Rehm enttäuscht

Wie aus einem Hollywood-Drehbuch: Ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Arminia Bielefeld könnte Wehen Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm seinen ersten Sieg als Zweitliga-Coach feiern. Oder geht seine persönliche Schauer-Statistik gnadenlos weiter?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rehm: "Es ist zermürbend, wie es gerade läuft"

Rüdiger Rehm, Trainer des SV Wehen Wiesbaden
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Komplett spurlos, das überrascht kaum, geht die aktuelle Situation an Rüdiger Rehm nicht vorbei. "Mich freut's, dass ihr etwas zum Ausgraben habt", sagt der Trainer des Fußball-Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden vor Journalisten. "Ich hoffe, es ist irgendwann nicht mehr der Fall, dass ihr darüber redet." Gemeint ist seine ganz persönliche Bilanz als Zweitliga-Trainer, die langsam aber sicher bedenkliche Züge annimmt.

16 Mal stand Rehm bislang im Unterhaus an der Seitenlinie. 16 Spiele ohne einen einzigen Sieg, dafür aber mit zehn Niederlagen, sechs Unentschieden und einem Torverhältnis von 17:37. Nach seinem ersten Zweitliga-Abenteuer im Jahr 2016 bei Arminia Bielefeld, das nach zehn Spielen ein jähes Ende gefunden hatte, scheint sich Rehms Horror-Statistik bei Wehen Wiesbaden nun ungefragt fortsetzen zu wollen.

Die Art und Weise zerrt an den Nerven

"Es hat einfach nicht gepasst zwischen Rüdiger Rehm und Arminia Bielefeld", hatte der 40-Jährige kurz vor Saisonbeginn einen letzten Rückblick gen Ostwestfalen gewagt. Mit dem SVWW sollte sich alles ändern, sollte alles besser werden. "Ich brenne auf die Chance. Aber nicht in dem Sinn, weil ich etwas wieder gutmachen will", so Rehm vor dem Rundenstart. Vorfreude, Elan und Hoffnung waren groß. Jetzt, rund zwei Monate später, macht sich Ernüchterung breit.

Dabei ist in Wiesbaden weniger die Anzahl der Rückschläge das Problem. Es ist eher die Art und Weise. Allein die Spiele in Bochum (3:3 nach 3:0) oder in Fürth (1:2 nach 1:0) nagten am Nervenkostüm, immerhin gaben die Landeshauptstädter in beiden Fällen sicher geglaubte Siege kurz vor Schluss aus der Hand. Rehm selbst kennt dafür nur ein Fazit: "Es ist zermürbend."

Wo ist die Zweitliga-Erfolgsspur?

Die Sprache der Fußballer verwendet gerne und häufig den Ausdruck "in die Erfolgsspur zurückkehren", der Tabellenletzte und sein Trainer müssen diese Spur aber überhaupt erst einmal finden. Zumindest für die zweite Liga. Rehm pocht darauf, dass sich in Wiesbaden alle auf die erfolgreichen (Drittliga-) Tage zurückbesinnen: "Wir haben hier in den letzten zweieinhalb Jahren sehr viele Spiele gewonnen. Genau diese Siegermentalität müssen wir wieder rein bekommen."

Am Samstag (13 Uhr), die Spielplanmacher wollten es so, kommt es beim Heimspiel des SVWW zum Wiedersehen zwischen Rüdiger Rehm und seinem Ex-Club Bielefeld. Die Vorzeichen könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Wehen Wiesbaden nach jenem Schalter sucht, mit dem sich die Rote Laterne ausknipsen lässt, hat es sich die Arminia mit zwölf Punkten aus sechs Spielen auf Tabellenrang drei gemütlich gemacht. Für den Trainer gibt es vermutlich keine bessere Gelegenheit, Journalisten vorerst am Ausgraben zu hindern – und seine persönliche Zweitliga-Bilanz endlich mit dem ersten Sieg auszustatten.