Benedikt Röcker Collage SV Wehen Wiesbaden

Wann, ob und wo Benedikt Röcker wieder Fußball spielen kann, ist aktuell unklar. Der Verteidiger des SV Wehen Wiesbaden befindet sich nach einem Knorpelschaden in der Reha, im schlimmsten Fall drohen Karriereende und Arbeitslosigkeit.

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Audioseite Röcker: "Karriereende für mich aktuell noch weit weg"

Benedikt Röcker
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Wenn der Arbeitstag für Benedikt Röcker vorbei ist, ist kein Auslaufen angesagt, kein Plausch mit den Kollegen in der Kabine, kein Taktik-Einzelgespräch mit dem Trainer. Nach der täglichen Plackerei steht etwas anderes an: eine Runde Gassigehen. Der 31 Jahre alte Profi des SV Wehen Wiesbaden stand in dieser Saison noch keine einzige Sekunde auf dem Platz. Der Innenverteidiger hat einen Knorpelschaden, absolviert seine Reha aktuell zuhause in Baden-Württemberg, genauer gesagt in Löchgau - und muss sich der Frage stellen: Wie geht es weiter in der Karriere?

Die Diagnose kam im November des vergangenen Jahres. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte Röcker aufgrund einer Verletzung in der Vorbereitung keine Minute für den SVWW in der aktuell laufenden Drittliga-Saison auf dem Platz gestanden.

"Es war überhaupt nicht leicht für mich, wenn dir der Fußball von heute auf morgen genommen wird. Das ist schon krass", berichtet er im Gespräch mit dem hr-sport. Es wurde zunächst auf eine Operation verzichtet, der Knorpelschaden sollte konservativ behandelt werden. Und: Zu Beginn lief das Unternehmen Rückkehr problemfrei.

Nach der Kontrolluntersuchung kommt der Rückschlag

"Im Dezember hatte ich eine Kontrolluntersuchung, die eigentlich gut aussah. Zu dem Zeitpunkt dachte ich, dass ich jetzt wieder Vollgas geben kann – was ich auch gemacht habe", erzählt er. Es war, das weiß Röcker heute, nur ein kurzes Zwischenhoch. "Dann habe ich aber wieder einen Rückschlag erlitten. Ich habe wieder Probleme bekommen, auch im Alltag. Das hat mich gesundheitlich und mental zurückgeworfen."

Von einer schnellen Rückkehr war plötzlich nicht mehr die Rede. Der Verteidiger musste beinahe wieder ganz von vorne anfangen. "Nach dem Dezember war es nicht einfach. Ich dachte, ich fange wieder bei Null an. Jetzt mache ich aber gute Fortschritte. Das stimmt mich optimistisch", berichtet Röcker.

Ab dem Sommer noch ohne Vertrag

Die guten Fortschritte sehen dabei im Alltag folgendermaßen aus: Täglich schuftet der Ex-Bröndby-Profi ab früh morgens in der Reha, manchmal bis zu vier Stunden - Behandlung inklusive. Hin und wieder findet er sich sogar zweimal am Tag dort ein. Danach geht es nach Hause, es wird der Haushalt gemacht oder eben, wie eingangs erwähnt, mit dem Hund rausgegangen.

Da gibt es, dessen ist sich auch Röcker bewusst, viele Stunden, in denen der Verteidiger über sehr vieles nachdenken kann. Ein Umstand, der manchmal nicht unbedingt hilfreich ist. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, noch ist der SVWW nicht auf den Verteidiger zugegangen. Auch andere Clubs haben sich noch nicht gemeldet. Stand jetzt ist Röcker ab dem 1. Juli vertrags- und damit arbeitslos. Und über allem schwebt die Frage, wann und wie er überhaupt wieder Fußball spielen kann.

Benedikt Röcker privat SV Wehen Wiesbaden

Schon Gedanken über die Karriere nach der Karriere gemacht

"Wenn ich sagen würde, das lässt mich kalt, würde das nicht stimmen. Da denke ich natürlich drüber nach", schildert Röcker seine Situation ehrlich, betont aber auch: "Noch bin ich recht gelassen. Ich möchte zunächst wieder fit werden. Dafür arbeite ich täglich hart."

Was ihm auch bewusst ist: Der Abwehr-Spezialist befindet sich im Herbst seiner Fußballer-Laufbahn. Auch das große Wort Karriereende lässt sich da, besonders bei seiner Situation, nicht leugnen. "Natürlich beschäftigt einen dieses Thema automatisch bei langen Verletzungen. Das ist für mich momentan aber noch weit weg", gibt er sich trotzig.

Auf den Zeitpunkt, wann immer er auch kommen mag, ist Röcker schon jetzt vorbereitet. Und zwar seit Jahren. Schon während seiner Zeit bei Bröndby IF in Dänemark von 2016 bis 2019 habe er sich damit auseinandergesetzt, berichtet er. "Ich möchte nicht von heute auf morgen die Karriere beenden und nicht wissen, was ich danach mache." Trainer, Sportdirektor, Spielerberater - für ihn sei alles offen.

"Das ist eine willkommene Abwechslung"

Während Trainer und Sportdirektor keine unüblichen Zukunftswünsche für Profis sind, ist Berater dann doch etwas Neues. "Mich reizt es, meinen Erfahrungsschatz an junge Spieler weiterzugeben. Ich könnte mir nach der Karriere auch eine Tätigkeit im Bereich Spielerberatung sehr gut vorstellen", erklärt der 31-Jährige.

Geht es nach ihm, ist dieser Abschnitt im Leben aber noch weit entfernt - und wartet erst recht nicht im Sommer. Das Ziel Rückkehr, das Ziel Fußball-Platz hat er nicht aus den Augen verloren. Wo, wann, wie oder ob er dieses Ziel erreicht: Das weiß Röcker momentan nicht einmal selbst.