Rüdiger Rehm, Trainer des SV Wehen Wiesbaden

Der SV Wehen Wiesbaden startet am Samstag mit dem Spiel gegen Halle ins neue Jahr. Trainer Rüdiger Rehm sieht sein Team in einer guten Ausgangsposition, hat aber auch noch Verbesserungspotenzial ausgemacht.

Nur 17 Tage nach dem Pokal-Aus gegen Regensburg geht es für Zweitliga-Absteiger SV Wehen Wiesbaden in der Liga mit dem Heimspiel gegen Halle weiter (Samstag, 14 Uhr). Im Interview mit hessenschau.de spricht
Trainer Rüdiger Rehm unter anderem über die Ausgangsposition, mögliche Neuzugänge und sein favorisiertes Spielsystem.

hessenschau.de: Herr Rehm, die Winterpause war auch in der 3. Liga deutlich kürzer als üblich. Wie sah die Vorbereitung auf die kommenden Spiele aus?

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Das erste Spiel des SV Wehen Wiesbaden im neuen Jahr gegen den Halleschen FC können Sie am Samstag ab 14 im Livestream der Kollegen des MDR verfolgen.

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Rüdiger Rehm: Wir hatten eine Pause von sieben Tagen, und haben dann wieder begonnen mit normalen Trainingseinheiten ohne hohe körperliche Belastung. Es war, abgesehen vom Testspiel in Duisburg, eher eine normale Vorbereitungswoche auf das nächste Punktspiel, mehr nicht.

hessenschau.de: Auf dem Halberg, wo der SVWW trainiert, ist es zu Jahresbeginn traditionell sehr winterlich. Wie sind die aktuellen Trainingsbedingungen?

Rehm: Die sind natürlich nicht zufriedenstellend, wir können dort nur auf Kunstrasen trainieren. Aber das kennen wir aus den vergangenen Jahren und wissen damit umzugehen. Wir haben auch die Möglichkeit, nach Wiesbaden ins Stadion zu gehen und dort auf Rasen und mit Rasenheizung zu trainieren.

hessenschau.de: Wie blicken Sie auf die bisherigen 17 Saisonspiele zurück?

Rehm: Natürlich waren auch ärgerliche und schlechte Spiele dabei, aber der Großteil war positiv. Wir haben 26 Punkte geholt, das ist okay. Wir haben eine gute Position und uns in diesem Halbjahr entwickelt. Wir haben ein positives Resümee gezogen, wissen aber auch, dass wir noch einiges zu tun haben, um uns zu verbessern.

hessenschau.de: Welches Ziel geben Sie für die restliche Saison aus?

Rehm: Das Ziel muss sein, besser abzuschneiden als in der Vorrunde, beziehungsweise einen besseren Schnitt zu holen als in den bisherigen 17 Spielen. Sonst entwickelt man sich ja nicht weiter, und es war immer unser Ding, im Laufe einer Saison besser zu werden. Wir wollen die 26 Punkte aus 17 Spielen also auf jeden Fall toppen und dann sehen wir weiter, was noch passiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rehm: "Wir wollen besser abschneiden als in den ersten 17 Spielen"

Rüdiger Rehm
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hessenschau.de: Mit Dominik Prokop, der im Dezember kam, Lucas Brumme und Gustaf Nilsson gibt es bereits drei Winter-Neuzugänge. Ist die Kaderplanung damit abgeschlossen?

Rehm: Wir werden die Augen schon noch offen lassen, wir haben im Kader noch eine Position frei. In der Vorrunde ist unsere Kaderbreite gegen Jahresende verletzungsbedingt extrem dünn gewesen. Wir haben einige Langzeitverletzte, von denen viele absolute Stammspieler waren. Das hat uns schon einige Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Das darf in der Rückrunde nicht passieren, um nicht vielleicht innerhalb von drei oder vier Wochen alles zu verspielen oder sogar noch hinten reinzurutschen.

hessenschau.de: Für welche Position suchen Sie aktuell noch?

Rehm: Mit Brumme und Prokop haben wir eher offensive Mittelfeldspieler geholt, mit Nilsson dazu noch einen Stürmer. Jetzt schauen wir, dass wir noch jemanden für die Stabilität kriegen können, vielleicht im zentralen Mittelfeld oder auf der Außenverteidiger-Position. Aber da ist jetzt erst mal Ruhe angesagt und wir gucken, wie sich alles entwickelt. Dann werden wir sehen, ob wir noch mal was optimieren.

hessenschau.de: Sie haben die Langzeitverletzten bereits angesprochen. Ist bei dem einen oder anderen absehbar, dass er demnächst zurückkommt und in der Rückrunde noch helfen kann?

Rehm: Da müssen wir noch abwarten. Wenn wir sehen, dass Johannes Wurtz, Stefan Aigner, Tim Walbrecht oder Sebastian Mrowca vielleicht im Januar schon wieder mit der Mannschaft trainieren, müssen wir da weniger oder gar nicht reagieren. Wenn aber absehbar ist, dass es sich noch zieht, müssen wir noch mal nachlegen. Im Moment sieht es bei Mrowca und Wurtz ganz gut aus, aber man weiß eben nie, gerade bei längeren Verletzungen. Zum Glück haben wir jetzt noch die vier Wochen Zeit auf dem Transfermarkt.

hessenschau.de: Wie froh sind Sie, dass Sie in jetzt in der 3. Liga wieder dauerhaft in Ihrem favorisierten System mit Viererkette spielen können, nachdem das in der zweiten Liga nicht immer funktioniert hat?

