Julius Kühn von der MT Melsungen im Nationalteam

In der Heimat Lockdown, bei der Handball-WM in Ägypten Fans in der Halle: Der Unmut über die Erlaubnis von Zuschauern wird auch bei den Nationalspielern immer größer, der Melsunger Julius Kühn hofft auf die richtigen Maßnahmen des Verbands.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Handballer bestehen Stresstest in Österreich

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft schwört sich in einem Kreis ein.
Ende des Audiobeitrags

Nach einigen internationalen Topstars haben nun auch Rückraumspieler Julius Kühn von der MT Melsungen und der deutsche Nationaltorhüter Johannes Bitter die Zulassung von Zuschauern bei der bevorstehenden Handball-WM in Ägypten kritisiert. "Ich finde es mehr als fragwürdig, in solch einer Zeit Zuschauer in die Hallen zu lassen. Ich missbillige das", sagte Bitter der Hamburger Morgenpost. Zuschauer seien "das falsche Signal". Kühn ergänzte, "nicht unbedingt begeistert" zu sein.

Bitter versteht die Welt nicht mehr

Nach Meinung von Bitter brauche der Handball die WM, um sich zu präsentieren und um "seine Existenz zu sichern". Besucher in den Arenen seien dafür aber "nicht zwingend nötig. Das ist nicht glaubwürdig." Für Bitter geht es dabei auch um die Wirkung der TV-Bilder: "Wie können wir vor Zuschauern spielen, wenn bei uns zu Hause Lockdown ist?" 

Das sehen viele Spieler anderer Nationen genauso. Vor Bitter hatten bereits Norwegens Superstar Sander Sagosen ("peinlich") und Dänemarks dreimaliger Welthandballer Mikkel Hansen ihrem Ärger öffentlich Luft verschafft.

Zwar hält Bitter, der beim 36:27-Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich eine starke Leistung zeigte, das Risiko einer Ansteckung für die Akteure bei einer maximalen Hallenauslastung von 20 Prozent für "überschaubar". Er sorgt sich aber um die vielen Menschen, die kommen und nicht der Bubble angehören und deswegen nicht ständig getestet werden. "Da trägt der Handball Verantwortung", sagte Bitter.

Kühn hofft das Beste

Der Melsunger Kühn gab sich bei einem virtuellen Medientermin des Deutschen Handballbundes (DHB) am Donnerstag etwas pragmatisch. "Als Spieler müssen wir das jetzt hinnehmen. Uns wurde zugesichert, dass es genügend Abstand zu den Zuschauern geben wird und die Zuschauerreihen relativ weit entfernt sein werden", sagte er. "Uns bleibt in der aktuellen Situation wohl nichts anderes übrig als der IHF zu vertrauen, dass sie alles im Griff haben."

Momentan geht der DHB weiterhin von einer Hallenauslastung von bis zu 20 Prozent aus. "Da sehe ich eher ein ethisches, moralisches Thema, dass die Zuschauer auf der Tribüne sich untereinander anstecken könnten", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer am Donnerstag. Die Gefahr, "dass Infektionen von der Tribünenseite in Richtung Spielfeld kommen, die kann man nicht zu 100 Prozent ausschließen". Sie sei aber "deutlich geringer".

Sendung: hr1, 07.01.20, 12 Uhr