Robert Andrich, Manuel Schäffler, Phillip Tietz und Daniel-Kofi Kyereh während ihrer Zeit beim SV Wehen Wiesbaden

In den vergangenen Jahren haben viele Spieler das Trikot des SV Wehen Wiesbaden getragen, die sich danach in höheren Ligen einen Namen gemacht haben. Nicht bei allen war diese Entwicklung absehbar. Ein Überblick.

Ein Jahr zweite Liga - mehr war dem SV Wehen Wiesbaden in den vergangenen Jahren nicht vergönnt. Doch einige Spieler haben in ihrer Zeit in der hessischen Landeshauptstadt so nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht, dass sie inzwischen zum Teil deutlich höher spielen - bis hin zur Europa League und dem Afrika Cup.

Audiobeitrag

Audio

Schäfer: Unsere Spieler sind jetzt auch gefragt

Ende des Audiobeitrags

"Das ist eben auch eine Entwicklung im Verein, dass Spieler, die bei uns spielen, jetzt auch gefragt sind. Und es ist auch für andere Spieler ein Zeichen: Hier kannst du hergehen, um den nächsten Schritt zu tun", sagt SVWW-Geschäftsführer Nico Schäfer dem hr-sport mit Blick auf diejenigen, die die Station Wiesbaden als persönliches Sprungbrett genutzt haben. "Es ist auch für den Verein natürlich sehr positiv, Transfererlöse zu erzielen, um sie dann auch wieder zu investieren."

Diese Ex-SVWW-Spieler haben sich in letzter Zeit in den Vordergrund gespielt:

Robert Andrich

Robert Andrich bejubelt sein Tor für Leverkusen gegen Celtic Glasgow.

Derjenige, der es aus den SVWW-Kadern der vergangenen Jahre am weitesten gebracht hat, ist zweifelsohne Robert Andrich. Der inzwischen 27-Jährige spielte von 2016 bis 2018 in Wiesbaden - damals hatte ihn der SVWW aus Dresden verpflichtet. Andrich war in der 3. Liga eine feste Größe im Mittelfeld der Wiesbadener, seine technischen Fähigkeiten waren da bereits zu sehen.

Allerdings fehlte es dem gebürtigen Potsdamer seinerzeit gelegentlich an Disziplin, in der Endphase der Saison 2017/2018 flog er gleich zwei Mal vom Platz, was den SVWW im Aufstiegskampf zurückwarf. Nicht jedoch Andrich persönlich, der sich mit Geduld und klugen Wechseln nach vorne spielte: Aus Wiesbaden ging es nach Heidenheim, von da weiter zu Bundesliga-Aufsteiger Union Berlin und auch bei Bayer Leverkusen, wo Andrich seit dem Sommer 2021 unter Vertrag steht, hat er sich auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft. Dort spielt er jetzt sogar Europapokal.

Daniel-Kofi Kyereh

Daniel-Kofi Kyereh im Trikot der Nationalmannschaft Ghanas

Als Daniel-Kofi Kyereh im Sommer 2018 aus Havelse nach Wiesbaden kam, war er nur Fußball-Insidern ein Begriff. Beim SVWW entpuppte sich der offensive Mittelfeld-Mann schnell als Volltreffer und war mit 15 Toren maßgeblich am Aufstieg in die 2. Liga beteiligt. Auch dort war er mit 13 Scorer-Punkten durchaus erfolgreich und so verwunderte es nicht, dass er nach dem Abstieg das Angebot bekam, weiterhin zweitklassig zu spielen: Der FC St. Pauli nahm Kyereh unter Vertrag.

Bei den Norddeutschen startete er dann so richtig durch. In seinen ersten eineinhalb Jahren sammelte er 34 Scorer-Punkte. Der Lohn: Seit Herbst 2021 ist Kyereh Nationalspieler und nimmt mit seinem Geburtsland Ghana Anfang 2022 am Afrika-Cup teil. Und es ist vermutlich keine gewagte Prognose, zu sagen, dass er seine Jubel-Salti bald auch in der Bundesliga schlagen dürfte.

Phillip Tietz

Phillip Tietz spielt bei Darmstadt 98 eine furiose Saison.

