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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das bedeutet das Urteil für den Schiedsrichter in Wiesbaden

Symbolbild mit Schiedsrichter und Pfeife und Gelbe Karte

Entscheidung in einem kuriosen Gerichtsfall: Ein Schiedsrichter eines Wiesbadener Amateur-Fußballspiels muss nach einem zu lauten Pfiff Sozialstunden leisten.

Ob Elfmeter, Abseits oder Rote Karte - Schiedsrichter-Pfiffe mit drastischen Folgen für alle Beteiligte kennt jeder. Aber dass ein Pfiff für einen Unparteiischen am Ende juristische Konsequenzen hat, das ist wohl selbst für erfahrene Fußball-Kenner neu.

Doch genau so kam es für einen 29 Jahre alten Schiedsrichter am Mittwoch am Wiesbadener Amtsgericht. Er muss wegen eines zu lauten Pfiffs nun 80 Stunden gemeinnützige Arbeit in einer sozialen Einrichtung verrichten.

Tinnitus nach Pfiff ins Ohr

Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Verhandlung? Der Unparteiische hatte im Oktober 2018 in der B-Liga die Partie zwischen der Spvgg Sonnenberg II und dem SC Klarenthal II geleitet und sich dabei den verhängnisvollen Pfiff geleistet.

Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, kam es während des ohnehin hitzigen Duells der beiden Reserve-Teams, das mit einem spektakulären 6:4-Heimsieg endete, zu einer verbalen Auseinandersetzung mehrerer Spieler. Der Schiedsrichter, der während der 90 Minuten insgesamt acht Gelbe und eine Rote Karte verteilte, reagierte auf die Rudelbildung mit einem lauten Pfiff. Einer der Spieler klagte danach über Tinnitus im Ohr, so die Anklage.

Dort hieß es weiter, dass die Ausführung des akustischen Signals mittels Trillerpfeife aus einer Entfernung von zehn bis 20 Zentimetern erfolgte - und zwar direkt in das nun geschädigte Ohr. Eine Übersprungshandlung, für die ihn das Amtsgericht bestrafte.

80 Stunden gemeinnützige Arbeit

Zwar wurde das Verfahren am Mittwoch eingestellt und das Gericht bewertete die Tat doch nicht wie von der Anklage gefordert als Körperverletzung. Dennoch muss sich der Unparteiische nun für fahrlässiges Handeln verantworten. Der Richterspruch: 80 Stunden gemeinnützige Arbeit in einer sozialen Einrichtung.

Eine zivilrechtliche Verhandlung über mögliches Schmerzensgeld steht zudem noch aus. Ein wenig versöhnlich wurde es am Ende dennoch: Der Schiedsrichter entschuldigte sich beim verletzten Spieler.

Sendung: hr1, 24.06.20, 10 Uhr