Johannes Golla (li.) mit Bundestrainer Alfred Gislason

Der Rüdesheimer Johannes Golla ist nicht nur Kapitän der Handball-Nationalmannschaft, sondern bezieht auch klar Stellung. Und das nicht nur im deutschen Team, sondern auch mit Blick auf EM-Mitausrichter Ungarn.

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Audioseite Johannes Golla übt deutliche Kritik

Der neue DHB-Kapitän Johannes Goller
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Der neue Handball-Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla will während der EM auch bei gesellschaftspolitischen Themen wie etwa der umstrittenen Haltung des Präsidenten Viktor Orban zu Homosexualität aus dem Land des Co-Gastgebers Ungarn seine Meinung äußern. "Ich werde als Kapitän alles dafür tun, dass bei uns jeder seine Meinung sagen darf. Was in Ungarn in der Politik passiert, kann ich nicht beeinflussen, aber auch nicht gutheißen", sagte der Rüdesheimer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Seine Sportart habe zwar ein kleineres Publikum als der Fußball, "aber auch wir Handballer müssen da, wo es geht, unsere Meinung sagen und auch Zeichen setzen", sagte Golla. Als Mensch und als Sportler beunruhige ihn, dass so etwas ein Thema sei und Homosexualität abgestoßen werde.

Golla steht für Überzeugung ein

"Ich werde mich jedoch immer dazu äußern, dass ich für Vielfalt bin, dafür, dass jede und jeder so sein darf, wie sie oder er sein will", betonte Golla, der im Zuge der von Bundestrainer Alfred Gislason zum neuen Kapitän bestimmt worden war. Die DHB-Auswahl trifft bei der Endrunde vom 13. bis 30. Januar zunächst in der Vorrunde im slowakischen Bratislava auf Belarus, Österreich und Polen.

Golla fand aber nicht nur deutliche Worte für die gesellschaftliche Situation in Ungarn, der Rüdesheimer kritisierte auch die enorme Belastung, der die Handballer ausgesetzt sind. "Es ist ein unglaubliches Programm." Mit der SG Flensburg-Handewitt "bin ich manchmal um 4.30 Uhr Donnerstagnacht zuhause, und Freitagmorgen fliegen wir wieder zum nächsten Spiel. Dann sind wir in der Nacht auf Sonntag um halb fünf wieder daheim. Diesen Aufwand sieht keiner", sagte Golla.

Kritik an Belastung

"Aber das Reisen zehrt an den Kräften. Was sollen wir machen? Es bleibt uns nichts übrig, als zu versuchen, alle Spiele unterzubringen. Wir wollen ja in allen Wettbewerben dabei sein." Die Corona-Krise habe das Problem mit dem überfüllten Terminkalender noch einmal verschärft. "Es ist verrückt, wenn man auf die vergangenen anderthalb Jahre schaut. Anfang 2020 waren wir für sechs Monate komplett stillgelegt. Da haben wir gedacht, wann geht es endlich wieder los. Alles war unsicher", sagte Golla.

"Praktisch seit dem Tag, als es wieder losging, spielen wir durch. Ich hatte in dieser Zeit insgesamt drei Wochen Urlaub. Das zehrt. Die Familien müssen uns den Rücken freihalten. Meine Freundin war während der Olympischen Spiele allein mit unserem Baby, nun auch während der EM. Das ist nicht perfekt. Aber man nimmt es in Kauf."