Als sich Kyereh in Richtung Hamburg verabschiedete, richtete er in einer Instagram-Story auch Worte an seinem Sturmpartner: "Phillip Tietz, du wirst Torschützenkönig nächstes Jahr!" Damit meinte er die Drittliga-Saison 2020/2021 des SVWW, in der Tietz nach einem verkorksten Zweitliga-Jahr inklusive schwerer Verletzung endlich wieder durchstarten wollte. Nach einigen Schwierigkeiten erzielte er immerhin elf Saisontore.

Torschützenkönig wurde er so zwar nicht, aber dafür wurde Darmstadt 98 auf ihn aufmerksam: Die Lilien verpflichteten Tietz zur Saison 2021/2022 und der 24-Jährige schlug sofort ein. 12 Saisontore erzielte Tietz alleine in der Hinrunde und bildet zusammen mit Luca Pfeiffer das aktuell wohl heißeste Sturm-Duo der 2. Liga.

Manuel Schäffler

Manuel Schäffler stürmt inzwischen für Nürnberg.

Genau wie Kyereh war Manuel Schäffler Teil der SVWW-Offensive, die in der Saison 2019/2020 durchaus Zweitliga-Tauglichkeit besaß. Nach dem Abstieg war deshalb klar, dass die Wiesbadener den Torschützenkönig von 2018/2019 nicht erneut für die Drittliga-Saison halten können.

Zweitligist 1. FC Nürnberg griff zu und spülte dem SVWW damit immerhin eine ordentliche sechsstellige Ablösesumme in die Kasse. Nico Schäfer meint auch Schäffler, wenn er sagt: "Lieber wollen wir diese Spieler halten, dazu muss man aber auch in der zweiten Liga spielen, was wir leider nur ein Jahr geschafft haben."

Jakov Medic und Maximilian Dittgen

Jakov Medic (links) und Maximilian Dittgen in Diensten von St. Pauli

Zwei weitere SVWW-Ehemalige spielen beim FC St. Pauli aktuell um den Bundesliga-Aufstieg: Der offensive Mittelfeldmann Maximilian Dittgen ging gemeinsam mit Kyereh 2020 zum Zweitligisten und hat inzwischen sogar die in Wiesbaden zumeist vermisste Torgefahr für sich entdeckt.

Seit Beginn der aktuellen Saison macht auch Jakov Medic in Hamburg auf sich aufmerksam. Er hatte nach einer starken Spielzeit 2020/2021 mit dem SV Wehen Wiesbaden das Angebot aus St. Pauli erhalten und setzte sich auf Anhieb bei seinem neuen Verein durch, ehe ihn zum Ende der Hinrunde ein Nasenbeinbruch ausbremste. Mit seinen 23 Jahren und seiner robusten Spielweise hat der Verteidiger, der in Wiesbaden einst sogar erfolgreich aus Stürmer aushalf, aber sicher eine große Zukunft vor sich.

Wer ist der nächste?

Gustaf Nilsson und Ahmet Gürleyen

Zunächst einmal haben alle aktuellen Spieler des SV Wehen Wiesbaden die Chance, im nächsten Jahr in der 2. Liga zu kicken - vorausgesetzt dem SVWW gelingt der Aufstieg. Wird daraus nichts, dürften vor allem zwei Spieler für einen persönlichen Aufstieg in Frage kommen.

Gustaf Nilsson steht mit elf Treffern an der Spitze der Drittliga-Torjägerliste und ist der Stoßstürmer, den sich viele Vereine wünschen. Der Schwede hat sich nach einem schwierigen ersten Halbjahr in Wiesbaden in dieser Saison deutlich verbessert und dürfte bereits das Interesse höherklassiger Vereine geweckt haben.

Ähnlich ist es bei Ahmet Gürleyen: Der robuste Innenverteidiger, der zunächst von der zweiten Mannschaft von Mainz 05 ausgeliehen war und seit Sommer 2021 dem SVWW gehört, hat sich einen Stammplatz erkämpft und Florian Carstens auf die Bank verdrängt. Mit seinen 22 Jahren ist er zweikampfstark und abgeklärt und hat damit das Potenzial, in die Fußstapfen von beispielsweise Jakov Medic zu treten.