Rehm: Es ist natürlich ein favorisiertes System, was die Defensive angeht. In der Offensive haben wir ja auch immer mal wieder eine Dreierkette, wenn sich ein Sechser nach hinten reinfallen lässt. Mit der Viererkette haben wir die meisten Erfolge gehabt, aber man muss sich natürlich immer an die Gegebenheiten anpassen, deshalb mussten wir in der zweiten Liga etwas verändern. Das ist aber nicht schlimm, sondern es geht darum, aus diesem System das Maximale rauszuholen und Dinge zu verbessern und zu optimieren. Das sind Erfahrungswerte, die wir gesammelt haben.

hessenschau.de: Der SV Wehen Wiesbaden hat allerdings die meisten Gegentore aller Teams in der oberen Tabellenhälfte.

Rehm: Da müssen wir ganz klar das Augenmerk drauf legen, dass wir die Gegentorzahl drücken, da gehören auch von Torwart bis Stürmer alle dazu. Am Anfang sah es sehr gut aus, dann haben wir ein paar verletzungsbedingte Ausfälle gehabt und sind ein bisschen ins Wackeln geraten. Hintenraus war ich mit der Defensivarbeit und der Gegentor-Anzahl nicht zufrieden. Es ist also auch nicht in Stein gemeißelt, dass wir mit Viererkette weiterspielen, aber eigentlich liegt es eher an anderen Dingen als am System.

hessenschau.de: Am Anfang der Saison gab es eine Heimschwäche, die sich nach einigen Spielen aber umgekehrt hat – seitdem haben Sie den Großteil Ihrer Punkte zuhause geholt. Lässt sich in Zeiten von Geisterspielen überhaupt noch mit einem Heimvorteil argumentieren, oder hat der Umschwung andere Gründe?

Rehm: Ich glaube, dass es gar keine richtige Begründung dafür gibt, dass es am Anfang daheim nicht so lief und auswärts perfekt – jetzt hat sich das gedreht. Dazu haben wir am Anfang wenige Gegentore bekommen, jetzt kriegen wir ein bisschen mehr. Das ist einfach ein Verlauf der Saison. Es ist ein Hin und Her, da sollte man sich nicht zu sehr verrückt machen, sondern einfach versuchen, alles zu optimieren und dann die Punkte zu holen – egal wo.

hessenschau.de: Der kommende Gegner Halle steht genau wie der SVWW im geballten Mittelfeld der Liga. Was für ein Spiel erwarten Sie am Samstag?

Rehm: Es ist ein Gegner auf Augenhöhe, der sich unter dem neuen Trainer Florian Schnorrenberg sehr gut entwickelt hat. Mit Marcel Titsch Rivero haben sie einen Spieler, den wir noch sehr gut kennen, und mit Terrence Boyd einen Top-Stürmer. Ein sehr gefährlicher Gegner, bei dem wir höllisch aufpassen müssen. Aber wir wollen ihn natürlich schlagen, damit wir am Samstag den Abstand auf ihn ausbauen können – und natürlich unsere Heimbilanz weiter aufpolieren.

hessenschau.de: Der SV Wehen Wiesbaden ist bislang vergleichsweise gut durchgekommen, was Corona-Ausfälle betrifft – außer Tobias Mißner direkt im März 2020 hat sich kein weiterer Spieler infiziert. Gibt es spezielle Vorgaben vom Verein?

Rehm: Nein, es gibt die Regeln, die alle haben. Ich glaube, dass sich die Jungs sehr vorbildlich verhalten. Wir machen auch schon unsere kleinen Witzchen darüber, warum bei uns nichts passiert. Vielleicht ist es wirklich die gute Luft auf dem Halberg, wo wir bei Wind und Wetter trainieren und damit auch unser Immunsystem stärken. Ich glaube aber nicht, dass wir großartig etwas anders machen als andere. Wir versuchen, uns an alle Vorgaben zu halten. Die Jungs scheinen das im Moment sehr gut umzusetzen – vielleicht haben wir aber auch nur ein Quäntchen Glück.

hessenschau.de: Im vergangenen Winter waren Sie der erste Trainer im deutschen Profi-Fußball, der eine Gelbsperre absitzen musste. In dieser Saison ist das bislang gar kein Thema. Wer ist denn entspannter geworden – Sie oder die Schiedsrichter?

Rehm: Gute Frage, wahrscheinlich beide ein bisschen. In Unterhaching habe ich ja eine Gelbe Karte bekommen – den Schiri kenne ich schon ewig und vielleicht ist da ein bisschen was hochgekocht. Ich finde, es gehört dazu, dass man von außen mitfiebert. Man sollte sich im Rahmen halten, das habe ich versucht und mich da, glaube ich, auch verbessert.

Vielleicht haben die Schiedsrichter mich auch irgendwann einfach schreien lassen und nicht mehr groß darauf reagiert. Man muss die Emotionen manchmal rauslassen, aber es ist ja nicht böse gemeint. Vielleicht liegt es auch an der Corona-Zeit, dass alles im Stadion ein bisschen ruhiger ist und die Schiedsrichter vielleicht auch ein bisschen gelassener sind, was das angeht.

Das Gespräch führte Sonja Riegel.