Fans in Wetzlar 2015

Im Fußball sind bald wieder Zehntausende Zuschauer möglich. Wie sieht es bei den Hallensportarten aus? Wir haben bei hessischen Klubs nachgefragt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Axel Geerken: "Bis zu 5000 Fans wieder in der Halle"

Axel Geerken
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Nach der Zulassung von zehntausenden Fans bei der Freiluftsportart Fußball fragten sich auch die Vertreter der Hallensportarten, wann sie wieder Zuschauer in großer Zahl begrüßen können. Die Staats- und Senatskanzleien haben nun Mitte dieser Woche eine Empfehlung für die Rückkehr von Zuschauern abgegeben, allerdings müssen die Bundesländer und die zuständigen Behörden vor Ort zustimmen. Axel Geerken, Vorstand des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, sagt auf Nachfrage: "Es gibt eine zeitlich befristete Möglichkeit, eine Kapazität bis zu 5000 Zuschauern mit 3G zuzulassen." Zugelassen wären also Geimpfte, Negativ-Getestete oder Genesene.

Klubs müssen zudem gewährleisten, dass Infektionsketten durch personalisierte Tickets nachverfolgt werden können. Die Kanzleien sprechen in der Mitteilung von einer "ausreichenden Lüftung und/ oder Luftdesinfektion bzw. -filterung" in den Hallen. Mehr als 5000 Zuschauer dürfen nicht in die Hallen, wenn die 7-Tage-Inzidenz über 35 liegt. Die maximale Auslastung darf auch hier die 50-Prozent-Marke nicht überschreiten.

Eishockey: Saison ohne Zuschauer für viele Klubs nicht zu stemmen

Stefan Krämer, der geschäftsführende Gesellschafter der Eishockey-Zweitligisten Löwen Frankfurt, begrüßt die Mitteilung. "Wir erarbeiten auf Basis dieser Zuschauerkapazitäten momentan erste, vorsichtige Planungen." Ein Problem für die Löwen wie auch für andere Klubs stellt aber die zeitliche Begrenzung der Empfehlung bis zum 11. September 2021 dar. "Unter welchen Voraussetzungen die neue Saison letztendlich an den Start geht, steht dementsprechend heute nach wie vor nicht fest." Die Spielzeit startet ab dem 1. Oktober. "Planungssicherheit wäre für alle Clubs enorm wichtig", so Krämer.

Während einer regulären Saison mit Playoffs würden die Spiele der Löwen rund 160.000 Zuschauer besuchen - und damit 30 bis 40 Prozent des Etats gedeckt werden. Gut besuchte Hallen würden sich auch auf die Sponsoringmöglichkeiten auswirken. So warnt Krämer: "Fakt ist, dass eine weitere Saison ohne Zuschauer bzw. mit deutlichen beschränkten Zuschauerkapazitäten für viele Klubs aus eigener Kraft nicht zu stemmen sein wird."

Basketball: Volle Hallen mit Geimpften als Vorschlag

Der Geschäftsführer der Gießen 46ers aus der Basketball-Bundesliga, Stephan Dehler, begrüßt, dass Bund und Länder sich wieder mit der Zulassung von Zuschauern beschäftigen. "Wir stehen am Beginn eines Planungsprozesses mit den zuständigen Behörden, um mit einem angemessenen und sicheren Hygienekonzept möglichst bald wieder eine signifikante Anzahl an Zuschauern in der Sporthalle Gießen-Ost begrüßen zu dürfen", so Dehler. Ein zentraler Baustein werde 3G (Geimpft, Genesen, Getestet) dabei sein.

Eine Rückkehr ist für die Gießener aus emotionaler und finanzieller Hinsicht enorm wichtig. Eine volle Sporthalle habe die Spieler häufiger schon zum Sieg gepusht, erinnert sich Dehler. Die Einnahmen aus Ticketverkäufen und Fan-Shop-Umsätzen sind bedeutend, "um auch finanziell wettbewerbsfähig zu bleiben". Der BBL-Geschäftsführer Stefan Holz stellte in dieser Woche in Frage, dass der Inzidenzwert entscheidend für die Auslastung sein müsse. "Ich weiß nicht, was gegen eine volle Halle mit Geimpften spricht", sagte er.

Handball: Anfängliche Skepsis in Wetzlar

Die HSG Wetzlar nahm am 11. Juni bereits eine Vorreiterrolle ein: Zum Spiel gegen Essen waren wieder 772 Anhänger dabei. Bei den letzten drei Heimspielen der Saison begrüßte die HSG 800 Getestete plus Geimpfte und Genesene in der Arena. "Unser bisheriges Hygienekonzept hat funktioniert, alle haben sich sicher gefühlt", sagt Geschäftsführer Björn Seipp.

Allerdings war der Run auf die Karten nicht so groß wie erwartet. Viele Fans waren noch zurückhaltend, wieder ein Event in der Halle zu besuchen. Die ausklingende Saison schien überdies die Begeisterung etwas zu schmälern, zum Saisonstart könnte der Ansturm auf die Karten größer sein. Dieser ist für Anfang September angesetzt - ungefähr dann, wenn die aktuelle Empfehlung endet.

Ticketeinnahmen machen 30 Prozent des Etats aus

Gerade aus finanzieller Hinsicht würde eine Zuschauerrückkehr im Handball für die Klubs einen immensen Schub bedeuten. Bei der HSG machen die Fernsehgelder nur fünf Prozent des Etats aus, die Ticketeinnahmen allerdings 30. "Wir können normalerweise mehr als 4.400 Zuschauer in die Arena lassen. Um in der kommenden Saison finanziell auf eigenen Beinen stehen zu können, brauchen wir die Möglichkeit einer Auslastung von mindestens 75 Prozent", mahnt Seipp. "Wenn das nicht zugelassen werden würde, dann müsste wieder der Staat helfen. Ich bin der Letzte, der danach ruft, aber in diesem Fall hätten wir keine andere Wahl."

In Melsungen machen die Zuschauereinnahmen ein Viertel des Gesamt-Etats aus. Auch die MT steht im Austausch mit der hessischen Staatskanzlei, dem zuständigen Gesundheitsamt und der Stadt Kassel. Ein Problem für die MT wie auch für alle anderen Klubs ist, dass manche Formulierungen aus der Politik bislang noch zu schwammig erscheinen.

Noch offen: die Abstandsfrage

So gibt es beispielsweise keine klare Empfehlung für die Abstandsregeln - genau das könnte aber entscheidend für die Anzahl der Fans sein. Sollten nun also die Kommunen die Bedingungen von einem Abstand von 1,50 Meter verlangen, würde sich die ursprüngliche Kapazität in der Melsunger Halle von 4.500 Sitzplätzen bei einer Rückkehr halbieren.

Immerhin bleibt noch etwas Zeit für die Feinabstimmung: "Unser erstes Heimspiel ist am 11. oder 12. September vorgesehen. Da wäre es für uns sensationell, wenn wir mit einer sehr großen Auslastung beginnen könnten", so MT-Vorstand Axel Geerken. Und weiter: "Gerade unsere Saison ist zum Schluss nicht gut verlaufen, deswegen brauchen wir einfach diese Unterstützung der Fans, um den einen oder anderen Punkt mehr zu holen."