Tobias Mißner SVWW

SV Wehen Wiesbadens Tobias Mißner war einer der ersten Profifußballer, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen.

hessenschau.de: Tobias Mißner, am 17. März hat der SVWW vermeldet, sie seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie geht es Ihnen heute?

Tobias Mißner: Mir geht es gut. Das war auch die gesamte Zeit so. Ich hatte keinerlei Symptome, nicht einmal ein Kratzen im Hals.

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Tobias Mißner vom SV Wehen Wiesbaden
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hessenschau.de: Und emotional? Ist das nicht ein mulmiges Gefühl, dieses Virus in sich zu tragen?

Mißner: Ich war einfach froh, dass ich das so gut weggesteckt habe. Ich habe die Quarantäne bei meiner Familie in Dortmund verbracht. Meine Eltern und Großeltern waren auch Corona-positiv. Auch sie hatten nur leichte Verläufe. Meine Großeltern sind beide 84 Jahre alt und haben Vorerkrankungen. Meinem Opa ging es zwei Tage nicht so gut, meine Oma hatte einen Tag lang ein bisschen Halskratzen. Ansonsten haben sie es einfach weggesteckt. Da bin ich natürlich sehr froh drüber.

hessenschau.de: Haben Sie sich auch bei Ihrer Familie angesteckt?

Mißner: Wir konnten recht gut nachvollziehen, wie wir uns angesteckt haben. Wir hatten hier eine Geburtstagsparty, drei der Gäste waren zuvor in Ischgl gewesen, was ja eine Corona-Hochburg war. Nach der Party gab es viele Ansteckungen, darunter auch unsere.

hessenschau.de: Nachdem Sie positiv getestet worden waren, musste die gesamte Mannschaft des SVWW in Quarantäne. Wie viele blöde Sprüche kamen in der Mannschafts-Whatsappgruppe?

Mißner: Gar keine, nur Genesungswünsche. Außerdem haben wir dort immer wieder Artikel geteilt, die sich mit der Thematik befassten. Vor allem auch, wenn es in dem Zusammenhang um Fußball ging. Man beschäftigt sich ja schon sehr viel damit. Ansonsten haben wir aber nicht allzu viel geschrieben. Ich wohne ja mittlerweile in Wiesbaden, bin also nicht mehr so oft in Dortmund. Die 14 Tage Quarantäne in Dortmund waren eine Möglichkeit für mich, mal wieder mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

hessenschau.de: Die Spieler haben einen Trainingsplan für zuhause bekommen. Durften Sie überhaupt trainieren?

Mißner: Die Trainingspläne waren für jeden individuell zusammengestellt. Bei mir waren es wegen der Erkrankung weniger Cardio-Übungen, sondern eher Stabilitäts- und Mobilisierungsübungen. Das ging schon.

hessenschau.de: Wie haben Sie sich denn ansonsten die Zeit vertrieben? Brettspiele? Serien gucken?

Mißner: Ich bin nicht so der Serien-Typ, aber ich war des Öfteren auf Youtube. Ansonsten habe ich immer mal die Konsole angemacht und gezockt, am Wichtigsten war aber, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

hessenschau.de: Wie läuft denn aktuell das Training beim SVWW ab?

Mißner: Wir trainieren in Zweiergruppen. Es wird hier großen Wert auf die Einhaltung der Vorschriften gelegt. Es gibt an jeder Tür einen Spender mit Desinfektionsmittel, wir werden auch dazu angehalten, uns oft die Hände zu waschen, alles wird regelmäßig desinfiziert. Ich trainiere gemeinsam mit Giona Leibold, wir ziehen uns aber in unterschiedlichen Kabinen um und halten auch auf dem Platz Abstand. Übungen mit Körperkontakt oder gar Zweikämpfe sind aktuell tabu, wir machen nur Passformen oder Laufübungen.

hessenschau.de Frühestens im Mai geht es in der Liga weiter, und wenn, dann nur mit Geisterspielen. Wie stehen Sie dazu?

Mißner: Wir wollen alle wieder auf dem Rasen stehen, das ist klar. Aber die Gesundheit muss absoluten Vorrang haben. Würde man jetzt wieder Fans ins Stadion lassen und einer davon ist positiv, gehen zehn andere nach Hause, die dann auch positiv sind. Die stecken jeder wieder zehn andere an und so weiter. Also sind Geisterspiele natürlich eine Möglichkeit, das Risiko zu minimieren. Aber auch bei Spielen ohne Zuschauer muss ganz klar die Gesundheit aller Beteiligten gewährleistet sein.

Das Interview führte Stephan Reich.

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