Törles Knöll und Manuel Schäffler bejubeln den späten Ausgleich gegen den HSV.

Letzter gegen Erster und zehn gegen elf? Egal! Der SV Wehen Wiesbaden verdient sich durch einen mutigen Auftritt einen weiteren Punkt. Ausgerechnet ein Ex-Hamburger wird dabei zum Matchwinner.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rehm: "Tierische Freude"

Rüdiger Rehm
Ende des Audiobeitrags

Törles Knöll hatte "Gänsehautfeeling". "Für mich ist der Knoten geplatzt, es war in den letzten Minuten, in Unterzahl und dann auch noch gegen meinen Ex-Verein", fasste der junge SVWW-Stürmer, im Sommer 2018 beim HSV aussortiert, das 1:1 am Sonntagmittag zusammen.

"Wir hätten auch schon tot sein können"

Dass Knöll überhaupt die Chance bekam, in der Nachspielzeit zum Matchwinner zu werden, hatten die Wiesbadener vor allem den Hamburger Nachlässigkeiten zu verdanken. Nachdem sich beide Teams in der ersten Halbzeit ein "sehr tolles Fußballspiel" (SVWW-Trainer Rüdiger Rehm) geliefert hatten, waren die Hamburger nach dem Führungstreffer von David Kinsombi (48. Minute), übrigens in der Jugend des SVWW ausgebildet, und der Roten Karte gegen Stefan Aigner (57.) zu Beginn der zweiten Hälfte auf der Siegerstraße.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Knöll: "Ein atemberaubendes Gefühl"

Törles Knöll
Ende des Audiobeitrags

"Wir hätten auch schon tot sein können", analysierte Rehm, der offensiv wechselte und in Unterzahl die Fünferkette auflöste, nach der Partie. Denn die Gäste kamen im Laufe der Partie zwar auf 20 Torschüsse, ein zweiter Treffer wollte ihnen aber nicht gelingen. In der Schlussphase witterte der SVWW schließlich Morgenluft. "Der HSV hat vielleicht ein paar Prozent nachgelassen und das haben wir genutzt", so Rehm. In der Nachspielzeit konnte Knöll, Leihgabe des 1. FC Nürnberg, den Ball nach einer Ecke zum umjubelten Ausgleich über die Linie drücken.

Mutiger, giftiger, präziser

Der SV Wehen Wiesbaden ist nun seit fünf Spielen ungeschlagen, neun Punkte sprangen dabei heraus. "Da waren immerhin ein paar Raketen dabei", wie Rehm betonte. Nach dem 2:1-Überraschungssieg in Stuttgart ist es das zweite Mal innerhalb von wenigen Wochen, dass der SVWW einen Spitzenreiter ärgern konnte. "Diese Bonuspunkte nehmen wir mit", so Torjäger Schäffler, der seinem Team eine "Drecksackmentalität" attestierte. Und tatsächlich: Im Gegensatz zu den trost- wie torlosen Unentschieden gegen Heidenheim und in Sandhausen agierten die Wiesbadener gegen das Liga-Schwergewicht mutiger, giftiger und präziser.

Der Lohn: Relegationsplatz 16, zumindest bis Montagabend. Die rote Laterne ist der SVWW aber auf jeden Fall los, inne hat sie nun der kommende Gegner (Freitag, 18.30 Uhr) Dynamo Dresden. "Da fahren wir auch hin, um was zu holen", gab Schäffler die Richtung vor. Und hätte mit Sicherheit nichts gegen ein weiteres Gänsehautfeeling einzuwenden.