Handballerin Kim Naidzinavicius im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft

In Frankfurt haben sich die deutschen Handball-Frauen auf die Europameisterschaft in Dänemark vorbereitet. Streng abgeschottet von der Außenwelt. Kapitänin Kim Naidzinavicius nimmt's gelassen - und hat extra Gesellschaftsspiele für die Reise eingepackt.

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Kim Naidzinavicius
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Kim Naidzinavicius lebt seit gut einer Woche in einer Blase, einer sogenannten Bubble. Niemand darf rein, niemand darf raus. Nur so ist sichergestellt, dass keine der Handballnationalspielerinnen sich kurz vor Start der Europameisterschaft noch das Corona-Virus einfängt. Die Bubble befindet sich bis Dienstagvormittag, bevor der Flieger mit dem Team in Richtung Kolding (Dänemark) abhebt, in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise. Hier, beim Landessportbund haben sich die deutschen Handballfrauen zur Vorbereitung einkaserniert. "Uns geht’s gut", erzählt die Teamkapitänin Kim Naidzinavicius im coronasicheren Video-Interview munter. "Wir sind fußläufig in fünf Minuten in der Trainingshalle, haben Meeting- und Essensräume für uns – eigentlich unterscheidet es sich nicht viel von einem normalen Lehrgang."

Und doch ist diese Europameisterschaft in Zeiten einer Pandemie eine ganz besondere. "Wir sind einfach froh, dass wir das Turnier spielen dürfen", sagt die gebürtige Gelnhäuserin. "Ich muss sagen, für uns war das Schwierigste in den letzten Wochen diese Ungewissheit. Findet die EM statt? Wo findet sie statt und unter welchen Voraussetzungen? Jetzt sind wir super erleichtert." Das Turnier sollte eigentlich gemeinsam von Dänemark und Norwegen ausgetragen werden. Letztere zogen sich als Veranstalter wegen steigender Infektionszahlen im Land jedoch kurz vorher zurück.

Bundestrainer nach positiven Corona-Test in Quarantäne

Eine Gefahr für die virensichere Bubble, in der die Sportlerinnen leben, könnte ausgerechnet von ihrem Bundestrainer ausgehen. Henk Groener befindet sich nach einem positiven Corona-Test in häuslicher Quarantäne und konnte in Frankfurt bei den Vorbereitungen gar nicht dabei sein. Der Niederländer darf erst zu seiner Mannschaft reisen, wenn es die Behörden und das medizinische Team für risikofrei befinden. "Die Tatsache, dass Henk nicht dabei ist, ist natürlich ein riesengroßes Problem", gibt die Teamkapitänin zu. "Aber wir haben uns vorgenommen, uns davon nicht irritieren zu lassen und auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können." Täglich wird der Coach in Videobesprechungen zumindest virtuell dazugeholt und auch jedes Training in Frankfurt wird von den Co-Trainern gefilmt, damit Groener es sich daheim ansehen und bewerten kann. Alle hoffen, dass der Bundestrainer in Dänemark zur Mannschaft stößt.

Ob nun mit oder ohne Bundestrainer: Die Rückraumspielerin der SG BBM Bietigheim ist von der Qualität ihres Teams überzeugt: "Dieses Jahr haben wir ein super Team zusammen, so dass ich absolut der Meinung bin, dass wir in der Lage sind, jede Mannschaft zu schlagen, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen." Dieses Mal wolle man versuchen, die Leistung konstant über drei Wochen lang abzurufen. Die Luft dürfe ihnen nicht zu früh ausgehen, so wie das zuletzt bei den Weltmeisterschaften in Japan 2019 der Fall war, wo die deutschen Frauen den Einzug ins Halbfinale verpassten, so dass sie enttäuscht und ohne Olympia-Ticket die Heimreise antreten mussten.

Weitere Informationen

Die Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft

03.12., 18 Uhr: Deutschland - Rumänien
05.12., 18.15 Uhr: Deutschland - Norwegen
07.12., 18.15 Uhr: Deutschland - Polen

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Handballverrückte Familie in Langenselbold

In Dänemark nur allzu gern dabei, wären Kims Eltern und die große Schwester. "Das sind meine größten Unterstützer", erzählt die Nationalspielerin, die gebürtig aus Langenselbold kommt. "Die kommen normalerweise zu allen Spielen von mir und sind immer Feuer und Flamme.“ Beim TV Langenselbold hat damals auch ihre Karriere begonnen.

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Kim Naidzinavicius
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Mama Naidzinavicius war dort Handballtrainerin und auch Kims große Schwester spielte im Verein. "Da hatte ich gar keine Wahl", sagt die Rechtshänderin lachend. "Ich war eigentlich schon immer in der Halle und hatte einen Ball in der Hand." Mit 17 Jahren zog Kim dann von zu Hause aus, um in Bensheim in der zweiten Liga zu spielen. "Ich habe mit vier Spielerinnen in einem Haus mit Garten gewohnt. Das war schon eine coole Zeit", erinnert sie sich.

EM als Sport-Event mit Vorbildfunktion

In die Heimat schafft Kim es heute nur noch selten, zu dicht getaktet ist der Spielplan beim international spielenden Club in Bietigheim. Weihnachten würde sie, wenn möglich, aber gerne zu Hause in Langenselbold verbringen. Jetzt heißt es aber erst mal in der Bubble bleiben, auch in Dänemark dürfen die deutschen Frauen das Hotel nur zum Training und für Spiele verlassen. "„Ich habe mehr Bücher als sonst eingepackt und wir haben uns im Team abgesprochen, wer welche Gesellschaftsspiele mitbringt. Einfach, damit wir uns beschäftigt kriegen", sagt die 29-Jährige.

Naidzinavicius weiß, wie wichtig es für die Sportwelt ist, dass dieses Turnier gut über die Bühne geht. "Nicht nur Handball-Deutschland, sondern allgemein viele Leute gucken auf dieses Turnier. Umso mehr stehen wir in der Verantwortung, uns an jegliche Regeln zu halten, so dass das Event auch als Vorbild für andere Sportarten dienen kann." Das Bubble-Leben geht also weiter – bestenfalls noch drei Wochen lang.