SVWW-Stürmer Manuel Schäffler nach dem Spiel gegen Kiel

Noch bis mindestens Ende April steht der Profifußball in Deutschand wegen Corona still. SV Wehen Wiesbadens Topstürmer Manuel Schäffler vermisst vor allem die sozialen und emotionalen Komponenten des Sports.

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Manuel Schaeffler im Skype-Interview
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Wie SVWW-Stürmer Manuel Schäffler zur US-amerikanischen Folk-Sängerin Joni Mitchell steht, ist leider nicht überliefert. Zumindest aber dem Text eines ihrer größten Hits, "Big Yellow Taxi", dürfte der Topscorer der Hessen aktuell zustimmen. Schließlich heißt es dort unter anderem: "You don't know what you got till it's gone". Grob übersetzt: Man weiß erst so richtig zu schätzen, was man hat, wenn es nicht mehr da ist.

Inmitten der Corona-Krise und den damit verbundenen sozialen Einschränkungen sind viele Dinge nicht mehr da, auch Schäffler ist aktuell sein liebster Zeitvertreib untersagt. Der SV Wehen Wiesbaden startete zwar in "Kleinstgruppen" wieder ins Training, an einen normalen Trainingsbetrieb ist aber freilich noch nicht zu denken. Und damit auch nicht an einen normalen Alltag. "In die Kabine kommen, dummes Zeug quatschen", fehle Schäffler am meisten, so der Stürmer im Gespräch mit dem hr-sport. Auch wenn er pflichtbewusst sagt: "Wir als Sportler sind in der Bringschuld, uns fit zu halten und für den Tag X da zu sein."

"Mitfiebern, sich aufregen, Emotionen: Das fehlt natürlich"

Dennoch: Der Spieler Manuel Schäffler scheint auch Fan zu sein, dem vor allem das emotionale Vakuum zu schaffen macht, das die unterbrochene Saison für viele bedeutet. "Uns geht allen etwas ab", so Schäffler. "Am Wochenende Sport zu gucken, mitzufiebern, sich mal über etwas aufzuregen, die Emotionen mitzubekommen. Das fehlt natürlich." Der Fußball als sozialer Kitt, in Krisenzeiten wird sein Fehlen nur allzu deutlich. Auch für Schäffler. "Ich finde man merkt gerade, wie viele Leute am Fußball hängen. Viele Leute, bei denen ich vorher nicht dachte, dass sie so viel Sport schauen, sprechen jetzt darüber, dass es am Wochenende langweilig ist, so dazusitzen und keinen Fußball zu schauen."

Zumal dann, wenn man aus einem sportverrückten Umfeld kommt. "Ich bin in einer Sportfamilie groß geworden", so Schäffler. "Die können alle gerade nicht das machen, womit sie ihre Freizeit verbringen. Selbst meine Kumpels zu Hause sitzen nach dem Training zusammen und trinken ein, zwei Bier, bevor sie zu Fuß nach Hause gehen. Das ist für sie auch Lebensqualität." Sport auf dem Platz oder im Fernsehen, der Plausch nach dem Training, der Flachs in der Kabine – noch ist völlig unklar, wann das Leben wieder seinen normalen Gang gehen, seine vorherige Qualität zurückerlangen wird.

"Der Fußball wird einen Schaden erleiden"

Ebenso unklar ist, wie der Profifußball aus dieser Krise hervorgeht. "Der Fußball wird einen Schaden erleiden, das ist ja jetzt schon so. Es wird sich etwas verändern", so Schäffler. "Ich glaube, es ist wichtig, dass der ganze Fußball zusammenhält, und dass wir alle an einem Strang ziehen, um unsere große Liebe in die richtige Richtung zu führen."

Der Sport, die große Liebe. Bis mindestens Mai wird der Profifußball noch ausgesetzt bleiben. Bis dahin ist Schäfflers Devise: "Für mich ist wichtig, dass ich die Liebe zu meinem Sport nicht verliere." Hört man ihm dabei zu, wie er über den Fußball spricht, scheint das quasi ausgeschlossen.