SVWW-Sportdirektor Christian Hock war sauer nach der Entscheidung des Schiedsrichters.

Die Coronavirus-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben und das Fußball-Geschäft fest im Griff. Christian Hock, Sportdirektor des SV Wehen Wiesbaden, steht vor einer großen Herausforderung – und hat eine klare Meinung zum Thema Geisterspiele.

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Christian Hock im Skype-Interview
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Die Coronavirus-Pandemie lässt auch bei Fußball-Zweitligist SV Wehen Wiesbaden keine konkreten Planungen zu, weder kurz- noch langfristig. SVWW-Sportdirektor Christian Hock über ...

... die Coronavirus-Pandemie:

"Die Lage ist dramatisch für die komplette Bevölkerung. Der Fußball muss sich hinten anstellen. Es ist wichtig, dass wir die Pandemie als Einheit bewältigen können. Jeder Einzelne ist dazu aufgefordert, daheim zu bleiben und seinen Teil dazu beizutragen. Der Fußball steht an zweiter Stelle, die Gesundheit des Menschen ist am wichtigsten. Dennoch wirkt sich die Pandemie auch auf die wirtschaftliche Lage der Vereine und den Sportbetrieb aus."

… wirtschaftliche Probleme der Vereine:

"Zuschauereinnahmen brechen den Vereinen komplett weg. Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird, fallen auch die TV-Gelder weg. Trotzdem müssen die Gehälter für Verantwortliche, Spieler und Mitarbeiter weitergezahlt werden. Wenn das länger so weitergeht, dann kann das Vereine in den Ruin reißen. Wir sind dem Club deshalb entgegengekommen und wollen unseren Anteil dazu beitragen, dem Club zu helfen. Es geht darum, dass sich die wirtschaftliche Seite so entwickelt, dass keine Insolvenz angemeldet werden muss."

… eine mögliche Pleite des SVWW:

"Natürlich müssen wir uns mit dem Szenario befassen. Es ist nicht so, dass wir sagen können, dass nächste oder übernächste Woche alles das, was die Coronavirus-Pandemie ausgelöst hat, beseitigt ist und wir normal in den Betrieb übergehen können. Das wird so nicht passieren. Es kann sich noch lange herauszögern und dramatisch entwickeln. Wir müssen als Verein darauf vorbereitet sein und Szenarien entwickeln, wie wir uns im absoluten 'worst case' verhalten."

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Christian Hock im Skype-Interview
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… Regressansprüche der Sponsoren:

"Unsere Marketingabteilung und Geschäftsführung fragt alles ab. Ein großer Teil der Sponsoren zeigt sich solidarisch mit dem Verein und möchte vorerst auf Rückzahlungen und Ersatzzahlungen verzichten. Wir sind froh, dass wir solche Sponsoren haben, die den Verein in den Vordergrund stellen und die wirtschaftliche Lage genau kennen."

… den Gehaltsverzicht von Spielern und Verantwortlichen:

"Das ist ein starkes Zeichen. Es war ein Thema in der Mannschaft. Nachdem die Sportliche Leitung gefragt hat, wie die Spieler dazu stehen, wurde innerhalb von zwei bis drei Stunden über WhatsApp diskutiert. Das Team hat Rückmeldung gegeben und auf einen Teil des Gehalts verzichtet. Trainer, der ganze sportliche Bereich, die Geschäftsstelle und alle Mitarbeiter verzichten ebenfalls auf einen Teil des Gehalts, um den Verein am Leben zu halten."

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Christian Hock im Skype-Interview
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… die Aussagen von Uli Hoeneß:

"Uli Hoeneß hat gesagt, dass der Fußballmarkt ein komplett neuer Markt wird. Ich sehe das ähnlich: Die ganz hohen Ablösen wird es nicht mehr geben. Von denen waren wir zwar nicht betroffen, aber es wird auch nicht mehr so hohe Gehälter geben. Der Markt wird nicht komplett neu erfunden, er wird sich aber drehen. Summen, die an Ablöse und Gehalt bezahlt wurden, wird es so nicht mehr geben."

… auslaufende Verträge:

"Wir haben schon im Trainingslager im Winter Gespräche geführt und geprüft, mit wem wir verlängern wollen und bei wem es schwierig wird. Wir bleiben dran und befinden uns im engen Kontakt und Austausch. Dennoch müssen wir abwarten was passiert. Eine Entscheidung kann erst dann getroffen werden, wenn wir wissen, wie es weitergeht. Unsere Spieler wissen aber, wie mit ihnen geplant wird."

… die Problematik mit dem Vertragsende:

"In den Verträgen steht im Normalfall drin, dass ein Spieler bis zum Ende der Saison 2019/20 vertraglich gebunden ist. Da gilt es nun zu deklarieren, ob das Ende vielleicht erst am 15. oder 30. Juli und nicht am 30. Juni ist. Wir müssen eine Lösung finden. Die DFL ist gefordert, dass es eine einheitliche Regelung gibt."

… das Thema Geisterspiele:

"Es ist unser Wunsch, dass die Saison zu Ende gespielt wird – unter der Priorität, dass niemand gefährdet wird, sich neu mit dem Coronavirus zu infizieren. Das muss das Ziel von allen sein, denn wir brauchen eine klare Regelung, wer Meister wird oder auf- und absteigt. Um Geisterspiele kommen wir deshalb nicht herum. Wenn wir die Saison zu Ende spielen, dann bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass wir vor leeren Rängen spielen. Wir haben dem Zuschauer gegenüber eine Verantwortung und müssen Vorsichtsmaßnahmen für die Spieler aller Mannschaften treffen."

… Planungen für die kommende Saison:

"Die tägliche Arbeit ist durch Homeoffice und die Netzwerke, die man hat, nicht ganz groß beeinflusst. Wir können viel von zu Hause aus machen und stehen im Kontakt mit Beratern und Spielern. Aber es gibt noch keine vertraglichen Bindungen. Wir können nicht sagen, wieviel Geld wir haben werden. Man kann Kontakt halten und Interesse bekunden, doch konkrete Verhandlungen finden nicht statt. Das sind schwierige Planungen für die kommende Saison. Dieses Jahr wird es eine kurze Wechselperiode geben, in der viele Transfers stattfinden."

… die Zukunft von Manuel Schäffler:

"Manuel Schäffler weiß, was er an uns hat und wir wissen, was wir an ihm haben. Er fühlt sich heimisch bei uns und bringt seit Jahren seine Leistung. Wir haben ihn damals aus Kiel aus der Versenkung geholt. Manuel braucht ein familiäres Umfeld, das hat er hier gefunden. Deswegen trifft er auch so regelmäßig. Er hat ein Standing bei uns in der Mannschaft, das groß ist, dazu ist er ein echter Typ. Durch seine Leistung sind viele Vereine auf ihn aufmerksam geworden. Er hat einen Vertrag, der auch in der 3. Liga weitergeht. Wir würden ihn ungern verlieren. So einen Spieler zu ersetzen, ist in der 2. oder 3. Liga sehr schwer. Ich bin froh, dass er bei uns ist und hoffentlich noch viele Tore erzielt."