Fäth klatscht sich mit seinen Mitspielern ab.
Steffen Fäth (vorne) nach dem Sieg gegen Island Bild © Imago Images

Für Torhüter Andreas Wolff war Steffen Fäth beim 24:19 gegen Island der "X-Faktor" im Spiel der deutschen Mannschaft. Bei den Rhein-Neckar Löwen sitzt der gebürtiger Frankfurter allerdings meistens auf der Bank – das könnte sich nach der WM ändern.

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Auf einmal waren wirklich alle Augen und Scheinwerfer auf ihn gerichtet, und Steffen Fäth war es fast ein bisschen peinlich. "Wir haben alle zusammen als Mannschaft gekämpft", sagte der "Player of the Match" nach dem 24:19 der deutschen Handballer gegen Island im ersten WM-Hauptrundenspiel in Köln. "Das Trainerteam hatte uns super eingestellt, wir wussten genau, was auf uns zukommt."

Bloß nicht Ruhm und Ehre für sich allein beanspruchen, das ist das Credo des überzeugten Mannschaftsspielers Fäth. Und dennoch ragte der stille Frankfurter aus einem kompakten Team heraus, mit seinen sechs Toren aus dem linken Rückraum war er der erfolgreichste deutsche Angreifer. "Es sieht gar nicht so schnell aus, wenn er wirft, aber seine Würfe haben unheimlich Schmackes", sagte Torwart-Gigant Andreas Wolff. "Steffen ist unser X-Faktor."

Hanning: Fäth nimmt Schlüsselrolle ein

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Fäth hat viele Fans in den eigenen Reihen, zu denen gehört auch Bob Hanning. Der mächtige Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) schob dem Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen, der zwischen 2010 und 2016 für die HSG Wetzlar aktiv war, sogar eine Schlüsselrolle zu. "Wenn wir eine Medaille wollen, brauchen wir ihn in noch besser, als er jetzt schon ist", sagte Hanning nach der Vorrunde. Fäth müsse "jetzt für uns die Kohlen aus dem Feuer holen – weil er es kann".

Bei aller Wertschätzung für Fäth möchte Bundestrainer Christian Prokop so weit dann doch nicht gehen, er konterte Hanning am Samstag mit einem verbalen Seitenhieb: "Eine Medaille geht nur über die gesamte Mannschaft. Wer das bis hierhin nicht begriffen hat, kennt sich im deutschen Handball schlecht aus."

Das "Freischwimm-Spiel"

Unbestritten ist aber die Bedeutung, die der stille Fäth für den Erfolg der deutschen Mannschaft hat. Von seinen Nebenleuten immer wieder hervorragend in Szene gesetzt, erzielte der 28-Jährige seine Tore aus der zweiten Reihe ansatzlos, ohne Schnörkel und mit einer unwiderstehlichen Wucht. "Für Steffen war es das Freischwimm-Spiel", sagte Hanning. "Genau so brauchen wir ihn." Mitspieler Fabian Böhm fand das gar nicht so überraschend: "Ich glaube, die Handballszene weiß nicht erst seit heute, was für ein grandioser Spieler Steffen ist." 

Bis zu den Rhein-Neckar Löwen, so möchte man meinen, ist diese Botschaft allerdings noch nicht so recht durchgedrungen. Nach seinem Wechsel im Sommer 2018 von den Füchsen Berlin nach Mannheim saß Fäth viel zu oft auf der Bank, in den letzten fünf Bundesligaspielen stand er überhaupt nicht auf der Platte. Aber Fäth wäre ja nicht Fäth, wenn er sich lautstark dagegen auflehnen würde. Auch bei den Löwen steht für ihn der Teamgedanke im Mittelpunkt: "Es geht nie um mich, immer um die Mannschaft." Und deshalb war ihm die Auszeichnung als Bester unter Gleichen eben fast ein bisschen unangenehm.

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Deutschland - Island 24:19 (14:10)

Tore für Deutschland: Fäth (Rhein-Neckar Löwen/6), Gensheimer (Paris/5/2), Drux (Berlin/4), Häfner (Hannover/2), Strobel (Balingen/2), Pekeler (Kiel/2), Wiencek (Kiel/2), Groetzki (Rhein-Neckar Löwen/1)

Tore für Island: Gunnarsson (6/2), Palmarsson (3), Gudmundsson (3), Gudjonsson (2), Arnarsson (2), Kristjansson (1), Elisson (1), Gislason (1)

Zuschauer: 19.250 (ausverkauft)

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