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Sam Hoddersen: "Ich bin sehr stolz"

Sam Hoddersen hat in Hessen unterklassig Handball gespielt – und ist nun mit den USA bei der Weltmeisterschaft dabei. Im Interview spricht er über seine außergewöhnliche Karriere.

TSG Bürgel, HSG Hanau, HSG Rodgau Nieder-Roden – das sind die Stationen von Sam Hoddersen, bevor es den gebürtigen Offenbacher auf Anraten des US-Verbands nach Schweden zog. Im hr-Interview spricht der 25-Jährige über seine Karriere, welche Rolle eine Internetsuche seiner Eltern gespielt hat und welchen Sport man in den USA unter Handball versteht.

hessenschau.de: Sie sind mit der USA in der Vorrunde der Handball-WM dabei und haben den ersten WM-Sieg der Geschichte der USA feiern können. Wie fühlt es sich an?

Sam Hoddersen: Ich bin sehr stolz. Ich habe mir im Vorhinein schon Gedanken gemacht, wie die Chancen gegen unsere Gruppengegner stehen und es war klar, dass Siege gegen Kroatien und Ägypten schwer werden würden. Aber gegen Marokko habe ich uns Chancen ausgerechnet – und das Spiel haben wir gewonnen. Die Niederlagen gegen Kroatien und Ägypten waren deutlich, das war ein wenig enttäuschend. Aber insgesamt haben wir mit dem Sieg unser Ziel erreicht. Die WM zu spielen, ist ein großer Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

hessenschau.de: Sie haben in Hessen bei der der TSG Bürgel, der HSG Hanau und der HSG Rodgau Nieder-Roden gespielt. Wie hat es Sie denn zur Weltmeisterschaft verschlagen?

Hoddersen: Mein Vater kommt aus den USA und war hier bei der Army in Hanau, ich und meine beiden älteren Schwestern sind in Offenbach geboren und aufgewachsen. Hier haben wir auch mit dem Handball angefangen. Meine Mutter hat eines Tages im Internet gesehen, dass die Junioren-Damenmannschaft für einen Lehrgang nach Leverkusen kam und den Verband angeschrieben. Dort sind wir dann hingefahren und beim nächsten Lehrgang für die Jungs wurde ich auch eingeladen. Das war 2010 in Schweden. Danach habe ich alle Jugend-Nationalmannschaften durchlaufen.

hessenschau.de: Handball ist in den USA eher Randsportart. Tut sich was?

Hoddersen: Seit Trainer Robert Hedin da ist, hat sich sehr viel getan. Der Verband sucht nach Spielern in Europa, die eine doppelte Staatsbürgerschaft haben. Außerdem schickt der Verband talentierte Spieler nach Europa, damit sie sich dort verbessern. Scouting und Entwicklung spielen mittlerweile eine große Rolle, um in der Zukunft mithalten zu können.

hessenschau.de: Hatte der Verband auch bei Ihrem Karriereweg die Finger im Spiel? Seit 2021 sind sie Profi in Schweden bei Lugi HF.

Hoddersen: Ja. Die Internationale Handballföderation und das Forum Club Handball unterstützen die USA in Hinblick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. In Zuge dieser Kooperation werden amerikanische Spieler für ein, zwei Jahre zu europäischen Topclubs geschickt, um dort ausgebildet zu werden. Normalerweise sind das jüngere Spieler, aber bei mir hat der Verband wohl eine Ausnahme gemacht. So bin ich in Lugi gelandet.

hessenschau.de: Wie war der Wechsel zum Profi?

Hoddersen: Anfangs schwierig, ich habe mich direkt verletzt. Aber dann bin ich immer besser reingekommen und habe mich an die gesteigerte Belastung gewöhnt. Seitdem geht es mir super, ich merke, wie meine Entwicklung nach oben geht. Ich bin froh, diesen Schritt gewagt zu haben.

hessenschau.de: Wie ist das öffentliche Interesse an Handball und an der WM in den USA?

Hoddersen: Es hat sich ein bisschen was getan, unsere Spiele wurden auf ESPN übertragen und auf Social Media habe ich mitbekommen, wie einige Menschen die Spiele verfolgten und sich auch zum gemeinsamen Gucken trafen. Aber es bleibt in den USA trotzdem schwierig, mit Handball in den Fokus der Öffentlichkeit zu kommen. Die vier großen Sportarten Basketball, Football, Baseball und Eishockey überragen einfach alles. Und Handball ist als Sport nicht sehr bekannt in den USA. Die Leute verstehen dort unter Handball ein Spiel, bei dem ein Ball mit der Hand gegen eine Wand geschlagen wird, ein wenig wie Squash. Unser Handball heißt da "Team Handball". Unseren Sport musste ich in den USA immer mal wieder erklären.

hessenschau.de: Durch die Weltmeisterschaft nun vielleicht dem ein oder anderen weniger.

Hoddersen: Es ist ein Traum. Wir waren mit den Stars der Bundesliga in einem Hotel. Gegen die dann zu spielen, war toll. Auf dem Feld hatte ich Respekt, aber auch keine Angst. Es macht Spaß, sich mit solchen Top-Leuten zu messen. Wegen Olympia haben wir für die nächsten beiden Weltmeisterschaften Wildcards. Da will ich unbedingt auch dabei sein.

hessenschau.de: Und dann gibt es im Anschluss eines Tages das Karriereende in Hessen?

Hoddersen: Das kann ich mir gut vorstellen. Ich weiß nicht, wann oder bei welchem Verein. Aber ein Karriereende in Hessen wäre schön. Meine Familie und Freunde sind ja noch dort.

Das Gespräch führte Stephan Reich.