Finn Lemke und Heiko Grimm von der MT Melsungen.

Die MT Melsungen wagt in der Handball-Bundesliga den Angriff auf das Establishment. Die Zutaten dazu: ehrgeizige Ziele, üppige finanzielle Unterstützung - und eine Handvoll Nationalspieler.

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Ob Silvio Heinevetter ein Fan der Ahle Wurscht ist oder einen Sinn für Fachwerkbauten hat, ist nicht bekannt. Es dürften aber weder die kulinarischen Spezialitäten noch die baulichen Sehenswürdigkeiten sein, die den Handball-Nationaltorwart spätestens im Sommer 2020 aus der Millionenmetropole Berlin in die nordhessische Provinz zur MT Melsungen ziehen. Vielmehr reizt den Routinier ein ambitioniertes sportliches Projekt, das zudem finanziell gut unterfüttert ist - der Angriff auf das Bundesliga-Establishment.

"Der Weg in die nationale Spitze wird nicht leicht. Deshalb sind wir dabei, den Kader in die richtige Richtung zu bringen", begründete MT-Vorstand Axel Geerken unlängst in einem Interview der Zeitung Hessische Niedersächsische Allgemeine die personelle Aufrüstung des derzeitigen Tabellenfünften.

Bald fünf Nationalspieler in Melsungen

Dazu gehören auch die Verpflichtung von Nationalspieler Kai Häfner, der wie Heinevetter zur Saison 2020/21 kommt, sowie die langfristige Vertragsverlängerung mit Rückraum-Kanonier Julius Kühn bis 2024. "Das möchten wir als eindeutigen Beleg für unsere sportlichen Ambitionen in den kommenden Jahren verstanden wissen", betonte Geerken.

Künftig tummeln sich fünf deutsche Nationalspieler bei den Nordhessen, die dann das Gros der DHB-Auswahl stellen werden. In einem ersten Schritt hatte der Verein im Sommer 2017 neben Kühn bereits Rechtsaußen Tobias Reichmann und Abwehrhüne Finn Lemke verpflichtet.

Kühn will "um einen Titel mitspielen"

"Wir haben noch viel vor und wollen zunächst unter die besten fünf Teams der Bundesliga kommen. Aber das soll noch nicht alles sein. Ich glaube, dass wir Spieler uns damit nicht zufriedengeben werden", sagte Kühn und richtete eine Kampfansage an die etablierte Konkurrenz um Meister SG Flensburg-Handewitt, Rekord-Champion THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen: "Ich möchte mit der MT gern um mindestens einen Titel mitspielen."

Innerhalb weniger Jahre hat sich der Verein von einer grauen Maus der Liga zu einer attraktiven Adresse im deutschen Handball entwickelt. Das liegt in erster Linie an der großzügigen Unterstützung des Hauptsponsors, einem ortsansässigen Unternehmen für Pharma- und Medizinbedarf, das weltweit operiert und im Vorjahr einen Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro verzeichnete.

Heinevetter bringt Glamour nach Nordhessen

Hinzu kommen ein klares sportliches Konzept und ein gutes Klima in der Mannschaft von Trainer Heiko Grimm, der deutlich schneller und flexibler spielen lässt als in den Jahren zuvor. "Unser Ziel muss es sein, dass wir mittelfristig in Zusammenhang mit den besten fünf Teams der Liga genannt werden. Langfristig wollen wir uns in den Top fünf festsetzen", sagte Grimm.

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Dazu beitragen soll auch Heinevetter, um dessen Verpflichtung die MT gekämpft habe, "wie man es sonst nur für eine tolle Frau macht", so der Top-Keeper. Das war bei seinem derzeitigen Verein Füchse Berlin nach zehn Jahren nicht mehr der Fall, weshalb sich der 34-Jährige momentan mit Geschäftsführer Bob Hanning zofft. Wer in dem öffentlich ausgetragenen Streit Recht hat, ist unklar. Fakt ist aber: Neben der sportlichen Klasse wird Heinevetter durch seine Beziehung mit der prominenten Schauspielerin Simone Thomalla auch etwas Glamour nach Nordhessen bringen - vielleicht sogar früher als erwartet.