgabe, aus vielen neuen Leuten ein Team zu formen, stellt sich dem Trainer in Wiesbaden allerdings nicht zum ersten Mal.

Doch auch neben dem Platz hat sich einiges getan: Sportdirektor Christian Hock hat den Verein im Sommer nach über zehn Jahren verlassen. Der frühere Videoanalyst und Scout Paul Fernie ist nun neuer Sportlicher Leiter. Das Trainerteam hat mit dem früheren Jugendtrainer Nils Döring ebenfalls Zuwachs bekommen.

Welche Abgänge wiegen am schwersten?

Der SVWW hat mit Maurice Malone (war vom FC Augsburg ausgeliehen) und Phillip Tietz (zu Darmstadt 98) seine beiden Top-Scorer verloren. Zudem ist mit Jakov Medic eine echte Allzweckwaffe Richtung Hamburg zum FC St. Pauli weitergezogen. Und auch Paterson Chato, der dem Team mit seiner Zweikampfhärte im defensiven Mittelfeld Stabilität verlieh, wanderte ab (zu Türkgücü München). Noch nicht für alle hat der SVWW bislang Ersatz finden können.

Welche Neuzugänge können sich in den Vordergrund spielen?

Wie so oft haben sich die Wiesbadener nicht an großen Namen, sondern eher an aufstrebenden sowie erfahrenenen Dritt- und Zweitliga-Spielern orientiert. So soll Mehmet Kurt, der vom SC Verl kam, künftig die Fäden im Mittelfeld ziehen. Gino Fechner (Uerdingen), Emanuel Taffertshofer (Sandhausen) und Jozo Stanic (Augsburg/ausgeliehen) sollen die Defensive stabilisieren, mit Stefan Stangl (Türkgücü München) und Nico Rieble (VfB Lübeck) gibt es zudem gleich zwei neue Anwärter auf die Position des Linksverteidigers. Bjarke Jacobsen, der aus der ersten dänischen Liga von Horsens kam, hat bereits angedeutet, dass er mit seiner Ballsicherheit im Mittelfeld ein Faktor sein kann. Und weiter vorne haben Maximilian Thiel (Heidenheim) und Thijmen Goppel (Kerkrade) gute Chancen, sich in die erste Elf zu spielen.

Florian Stritzel (zuletzt Darmstadt 98) komplettiert das Torhüter-Team, bei dem Tim Boss durch seine gute vergangene Saison jedoch die Nase im Rennen um die Nummer eins vorne haben dürfte. Aus der eigenen Jugend hat zudem Amin Farouk auf sich aufmerksam gemacht - durch sein Siegtor gegen Schweinfurt und seine zwei Treffer gegen die Eintracht. Rehm will beim 17-Jährigen aber nichts überstürzen. "Den Jungen müssen wir noch ein bisschen in Ruhe lassen", sagte er, stellte ihm aber zumindest einen Platz im erweiterten Kader in Aussicht. "Er macht es gut und ist mit eingeplant, wenn es so weitergeht."

Welche Baustellen gibt es noch?

Die größte Baustelle des SVWW ist aktuell eindeutig die Offensive. Die Abgänge von Malone und Tietz sind noch nicht aufgefangen - im Moment sind Johannes Wurtz und Gustaf Nilsson für den Sturm vorgesehen. Mit dem lange verletzten Dominik Prokop kehrt immerhin ein belebendes Element für das offensive Mittelfeld zurück. Ganz vorne sollte der Kader trotz der Goppel-Verpflichtung aber noch verstärkt werden, wenn man im Kampf um die vorderen Drittliga-Plätze konkurrenzfähig sein möchte.

Wie stehen die Aufstiegschancen?

Den Trainern der 3. Liga zufolge gehört der SV Wehen Wiesbaden nicht zu den großen Aufstiegsfavoriten. Ganz vorne sehen die meisten laut einer Umfrage des DFB Eintracht Braunschweig und 1860 Müchen, gefolgt vom 1. FC Kaiserslautern. Der SV Wehen Wiesbaden wird deutlich seltener, aber immerhin von vier der 20 Trainern genannt. "Unser Ziel muss es immer sein, unter den besten sechs Mannschaften zu sein und dann zu schauen, was wir noch entwickeln können", so Rehm in der Umfrage.

Weitere Informationen

Die Zu- und Abgänge des SV Wehen Wiesbaden (Stand: 24. Juli 2021)

Zugänge:
Mehmet Kurt (SC Verl)
Stefan Stangl (Türkgücü München)
Gino Fechner (KFC Uerdingen)
Florian Carstens (FC St. Pauli, war bereits zuvor an den SVWW ausgeliehen)
Ahmet Gürleyen (FSV Mainz 05 II, war bereits zuvor an den SVWW ausgeliehen)
Kevin Lankford (FC St. Pauli, war bereits zuvor an den SVWW ausgeliehen)
Lucas Becker (SV Wehen U19)
Nico Rieble (VfB Lübeck)
Emanuel Taffertshofer (SV Sandhausen)
Bjarke Jacobsen (AC Horsens)
Florian Stritzel (Darmstadt 98)
Jozo Stanic (FC Augsburg)
Maximilian Thiel (FC Heidenheim)
Thijmen Goppel (Roda Kerkrade)

Abgänge:
Moritz Kuhn (Türkgücü München)
Michael Guthörl (TSG Hoffenheim II)
Phillip Tietz (SV Darmstadt 98)
Stefan Aigner (Karriereende)
Marvin Ajani (MSV Duisburg)
Matthias Hamrol (Ziel unbekannt)
Michael Niemeyer (RW Essen)
Benedikt Röcker (Karriereende)
Maurice Malone (FC Augsburg/Leihende)
Tim Walbrecht (Hannover 96/Leihende)
Jakov Medic (FC St. Pauli)
Paterson Chato (Türkgücü München)

Ende der weiteren Informationen