Rüdiger Rehm beim Training des SV Wehen Wiesbaden
Für Rüdiger Rehm und den SV Wehen Wiesbaden ist die 2. Bundesliga kein Neuland. Bild © Imago Images

Der SV Wehen Wiesbaden spielt nach zehn Jahren endlich wieder in der 2. Bundesliga. Für den Verein wie für den Trainer ist es eine zweite Chance. Gelingen soll der Klassenerhalt mit einer Truppe voller junger Wilder.

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Rüdiger Rehm

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So lief die vergangene Saison

Das Beste kommt zum Schluss. Das traf für den SV Wehen Wiesbaden zumindest in der vergangenen Saison zu. Die Hessen verloren in der Relegation gegen den FC Ingolstadt das Hinspiel daheim zwar mit 1:2, konnten das Rückspiel aber noch sensationell mit 3:1 gewinnen. Die Belohnung: der lange ersehnte Aufstieg. Eigentlich hätten es die Hessen auch schon vorher verdient gehabt.

Die 70 Punkte, die das Team von Trainer Rüdiger Rehm in der regulären Saison sammelte, hätten in den drei Spielzeiten zuvor zweimal für den direkten Aufstieg gereicht. Positives Merkmal der Hessen: die Offensive. Mit 74 Toren stellte der SVWW den treffsichersten Angriff der Liga. Das Manko ist da aber auch schnell entdeckt: Die insgesamt 47 Gegentreffer sorgten mit dafür, dass es am Ende nur zu Platz drei und zur Relegation reichte.

Wer kommt, wer geht?

Für den SVWW geht es ohne Alf ins Abenteuer. Routinier Alf Mintzel hat nach dem Aufstieg sein Karriereende verkündet – nach insgesamt neun Jahren und 272 Liga-Spielen für die Hessen. Neben ihm verließ mit Torhüter Markus Kolke, der zu Hansa Rostock wechselte, ein zweiter Eckpfeiler den Verein. Ebenfalls nicht mehr dabei: Simon Brandstetter, Giuliano Modica (beide Mainz II), Agyemang Diawusie, Florian Hansch (beide Leihende) und Sören Reddemann (Chemnitz).

Dafür holte Sportdirektor Christian Hock reichlich junge Wilde ins Team, die den Klassenerhalt packen sollen. Der Reihe nach: Michel Niemeyer (Magedeburg), Cedric Euschen (Nürnberg II), Marvin Ajani (Halle), Paterson Chato (Lotte), Tobias Mißner (BVB II), Michael Guthörl (Fürth II), Dominik Franke (Wolfsburg II), Phillip Tietz (Paderborn) und Jan-Christoph Bartels (Köln). Dazu kommen mit Giona Leibold, Arthur Lyska und Jan Vogel drei Spieler aus der eigenen Jugend. Der einzige Neuzugang mit reichlich Erfahrung ist Benedikt Röcker, den der SVWW ablösefrei aus Bröndby nach Wiesbaden lotste – der Innenverteidiger schaffte es auch direkt in den Mannschaftsrat.

"Stand jetzt ist der Kader komplett", berichtet Trainer Rehm: "Wir wissen aber, dass auf dem Transfermarkt immer eine Tür aufgehen kann – in beide Richtungen. Wir müssen immer darauf vorbereitet sein, dass wir im Notfall auch noch einmal nachlegen können."

Trainer Rüdiger Rehm

Für Rehm ist es die zweite Chance in der 2. Bundesliga. In der Saison 2016/2017 trainierte er bereits Arminia Bielefeld im Fußball-Unterhaus, allerdings nur für zehn Spiele. Nach fünf Remis und fünf Niederlagen war das Zweitliga-Abenteuer für den gebürtigen Heilbronner schon wieder beendet. Nach einer kurzen Zeit der Reflektion heuerte der Ex-Profi beim SVWW an und führte den Verein kontinuierlich nach oben - und erlebt dadurch nun die Rückkehr mit seinem neuen Club.

Die Arminia und den SVWW will Rehm aber nicht vergleichen. "Die Situation in Bielefeld war eine andere. Da sind wir sehr kurzfristig hin gewechselt. Die Zeit war sehr knapp." Was aber nichts daran ändert, dass der 40-Jährige besonders heiß ist auf den zweiten Anlauf. "Ich bin froh, wieder zurück zu sein in der 2. Bundesliga und brenne auf die Chance. Aber nicht in dem Sinn, weil ich etwas wieder gut machen will."

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Rüdiger Rehm SV Wehen Wiesbaden still

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Erwartungen an die neue Spielzeit

Das Wort Klassenerhalt nimmt als Ziel in der hessischen Landeshauptstadt keiner in den Mund. Vielmehr wolle man den eigenen Spielstil mit in die Liga einbringen. Dennoch dürfte es für die Hessen in dieser starken Liga um nichts anderes als den Ligaverbleib gehen. Besonders da die junge Mannschaft schwer einzuschätzen ist. Die Testspiele vor der Saison liefen - bis auf die Generalprobe eine Woche vor dem Ligastart gegen Boavista Porto - größtenteils nicht wirklich rund, dennoch erklärt Trainer Rehm: "Wir gehen mit großer Überzeugung in die Saison und wollen uns trauen, unseren Fußball genauso zu spielen, wie wir es in der dritten Liga gemacht haben."

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Rüdiger Rehm, Trainer des SV Wehen Wiesbaden

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Als Positiv-Beispiel dient den Hessen die erste Saison der Vereinsgeschichte in der 2. Bundesliga. Als Aufsteiger landete der SVWW in der Spielzeit 2007/2008 auf Rang acht. Das Negativ-Beispiel folgte ein Jahr später. Da stieg man als Tabellenletzter sang- und klanglos ab. Ein Szenario, das in dieser Saison verhindert werden soll.