Die MT-Profis Silvio Heinevetter und Tobias Reichmann sind bei Olympia außen vor.

Volle Stadien, viel Euphorie auf den Rängen, Partys nach den Wettkämpfen? Bei Olympia in Tokio ist coronabedingt in diesem Jahr alles anders. Die Handballer Silvio Heinevetter und Tobias Reichmann befinden sich sogar in Quarantäne fernab des Olympischen Dorfes.

Es war wohl für Silvio Heinevetter und Tobias Reichmann selten so schwer, eine Zugehörigkeit zu der eigenen Mannschaft aufzubauen. Die beiden Profis der MT Melsungen zählen bei Olympia in Tokio nicht zum deutschen 14-Mann-Kader von Handball-Bundestrainer Alfred Gislason. Sie stehen auf Abruf bereit und müssen sich fernab der Mannschaft fit halten, dürfen die Motivation am Rande stehend nicht verlieren.

Hotel, Training, Hotel

"Es ist sehr monoton. Wir sind nur im Hotel und dürfen nur raus, wenn wir Training haben oder um die Spiele vor Ort anzuschauen", beschrieb Reichmann im Gespräch mit dem ZDF den Tagesablauf. Das Hotel sei noch einmal 15 bis 20 Minuten vom Olympischen Dorf entfernt, auf 15 Quadratmetern wohnen Reichmann und Teamkollege Heinevetter zusammen: "Zum Glück haben wir kein Doppelbett. So müssen wir nicht die ganze Zeit kuscheln."

Es ist ein Stück weit Galgenhumor, mit dem das Duo die Zeit überbrückt. Wenn Deutschland am Dienstag im Viertelfinale auf Ägypten trifft, werden Heinevetter und Reichmann wieder bei den Betreuern auf der Tribüne Platz nehmen und das Team anfeuern. Die Gefühlslage? Äußerst schwierig für die Handball-Profis, die zusammen auf beinahe 300 Länderspiele kommen. Reichmann gab zu: "Man ist Teil, aber irgendwie doch nicht Teil. Das ist schwierig. Im Nachhinein blickt man wahrscheinlich nicht gerne darauf zurück. Jeder, der eine Affinität zum Sport hat, kann das sicher mitfühlen."

Come and go im Hotel

Es ist eine Krux für viele Athletinnen und Athleten. Die permanente Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus, die triste Zeit in Quarantäne, keine Fans und somit auch keine Euphorie auf den Rängen - aber andererseits auch Dankbarkeit dafür, dass die Wettkämpfe überhaupt in dieser Art und Weise stattfinden können. Doch für einen ehrgeizigen Athleten wie Heinevetter ist dies freilich kein Trost: "Man ist Sportler durch und duch und will natürlich spielen. Klar fiebern wir mit dem Team mit, aber trotzdem ist man unzufrieden. So ehrlich muss man sein."

Neben den sportlichen Duellen fehlen auch die Events rund um die Spiele herum: "Im Hotel sind noch paar Offizielle und Sportler anderer Nationen. Aber die wechseln auch ständig. Nach einem Wettkampf müssen die Sportler direkt verschwinden. Dadurch lernt man auch keinen anderen so richtig gut kennen." Ein permanentes Come and go also.

Dabeisein ist alles! Tatsächlich?

Dabeisein ist alles? Selbst von diesem olympischen Motto sind die beiden Melsunger aktuell weit entfernt. Immerhin ist der Draht zum Team nicht komplett abgerissen: "Wir schreiben privat mit den Kollegen. Man sieht sich beim Spiel, wir sind in der Kabine und beim Training dabei." Doch Olympia 2021 werden Heinevetter und Reichmann, wenn im Endspurt nicht noch etwas unvorhersehbares geschieht, nicht in bester Erinnerung behalten.