HSG Wetzlar Coburg

Die HSG Wetzlar gewinnt gegen Coburg - und nach dem Spiel dreht sich trotzdem alles um die Corona-Fälle im deutschen Handball. Geschäftsführer Björn Seipp ist richtig sauer und richtet einen Appell an die Liga-Spitze.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found HSG Wetzlar löst Pflichtaufgabe gegen Coburg

Stefan Cavor von der HSG Wetzlar im Spiel gegen Coburg
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Eigentlich ist so eine Pressekonferenz nach einem Handball-Bundesliga-Spiel eine ritualisierte Sache. Ein paar Analysen hier, ein paar Glückwunsche da, Danke, Bitte, fertig. Nicht so nach dem Sieg der HSG Wetzlar gegen Coburg am Donnerstag. Denn da musste erst einmal richtig Dampf abgelassen werden. "Ich bin ehrlich gesagt stinksauer", fasste HSG-Geschäftsführer Björn Seipp seine Gefühlslage knapp und prägnant zusammen.

Der Stein des Anstoßes: die Begegnung selbst. "Ich sage es ganz deutlich: Das Spiel hätte verschoben werden müssen", bekräftigte Seipp. Die Partie der Mittelhessen war die einzige Begegnung überhaupt, die am Donnerstag stattfand. Alle anderen wurden ebenso abgesagt wie bereits das Spiel der MT Melsungen am Mittwoch. Der Grund: die Corona-Fälle in der Nationalmannschaft.

Keine Entscheidungshilfe für die HSG

Mit Till Klimpke haben jedoch auch die Wetzlarer einen Spieler aus der DHB-Auswahl in ihren Reihen. Die Frage war also: Was tun? Ihn spielen lassen und damit Gefahr laufen, dass es noch mehr positive Tests gibt? Oder den Stammkeeper als Vorsichtsmaßnahme draußen lassen?

"Kurz bevor wir in der Halle das Licht angemacht haben, war es ein erschreckender Tag für mich. Es gab viele Rückmeldungen aus der HBL-Zentrale, die mich fragend und kopfschüttelnd zurückgelassen haben", schilderte Seipp die Lage vor der Partie und die Gemengelage rund um die Personalie Klimpke.

Denn: Entscheidungshilfe gab es nicht. Die HSG wurde komplett alleingelassen. "Meine Erwartungshaltung war, dass die HBL sagt: 'Das können wir von euch nicht erwarten. Wir verschieben dieses Spiel.'" Dazu kam es jedoch nicht. Und so entschieden die Mittelhessen selbst, auf ihren Stammkeeper zu verzichten. "Die Jungs haben das gemeinsam beschlossen", erklärte Trainer Kai Wandschneider.

"Das kann man von uns nicht erwarten"

Einen wichtigen Spieler in einem alles andere als unwichtigen Spiel freiwillig draußen zu lassen - ob man hier noch von fairem Wettbewerb reden kann, diese Frage darf jeder selbst für sich beantworten. "Dass wir die Variante gegangen sind, war eine Selbstverständlichkeit", so Seipp: "Aber das kann man von uns ja nicht erwarten. Man kann für die Abstellung eines Nationalspielers ja nicht bestraft werden. Das macht mich sehr, sehr sauer."

Zum Ende dieser deutlichen Pressekonferenz richtete der Geschäftsführer der HSG daher noch deutliche Worte in Richtung der Bundesliga-Verantwortlichen: "Andere sollten sich mal Gedanken machen, ob sie momentan die richtigen Entscheidungen treffen."

Kein Lockdown, aber auch kein Göppingen-Spiel

Es dürfte eine Frage sein, die die Handball-Bundesliga noch etwas länger beschäftigt. Am Freitag wurde zumindest entschieden, dass es keinen vorübergehenden Lockdown geben wird, die Liga vertraut ihrem Hygienekonzept. Dies ist das Ergebnis einer Video-Konferenz der Bundesligaklubs am Freitag.

Dennoch fällt zumindest das Spiel der HSG am Sonntag bei Frisch Auf Göppingen aus und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Darauf verständigten sich die Vereine am Freitag. Der Grund: Spieler in Quarantäne. Eine Entscheidung, die sie sich bei der HSG auch am Donnerstag gewünscht hätten.