Mit mehreren Profis von der MT Melsungen im Kader bereiten sich die deutschen Handballer auf das erste Kapitel ihres WM-Abenteuers vor. Kurz vor dem Auftaktspiel gegen Uruguay ist Corona aber allgegenwärtig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Reichmann: Absagen von Spielern sind völlig okay

Tobias Reichmann
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Uwe Gensheimer und Johannes Bitter nippten entspannt an ihrem Kaffee, Torwart Silvio Heinevetter von der MT Melsungen posierte vor den beeindruckenden Pyramiden von Gizeh: Die deutschen Handballer genossen die ersten Stunden in ihrem Luxus-Tempel in Ägypten. Doch die Idylle im Fünf-Sterne-Hotel am Fuße des Weltwunders ist trügerisch, vor dem Turnierstart gegen Uruguay am Freitag (ab 18 Uhr live im Ersten und im Stream auf sportschau.de) beherrscht das Corona-Chaos bei anderen Teams die Schlagzeilen.

"Ganz ausblenden kann man es nie, es ist schon sehr, sehr präsent", sagte Heinevetters Melsunger Teamkollege Kai Häfner am Mittwoch. Sobald das Team aber in der Halle stehe, könne "man sich wieder auf Handball konzentrieren".

Reichmann und die Gedanken im Hinterkopf

Ähnlich hatte sich Tobias Reichmann am vergangenen Wochenende in einem hr3-Gespräch geäußert. "Man hat immer die Frage im Hinterkopf, ob es richtig ist, in dieser Zeit ein Turnier stattfinden zu lassen", sagte der Rechtsaußen der MT. Allerdings: "In der Blase haben wir keinen Kontakt zu Fans oder anderen. Wir können nicht einmal zum Kaffeetrinken rausgehen, es findet alles auf der Anlage statt."

Trotzdem kreisen die Gedanken der deutschen Mannschaft immer wieder auch um den Vorrundengegner Kap Verde. Die diffusen Meldungen über mehrere Coronafälle beim afrikanischen Inselstaat sorgen im Team von Bundestrainer Alfred Gislason für Unbehagen.

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In Ägypten treffen sich vom 14. Januar bis 31. Januar die weltbesten Handball-Mannschaften, um ihren Weltmeister zu finden. Bei sportschau.de gibt es alle wichtigen Informationen zum Turnier, welches aufgrund der Corona-Pandemie unter besonderen Bedingungen stattfindet.

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Mit Tschechien und den USA haben bereits zwei Teams unmittelbar vor dem Turnierstart ihre Teilnahme coronabedingt absagen müssen. Auch Brasilien meldete positive Befunde.

"Es übertrifft unsere Befürchtungen, dass wir innerhalb von acht Stunden die Hiobsbotschaften aus Tschechien und den USA bekommen", sagte Axel Kromer, Sportvorstand des Deutschen Handballbundes (DHB). "Auch die Einzelfälle in anderen Nationen spielen uns nicht in die Karten – vor allem mit Blick auf diejenigen, die hier alles enorm kritisch betrachten."

DHB-Team am Sonntag gegen Kap Verde

Welche Auswirkungen die Fälle bei Turnierneuling Kap Verde haben, war selbst dem DHB am Tag nach seiner Ankunft ein Rätsel. Der Weltverband IHF informierte das Team lediglich über die beiden Absagen sowie die Nachrücker Nordmazedonien und Schweiz. Deutschland trifft am Sonntag (18 Uhr) auf den krassen Außenseiter, der laut Medienberichten am Mittwoch ohne sechs Spieler und Cheftrainer Jose Tomas die Reise nach Nordafrika angetreten haben soll.

Gemeinsam mit Teammanager Oliver Roggisch hält Kromer die Corona-Thematik möglichst vom Team fern, gleichwohl man natürlich "darüber spricht", wie Sebastian Firnhaber berichtete.

DHB-Profis mit FFP2-Masken "zugeschüttet"

Der Fokus liegt auf den beeinflussbaren Sicherheitsfaktoren. So erkannte der DHB beispielsweise in seinem Luxushotel, in dem das Team seit Dienstagnachmittag im Erdgeschoss mit prächtigem Blick auf die Pyramiden logiert, "Verbesserungspotenzial". Sieben weitere Nationen sind ebenfalls im "Mena House" untergebracht.

Kromer berichtete, dass "nicht alle Restaurants" zugänglich seien: "Wir wollen mit Nachdruck erreichen, dass weitere Räumlichkeiten geöffnet werden, um das Risiko in diesem Bereich weiter zu minimieren." Zudem nehme es manch einer vom Hotel-Personal beim Tragen der Maske nicht so genau, da hänge der Mund-Nasen-Schutz schon einmal am Kinn. Der DHB selbst habe die Spieler daher mit FFP2-Masken "zugeschüttet", sagte Kromer.

Reichmann: "Guter Dinge, dass wir erfolgreich sein werden"

Die Profis selbst versuchen indes, sich rein auf das Sportliche zu konzentrieren – und auf das, was bei diesem Turnier möglich sein könnte. "Ich bin guter Dinge, dass wir erfolgreich sein werden", antwortete Reichmann auf die Frage, wie er den WM-Verzicht einiger deutscher Nationalspieler bewerte. Bereits Mitte Dezember hatte unter anderem der Melsunger Finn Lemke erklärt, aus familiären Gründen nicht an dem Turnier teilnehmen zu wollen.

"Natürlich schwächt uns das, keine Frage, aber andere springen dafür in die Bresche und machen ihre Sache bisher sehr gut", sagte Reichmann. Für die Daheimgebliebenen habe er aber "auf jeden Fall Verständnis". Reichmann selbst fiebert den Partien jedenfalls entgegen: "Es bedeutet mir viel, Handball zu spielen."