Trainingsauftakt SV Wehen Wiesbaden

Vor ein paar hundert Fans startet der SV Wehen Wiesbaden in das Abenteuer Zweite Liga. Ohne den Fußballgott, dafür mit 13 neuen, teils sehr jungen Spielern.

Alf Mintzel steht zufrieden an einer Bierbank und verkauft Alf-Mintzel-Tshirts. Einige Meter weiter machen seine ehemaligen Kollegen des SV Wehen Wiesbaden die ersten fiesen Sprint-Übungen der Saisonvorbereitung, Mintzel quatscht mit den Fans, macht ein paar Fotos, posiert mit dem Shirt, auf dem "Fußballgott Alf Mintzel" steht und wirkt, als hätte er seine Prämisse von der Aufstiegsfeier – "Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen" – vollends verinnerlicht.

Es gibt Fußballer, und wahrscheinlich nicht wenige, die wesentlich unentspannter aus der Karriere gehen als der 37-jährige Publikumsliebling des SVWW. "Weder Wehmut noch Erleichterung" verspüre er, sagt Mintzel im Rahmen des Trainingsauftakts, der von ein paar hundert Anhängern beobachtet wird. Eine Ehrenrunde durch die Zweite Liga wollte er sich nicht mehr antun. "Man soll immer aufhören, wenn man oben ist. Vielleicht wäre es nächste Saison bei mir schlechter geworden und dann hätte jeder gesagt: Hätte der alte Bock mal aufgehört."

27 Spieler, 13 Neuzugänge

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alf Mintzel über sein Karriereende

Alf Mintzel vom SV Wehen Wiesbaden
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Hätte wahrscheinlich niemand, schließlich ist Mintzel laut Tshirt und Fanandrang "Fußballgott". Ganz Unrecht hat er aber auch nicht, schließlich liegt eine mehr als schwierige Saison vor dem SVWW. Die Zweite Liga ist stark wie selten, der Hamburger SV gibt sich noch einmal die Ehre, aus der Bundesliga kommen Nürnberg, Hannover und Stuttgart. Eine Aufgabe, für die man sich gerade als Aufsteiger gut rüsten sollte.

Und dabei will der Klub offensichtlich keine Zeit verlieren. Satte 13 Neuzugänge tummeln sich unter den insgesamt 27 Spielern, die Trainer Rüdiger Rehm durch eine erste knackige Einheit scheucht. Viele der neuen sind noch sehr jung, Außenverteidiger Tobias Mißner (19) kam aus der U19 von Borussia Dortmund, Torwart Jan-Christoph Bartels (20), der in Konkurrenz zu Lukas Watkowiak treten soll, aus der Reserve des 1. FC Köln, Innenverteidiger Jakov Medic (20)  aus der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg – um nur einige zu nennen. Im Gegenzug verließen erfahrene Spieler wie eben Mintzel oder auch Keeper Markus Kolke den Verein. Angesichts einer zweiten Liga, in der es manchmal etwas mehr brauchen wird als Talent, nämlich Erfahrung und Abgezocktheit, ein Risiko?

"Es geht hier nicht um alt oder jung"

Sportdirektor Christian Hock widerspricht dem vehement. "Wenn ich sehe, dass von unserer Stammelf aus dem letzten Jahr neun Mann, die fast immer begonnen haben,  hiergeblieben sind, kann man von keinem großen Umbruch sprechen", so Hock. Neben den vielen entwicklungsfähigen Spielern habe man auch erfahrene geholt, etwa Benedikt Röcker oder Marvin Ajani. Und ganz generell, so Hock: "Es geht hier nicht um alt oder jung, sondern welche Spieler haben welche Qualitäten."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sportdirektor Christian Hock zum Trainingsauftakt des SV Wehen Wiesbaden

Christian Hock im Interview
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In eine ähnliche Richtung argumentiert Rehm, nachdem die Einheit in strömendem Regen zu Ende gegangen ist. "Wir sehen die Qualität in unserem Kader als sehr hoch an", so Rehm. "Wir haben immer schon junge Spieler dazugeholt, entwickelt und zu Führungsspielern gemacht." Viel Zeit hat Rehm dafür erst einmal nicht, bereits in fünf Wochen beginnt die Zweitliga-Saison. "Als Spieler hätte ich mich gefreut, aber als Trainer fehlen dir ein paar Einheiten. Aber dadurch, dass die Basismannschaft vorhanden ist, habe ich keine Bedenken", so Rehm.

"Die letzten zweieinhalb Jahre waren hervorragend"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found SVWW-Trainer Rüdiger Rehm über die Transferphilosophie

Rehm Interview
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Für Rehm selbst ist es der zweite Anlauf in der Zweiten Liga, nachdem er bei Arminia Bielefeld 2016 keine tiefen Spuren hinterlassen konnte. "Man lernt aus Fehlern", so Rehm. "Was die Arbeit angeht, gibt es keinen großen Unterschied zwischen der dritten Liga und der zweiten. Es hat in Bielefeld einfach nicht gepasst, hier in Wiesbaden passt es. Die letzten zweieinhalb Jahre waren hervorragend", so Rehm.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found SVWW-Trainer Rüdiger Rehm über das Hessenpokalfinale

Rehm Interview
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Zweieinhalb Jahre, die er demnächst mit einem Titel garnieren könnte, wenn die Wehener im Hessenpokalfinale auf den KSV Baunatal treffen. Auch wenn Rehm keinen Hehl draus macht, dass der Termin alles andere als günstig liegt. "Das ist sicherlich nicht der perfekte Zeitpunkt. Aber wir nehmen das an und als Konditionseinheit mit." Alf Mintzel wird bei dieser Konditionseinheit nur noch unterstützend dabei sein, demnächst fängt er im Marketing des Klubs an. Bange um seinen Verein ist ihm trotz der kurzen Vorbereitung und dem arg durcheinandergewirbelten Kader nicht. "Unsere Spielart kann eklig für jeden Gegner sein. Ich sehe dem ganzen positiv entgegen." Als Fußballgott sieht man die Dinge eben etwas gelassener.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alf Mintzel über die Saison des SV Wehen Wiesbaden

Alf Mintzel vom SV Wehen Wiesbaden
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