Axel Geerken

Die Fans pfiffen, Manager Axel Geerken war fassungslos. Die MT Melsungen kommt in der Handball-Bundesliga nicht in die Gänge. Die Niederlage gegen den Tabellenletzten Minden tat richtig weh.

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Audioseite Herber Rückschlag für Melsungen

MT Melsungen unterliegt Minden
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Schon zur Halbzeitpause wurde es ungemütlich für die Spieler und die Offiziellen der MT Melsungen. Mickrige sieben Tore waren den Nordhessen in der ersten Halbzeit gegen das Tabellen-Schlusslicht GWD Minden gelungen. Laut und deutlich war der Unmut unter den knapp 2.500 Fans in der Halle zu hören. 7:14 zur Pause, schlimmer gehts nicht. "Ich kann den Ärger der Fans verstehen, wir waren auch fassungslos, wie wir gespielt haben", sagte Melsungen Axel Geerken am Donnerstag im Gespräch mit dem hr-sport.

Und das gegen Minden. Eine Mannschaft, die ihre neun vorausgegangenen Saison-Spiele allesamt mit durchschnittlich sechs Tore Rückstand verloren hatte. "Wir sind nicht mit der richtigen Bereitschaft ins Spiel gegangen."

Aufwärtstrend gestoppt

Auch für Roberto Garcia Parrondo, der das Traineramt in Melsungen Ende September vom entlassenen Coach Guðmundur Guðmundsson übernommen hatte, war die 25:29-Niederlage gegen Minden ein heftiger Rückschlag. Im Oktober befand sich die MT unter Parrondo durch Siege bei Hannover-Burgdorf und gegen den Bergischen HC, sowie einem Unentschieden bei Frisch Auf Göppingen leicht im Aufwärtstrend. Der wurde nun jäh gestoppt. Geerken: "Es gab vorher keine Anzeichen für so eine Leistung wie jetzt gegen Minden."

Zwar verlief die zweite Halbzeit insgesamt etwas besser, doch lagen die Melsunger nach einem abermals verpatzten Start schnell unaufholbar mit 10:18 hinten. Torwart Silvio Heinevetter hielt die MT durch einige Paraden noch halbwegs im Spiel. Yves Kunkel mit seinem neun Toren erreichte als einziger Feldspieler Normal-Niveau. An der Niederlage änderte das nichts. Direkt nach dem Spiel gaben die Spieler und die Offiziellen dem live übertragenden Fernsehsender nicht einmal Interviews. So tief sitzt der Frust.

Am Tag nach der Partie haben sich die Spieler nun mit einem öffentlichen Statement zu Wort gemeldet. "Das war eine Leistung, die nicht im entferntesten unseren eigenen Ansprüchen oder denen unserer Fans genügt. Wir haben den Unmut natürlich mitbekommen, der war aus Sicht der Zuschauer absolut verständlich", wird Kapitän Kai Häfner darin zitiert. "Wir möchten uns dafür nicht nur bei ihnen entschuldigen, sondern vor allem auch beim Verein und bei unserem Trainer, die wir in diesem Spiel enttäuscht haben."

Wo liegt das Problem der MT?

Denn die Pfiffe in der Halle, sie waren nach der Schlusssirene nicht zu überhören. Und auch in den sozialen Netzwerken sparten die Fans nicht mit Kritik. Das Auftreten der Mannschaft wird als "peinlich" empfunden. Auch die richtige Zusammenstellung der Mannschaft und die Rolle von MT-Geschäftsführer Geerken wird in Frage gestellt.

Fakt ist: Die Melsunger Mannschaft ist eine Zusammenstellung von guten Einzelspielern, doch das Gefüge scheint aktuell nicht zu stimmen. Die Spieler funktionieren nicht als Team. Der Trainerwechsel von Guðmundsson zu Parrondo war eigentlich der letzte Schuss eines Bundesliga-Vereins, dessen Ansprüche um ein Vielfaches höher sind als die aktuelle sportliche Situation auf dem elften Tabellenplatz. Damit rangiert Melsungen zwei Plätze hinter der zweiten hessischen Bundesligamannschaft HSG Wetzlar, die jedoch einen wesentlich geringeren Etat hat.

Niederlage gegen Minden als schlechtes Omen?

Wie es wieder aufwärts gehen soll, wissen sie in Nordhessen im Moment nicht wirklich. Viele Fans erinnert die aktuelle Situation an die der vergangenen Spielzeit. Fast genau vor einem Jahr, im Dezember 2020, verlor Melsungen ebenfalls daheim deutlich gegen den damaligen punktlosen Tabellenletzten, HSC 2000 Coburg. Damals gab es übrigens keine Pfiffe in der Halle: Die waren wegen des Corona-Lockdowns ausgeschlossen.

Und noch eine weitere unangenehme Parallele hält der Spielplan bereit. Im nächsten Heimspiel nach der Coburg-Pleite unterlag die MT im Jahr 2020 dem TVB Stuttgart. Am Samstag (15.30 Uhr) empfängt Melsungen abermals die Stuttgarter. Diesmal hoffentlich mit einer anderen Fortsetzung. Für Manager Geerken ist die Sache klar. "Es muss jetzt eine Reaktion aus der Mannschaft erfolgen."