Fan-Choreographien in der Handball-Oberliga? Ein Dorfverein mit einer Ultra-Gruppe? Gibt es, und zwar bei der HSG Breckenheim Wallau/Massenheim. Doch seit einem Jahr liegt der Amateursport brach – und damit auch das Herzensprojekt von Johannes Mayer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie die Ultras Breckenheim 2019 die Handball-Oberliga rocken

Die Fans der Ultras Breckenheim 2019 feuern mit vielen Fahnen vom Spielfeldrand ihre Mannschaft an.
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Es ist Sonntag 17 Uhr, die Tribünen sind voll, 300 stimmgewaltige Zuschauer schwenken ihre blau-orangefarbenen Fähnchen. Die Fans der HSG Breckenheim Wallau/Massenheim verwandeln die Sport- und Kulturhalle in einen Hexenkessel - so war es zumindest in Zeiten vor Corona. Verantwortlich für die spektakulären Choreographien war da eine ganz besondere Fangruppe: die Ultras Breckenheim 2019.

Wie alles begann

Angefangen hat alles ganz klein. Während der Saison 2018/2019 spielte der Verein um den Aufstieg in die Oberliga. Johannes Mayer, ein 22-Jähriger aus Breckenheim (Wiesbaden), wollte seine Mannschaft im Aufstiegsrennen unterstützen. Im Arbeitszimmer seines Vaters entwarf er ein Logo für die Ultras Breckenheim und plante seine erste Choreographie für das vorentscheidende Auswärtsspiel beim TV Petterweil.

"Ich wollte etwas Eigenes auf die Beine stellen. Ich habe mich dann einen Tag vor dem Spiel mit ein paar Kumpels getroffen und gemeinsam haben wir ein Banner und eine Fahne kreiert. Das Ganze dauerte bis in die Nacht hinein. Als wir gemerkt haben, wie gut diese Aktion bei den Spielern und Fans ankam, wollten wir weitermachen", sagt Mayer im Gespräch mit dem hr-sport. Das Spiel in Petterweil war die "Geburtsstunde der Ultras Breckenheim".

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Extra-Punkte durch die Fans

Im Laufe der Zeit schlossen sich immer mehr Fans der Gruppe an. Mit Hilfe von Spenden konnten größere Choreos geplant werden. Wichtig für die Entwicklung war dabei auch die Zusammenarbeit mit dem Klub selbst. "Der Verein stellte uns einen Raum in der Halle zur Verfügung, in dem wir uns regelmäßig treffen konnten, um an den nächsten Ideen zu arbeiten", so Mayer.

Dabei gab es laut Pierre Quaring, dem Handball-Abteilungsleiter, zunächst Skepsis gegenüber dem Namen der Gruppe. Mittlerweile sind die Ultras aus Breckenheim allerdings nicht mehr wegzudenken. "Die Ultras sind bei uns die absoluten Top-Fans, die auch zu Auswärtsspielen mitkommen. Die sind der siebte Feldspieler. Der Vorteil hat uns den einen oder anderen Punkt und das eine oder andere Tor gebracht. Das ist zweitligareif", lobt Quaring.

Die Ultras Breckenheim basteln an einer Choreographie

Die Rückkehr der Gänsehaut

Die aktuelle Corona-Situation hat den Verein und ganz Breckenheim trotz der Unterstützung der Fans hart getroffen. Seit über einem Jahr wurde kein Spiel mehr ausgetragen. Das Leben im östlichsten Wiesbadener Ortsbezirk liegt seitdem brach. Die Spiele waren für die Anwohner laut Mayer das Highlight der Woche. Die Wochenenden werden mittlerweile unspektakulär auf der Couch verbracht.

An das Geleistete denkt der Ultras-Gründer trotzdem immer gerne zurück. "Ich habe Gänsehaut, wenn ich mir alte Fotos und Videos anschaue, und kann es kaum abwarten, wieder in der Halle zu stehen, um meine Jungs anzufeuern", sagt der Edel-Fan. Die Planungen für die neue Saison laufen bereits auf Hochtouren. Die Ultras hoffen, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann und Zuschauer erlaubt sein werden.

"Je nachdem, wie es die Situation erlaubt, werden wir all unsere Materialien sammeln und mit einer großen Choreographie die alten Zeiten wider aufblühen lassen. Die Halle wird beim ersten Spiel vor Zuschauern definitiv brennen", ist sich Mayer sicher.