HSG-Trainer Ben Matschke

Die HSG Wetzlar hätte in der vergangenen Saison beinahe die Europapokal-Quali geschafft, muss nun aber einen großen Umbruch verkraften. In der neuen Spielzeit wird es für die Handballer darauf ankommen, wie gut die Abgänge kompensiert werden.

So lief die vergangene Saison

Die Saison 2021/2022 konnte sich in Wetzlar wirklich sehen lassen: Platz 7 war das zweitbeste Ergebnis seit dem Bundesliga-Aufstieg 1998, am Ende hätte es sogar fast für die Europapokal-Qualifikation gereicht. Die schweren Verletzungen von Torhüter Till Klimpke und Torjäger Stefan Cavor machten den Mittelhessen allerdings einen Strich durch die Rechnung und sorgten für ein enttäuschendes Saisonfinale mit acht Niederlagen in den letzten elf Spielen.

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Hessen-Handballer starten in die neue Bundesliga-Saison

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"Mit der Abschlussplatzierung können wir natürlich sehr zufrieden sein. Mit den Ergebnissen der Rückrunde und der Art und Weise, wie diese zustande gekommen sind, waren wir es nicht", fasste es Geschäftsführer Björn Seipp im Interview mit dem hr-sport zusammen. Besonders mit der Chancenverwertung haderten die Mittelhessen. Man habe es "verdaddelt, mehr Spiele vor eigenem Publikum zu gewinnen. Das haben wir aber tiefgründig aufgearbeitet und gehen jetzt voller Vorfreude in die neue Saison."

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Wer kommt, wer geht

Der Umbruch in Wetzlar ist groß: Sieben neue Spieler haben die Mittelhessen an Bord. Rückraumspieler Vladan Lipovina und Kreisläufer Erik Schmidt gehören mit ihren 29 Jahren zu den erfahreneren Akteuren im Kader. Hinzu kommt mit Hendrik Wagner (25) ein Spieler für den Rückraum, der im erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft steht. Ansonsten wurde das Team deutlich verjüngt - mit Jovica Nikolic (20), Kukas Becher (22), Jonas Schelker (22) und Radojica Cepic (20). Nach ihren langen Verletzungen sind auch Klimpke und Cavor gefühlte Neuzugänge. Der Torwart ist schon wieder im Training dabei, bis zum Comeback des Torjägers wird es aber wohl bis Anfang 2023 dauern.

Gennadyi Komok, Felix Danner, Patrick Gempp, Ivan Srsen, Alexander Feld, Olle Forsell Schefvert, Filip Mirkulovski und Maximilian Holst werden dagegen nicht mehr für die HSG auf dem Parkett stehen. Besonders das Karriereende von Holst schmerzt und hinterlässt eine Lücke auf der linken Seite. Mirkulovski bleibt dem Verein übrigens erhalten - als Co-Trainer.

"Wir haben uns deutlich verjüngt und dementsprechend auch Bundesligaerfahrung verloren, aber auf der anderen Seite an Potenzial, Dynamik und Perspektive auf den Backup-Positionen dazugewonnen", so Seipp, der darauf setzt, dass Stammspieler wie Klimpke, Lenny Rubin, Magnus Fredriksen, Emil Mellegard und der neue Kapitän Adam Nyfjäll ihre Leistungen stabilisierren und mehr Verantwortung für die Mannschaft übernehmen.

Der Trainer

Ben Matschke ist vor Jahresfrist in große Fußstapfen getreten, als er den langjährigen Coach Kai Wandschneider beerbte. Der 40-Jährige fand sich bei der HSG schnell zurecht, überzeugte mit seinen Analysen und seiner Emotionalität schnell alle Zweifler.

Entsprechend gestärkt geht der gebürtige Heilbronner in seine zweite Saison mit der HSG Wetzlar - zumal der Verein im Mai mit ihm vorzeitig um zwei Jahre verlängert hat. Zudem hat er mit dem bereits erwähnten Mirkulovski eine Vereinslegende nun dauerhaft und nicht wie zuvor als Spielertrainer in seinem Trainerteam.

Erwartungen an die neue Saison

Der Umbruch macht eine Prognose für die neue Saison, die übrigens die 25. Bundesliga-Spielzeit am Stück für die HSG ist, schwierig. So standen für die Verantwortlichen zunächst auch Integration und Teambuilding im Vordergrund. "Wenn Du die Hälfte des Personals austauschst, ist es doch normal, dass nicht gleich alle Rädchen ineinandergreifen", sagte Seipp auch mit Blick auf die mäßigen Testspiel-Ergebnisse in der Vorbereitung. "Wichtig ist zu sehen, dass alle immer voll mitziehen, sich leidenschaftlich reinhängen und total lernwillig sind. Dass wir das notwendige Potenzial besitzen, um in der Liga bestehen zu können, daran zweifelt niemand."

Und so legt sich im Verein niemand auf eine bestimmte Platzierung als Saisonziel fest. Man wolle das Potenzial der jungen Mannschaft ausschöpfen und den treuen Fans tollen und erfolgreichen Handball zeigen. "Es geht um die Entwicklung", stellte Seipp klar, der "so früh wie möglich den Klassenerhalt sicher haben" möchte. Und gegen eine positive Überraschung wie in der vergangenen Saison hätte in Mittelhessen sicher niemand etwas einzuwenden.