Eine Spielszene aus dem Saisonvorbereitungsspiel 2020 MT Melsungen gegen HSG Wetzlar.

Die MT Melsungen wurde mit Vorschusslorbeeren überhäuft, von der HSG Wetzlar wurde wenig erwartet in der Handball-Bundesliga. Doch beim Hessenderby am Sonntag sind die Mittelhessen überraschend Favorit. Der hr-sport überträgt das Spiel live.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Handball-Derby findet ohne Zuschauer statt

Eine leere Sporthalle
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Der Saisonstart in der Handball-Bundesliga ist eine echte Überraschung. Leipzig ist nach vier Spieltagen Tabellenführer, die Abonnements-Meister aus Kiel und Flensburg rangieren nur im Mittelfeld. Fast noch krasser sind die Ausschläge bei den beiden hessischen Vereinen. Die hoch gehandelte MT Melsungen und die unterdurchschnittlich eingeschätzte HSG Wetzlar haben sportlich die Rollen getauscht.

Während die MT Melsungen vor dem Hessen-Derby am Sonntag (13.30 Uhr, im Livestream bei hessenschau.de, auf YouTube beim hr-fernsehen und bei Facebook) bei der HSG Wetzlar auf dem elften Tabellenplatz rumdümpelt, erstrahlen die Mittelhessen auf einem beeindruckenden dritten Rang. Was viele vor der Saison nicht für möglich gehalten hätten: Wetzlar geht als Favorit in das Duell gegen Melsungen, das wegen der ansteigenden Corona-Zahlen ohne Zuschauer stattfindet. "Es ist natürlich unheimlich schade, dass gerade bei diesem Spiel keine Fans dabei sein können", sagte Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp.

Das Duell Wille gegen Potential

Das Duell Wetzlar gegen Melsungen ist eigentlich ungleich. Während die HSG mit Torwart Till Klimpke nur einen deutschen Nationalspieler aufweisen kann, reisen die Nordhessen mit sechs aktuellen und drei ehemaligen Trägern des deutschen Nationaltrikots an. Bei Melsungen kamen mit Silvio Heinevetter und Timo Kastening im Sommer noch zwei aktuelle Nationalspieler dazu. Melsungen hat also das wesentlich größere Potential. Und trotzdem ist Wetzlar wesentlich besser in die Saison gestartet.

Besser ist eigentlich schamlos untertrieben, die HSG hat regelrecht einen Raketenstart hingelegt. Der Sieg vor einer Woche beim unangenehmen Bergischen HC und vor allem der sensationelle 31:22-Erfolg im Spiel davor gegen den erfolgsverwöhnten THW Kiel hat die Konkurrenz aufhorchen lassen. Auch die in Nordhessen. Mit ein wenig Bammel reisen die Spieler der MT Melsungen am Wochenende sicherlich nach Wetzlar.

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Livestream

zum Livestream Spitzenhandball live: HSG Wetzlar gegen MT Melsungen

Szene aus einem Spiel zwischen Wetzlar und Melsungen
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Unerklärliche Melsungen-Krise

Noch bringt die MT Melsungen ihre PS nicht auf den Hallenboden. Das Team ist gespickt mit Stars und will eigentlich zur dritten Kraft im deutschen Handball werden, hinter Kiel und Flensburg. Seit Februar wird Melsungen vom isländischen Top-Trainer Gudmundur Gudmundsson betreut, der weiß wie Erfolg geht. 2016 wurde Gudmundsson mit Dänemark Olympia-Sieger. Doch in Melsungen hakt es noch. Gewaltig. Die 21:31-Niederlage vor einer Woche beim Mittelklasse-Team Erlangen war für alle ein ziemlicher Niederschlag.

"Ich habe uns nicht so schwach erwartet, es hat an allen Ecken und Enden gefehlt. So kann man sich in der Bundesliga gegen keinen Gegner präsentieren", fand Melsungens Nationalspieler Julius Kühn nach dem Spiel deutliche Worte. Sicherlich und gerade jetzt nicht gegen die Kämpfer der HSG Wetzlar, werden Kühn und Co. wissen. Denn, das was Melsungen derzeit noch fehlt, hat der Gegner aus Mittelhessen im Überfluss: den absoluten Willen.

Ungleiches Duell der Nationaltorhüter

Die Torhüter Klimpke (Wetzlar) und Heinevetter (Melsungen) lauern auf den Platz im Tor der Nationalmannschaft. Sollte der übermächtige Nationalkeeper Johannes Bitter dann doch einmal endgültig zurücktreten, wären Heinevetter und Klimke seine möglichen Nachfolger als Nummer eins. Damit enden aber auch die Gemeinsamkeiten.

Heinevetter, der am Freitag seinen 36. Geburtstag feiert, ist extrovertiert und zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Simone Thomalla, ein Objekt des Boulevard. Klimpke ist dagegen eher still und in sich gekehrt, zudem mit seinen 22 Lenzen beachtliche 14 Jahre jünger als Heinevetter.

Auf das Duell der Keeper wird es ankommen im Hessen-Derby der Handball-Bundesliga. Bislang hatte Klimpke, wie seine Wetzlarer Mannschaftskollegen, leistungstechnisch die Nase vorn. Der Onkel von Klimpke würde es gerne sehen, wenn sich daran am Sonntag etwas ändert. Der Onkel von Klimpke heißt Axel Geerken und ist Geschäftsführer der MT Melsungen.