Johannes Golla EM gegen Polen

Kapitän Johannes Golla aus Rüdesheim führt die deutsche Handball-Nationalmannschaft zum Sieg im Spiel gegen Polen. Golla ist der letzte von fünf Hessen im deutschen EM-Team. Alle anderen befinden sich in Corona-Quarantäne.

Audiobeitrag

Audio

Interview ARD-Kommentator Florian Naß mit Kapitän Johannes Golla

Johannes Golla (li.) mit Bundestrainer Alfred Gislason
Ende des Audiobeitrags

Manchmal ist es verrückt im Sport. Im Vorfeld des wichtigen Handball-EM-Spiels gegen Polen wurde fast ausschließlich über die mittlerweile neun Corona-Ausfälle im deutschen Team geredet und berichtet. Da könnte man meinen, dass die deutschen Handballer maximal abgelenkt und personell geschwächt auf dem Feld sportlich untergehen. Doch das genaue Gegenteil war der Fall: Deutschland besiegte Polen im letzten EM-Vorrundenspiel grandios mit 30:23.

Nach Spielschluss konnte Mannschaftskapitän Johannes Golla das soeben Erlebte noch gar nicht so richtig fassen. Golla sagte dem hr-sport: "So etwas hat noch keiner von uns erlebt. Ein Länderspiel mit nur einem Torwart (Johannes Bitter; d. Red.), der gerade neu kam, das ist schon Wahnsinn. Die letzten zwei Tage haben wir eigentlich nur auf unseren Hotelzimmern verbracht."

Deutsche Handballer wachsen trotz Isolation zusammen

Doch obwohl die deutschen Handballer lange voneinander isoliert waren und nur zu den täglichen PCR-Test raus durften, sind sie durch das Corona-Chaos irgendwie zusammengewachsen. Klingt paradox, ist aber so. Golla: "Man sieht, dass man aus der Not eine Tugend machen kann. Die Spieler, die übrig waren von dem ursprünglichen Kader, sind noch enger zusammengerückt." Dazu habe man noch viel Qualität über die nachnominierten Spieler dazubekommen.

Vor dem Polen-Spiel hat Golla eine "totale Fokussierung" gespürt. Die Kommunikation lief über Handy. "Wir haben uns immer wieder über Whatsapp und über die anderen Kanäle ausgetauscht." Dabei wurden auch die positiv getesteten Spieler miteinbezogen, die sich derzeit in Quarantäne befinden. Also auch Julius Kühn, Kai Häfner und Timo Kastening von der MT Melsungen und Torwart Till Klimpke von der HSG Wetzlar.

Positive EM-Aussichten trotz Quarantäne-Flut

Kühn könnte erster frühestens am Donnerstag zum Team zurückkehren. Voraussetzung: zwei negative PCR-Tests. Zudem hat Golla die Hoffnung, dass sich von den Spielern, die am Dienstag gegen Polen gewannen, kein weiterer positiv getestet wird: "Es kommt halt alles darauf an, was die Corona-Tests ergeben. Wir müssen irgendwie diese Infektions-Kette brechen."

Auch persönlich kann Golla zufrieden sein. Deutschland zeigte gegen Polen eine überragende Abwehrleistung. Und Golla warf nach Christoph Steinert (neun Tore) zusammen mit Younster Julian Köster mit jeweils sechs Treffern die zweitmeisten Tore im deutschen Team. So soll es weitergehen. Doch in der nun beginnenden EM-Hauptrunde kommt es sportlich jetzt knüppeldick. Los geht es am Donnerstag (18 Uhr/ARD) im Spiel gegen Titelverteidiger Spanien.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen