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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found MT Melsungen und HSG Wetzlar starten in die neue Handball-Saison

Szene aus einem Spiel zwischen MT und HSG

Harz an den Händen, Bälle im Tor – und Fans in den Hallen: Die Handball-Bundesliga startet in eine Saison voller Ungewissheiten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die ersten Spiele von MT Melsungen und HSG Wetzlar.

Die rund siebenmonatige Corona-Zwangspause ist vorbei – zumindest vorerst: Nach ganz genau 208 Tagen kehrt die Handball-Bundesliga in den Spielbetrieb zurück. Die Pandemie sorgt zwar bei allen 20 Clubs vor allem finanziell für maximale Ungewissheit, doch nach einer langen Durststrecke soll endlich wieder der Sport in den Mittelpunkt rücken. Nach den Auftaktspielen von Clubs wie Magdeburg oder Hannover-Burgdorf am Donnerstagabend starten die hessischen Teams am Sonntag (16 Uhr) in die neue Runde.

Die MT Melsungen beginnt mit einem Auswärtsspiel bei HBW Balingen-Weilstetten, für die HSG Wetzlar steht zunächst ein Heimspiel gegen Meisterschaftskandidat SG Flensburg-Handewitt auf dem Plan. "Wir sind froh und erleichtert, dass wir überhaupt wieder unseren Beruf ausüben können", sagt Wetzlars Noch-Trainer Kai Wandschneider im Gespräch mit dem hr-sport.

Vor dem Start der 55. Saison in der Handball-Bundesliga (HBL) beantworten wir die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist neu?

Weil es in der vergangenen – abgebrochenen – Saison keine Absteiger, aber Aufsteiger gab, wurde die HBL auf 20 Teams aufgestockt. Dies bedeutet auch, dass es in dieser Saison vier Absteiger geben wird, um anschließend wieder die ursprüngliche Ligagröße von 18 Mannschaft zu erreichen.

Wie genau gestaltet sich die Zuschauer-Situation?

Die Vereine dürfen, so wie es auch im Profifußball gehandhabt wird, die Kapazität ihrer Heimspielstätten zu 20 Prozent ausschöpfen. Bei den hessischen Clubs sorgt das allerdings für große Unterschiede. Die MT, die in der Kasseler Rothenbach-Halle und damit in einer reinen Sitzplatz-Halle spielt, kann bis zu 2.100 Fans reinlassen. In Wetzlar sind es maximal 800 – weil es in der dortigen Arena auch Stehplätze gibt, die laut Hygienekonzept aber leer bleiben müssen.

Reichen 20 Prozent zum Überleben?

Nein. Bis Weihnachten, so prognostiziert es HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, könne man die derzeitige Situation durchhalten. Jedes Spiel sei für die Clubs ein Zuschussgeschäft. Der Grund: Handballvereine finanzieren sich bis zu 80 Prozent durch den Verkauf von Eintrittskarten.

Wie ist die Stimmung bei MT Melsungen und HSG Wetzlar?

Beide Vereine gehen mit gemischten Gefühlen in die neue Saison. Klar: Die Freude darüber, endlich wieder sportliche Ziele verfolgen zu können, ist sowohl in Nord- als auch in Mittelhessen groß. Mindestens genauso groß sind aber auch die durch die Pandemie verursachten Sorgen. Corona schwebe "wie ein Damoklesschwert" über dem deutschen Handball, sagt HSG-Coach Wandschneider. Ähnlich sieht es MT-Vorstand Axel Geerken, der von Amts wegen natürlich auch die Finanzbücher im Blick hat: "Wir möchten, dass wir unsere Sportart wieder präsentieren. Aber wir sind weit davon entfernt, eine Wirtschaftlichkeit herzustellen."

Welche sportlichen Chancen haben MT und HSG?

Direkt hinter den Top-Meisterschaftsfavoriten THW Kiel und Flensburg-Handewitt sehen viele Experten die MT Melsungen als das drittbeste Team der Liga. Im Kader tummeln sich mittlerweile neun aktive oder ehemalige deutsche Nationalspieler, mit Gudmundur Gudmundsson hat seit Ende Februar ein international erfahrener und erfolgreicher Trainer das sportliche Sagen.

Der Isländer hat das Privileg, Top-Stars wie Julius Kühn, Kai Häfner, Tobias Reichmann, Finn Lemke und Timo Kastening anzuleiten – und damit aber auch die Aufgabe, für gute Ergebnisse zu sorgen. Vorstand Geerken gibt auch auch zu Bedenken: "Sportliche Ziele sind für die gesamte Liga schwer einzuordnen. Unser erstes Ziel ist, das erste Spiel in Balingen zu gewinnen. Dann sehen wir weiter. Alles andere ist zu sehr in die Glaskugel geguckt."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found ARD-Handball-Experte Florian Naß im hr-iNFO-Gespräch

Ein Handball liegt auf dem Hallenboden
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Ähnlich zurückhaltend sind die Prognosen in Wetzlar. Die HSG wird den Blick auch in dieser Runde wohl eher nach unten richten müssen, mit dem Kampf gegen die vier Abstiegsränge möchte man bei den Grün-Weißen aber nach wie vor nichts zu tun haben. Auch an der Lahn drehen sich die Gedanken allerdings vor allem ums große Ganze. "Wir wissen, dass es von jetzt auf gleich zu Ende sein kann", weiß Trainer Wandschneider um den möglichen Einfluss steigender Infektionszahlen auf den Spielbetrieb.

"Wir hatten selbst Infektionen in der Mannschaft, Quarantäne. Das wirft einen sportlich zurück – und belastet psychisch." Einer, der das Team nach Möglichkeit mitziehen soll, ist Kristian Björnsen. Der norwegische Nationalspieler wird die HSG in der neuen Spielzeit als Mannschaftskapitän aufs Feld führen.

Was passiert, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann?

"Ein oder zwei Spielverlegungen könnten wir irgendwie kompensieren. Wenn es zu größeren Ausfällen kommt, werden wir den Ligabetrieb, wie wir ihn eigentlich planen, möglicherweise nicht durchführen können", sagt Ligachef Bohmann. Konkret bedeutet das: Sollte die Liga in der Hinrunde abgebrochen werden, würde die Saison annulliert. An dieses Horrorszenario denken will aber niemand. Vielen Clubs würde im Falle eines vorzeitigen Abbruchs wie im Vorjahr der Kollaps drohen.

Und sonst?

Ganz besonders Wetzlars Trainer Wandschneider möchte man wünschen, dass die Saison ohne große Probleme über die Bühne geht. Für den 60-Jährigen wird diese Spielzeit die letzte bei der HSG sein. Seit Beginn seines Engagements im Jahr 2012 hatte er sportliche Kontinuität und Stabilität in die sich immer wieder verändernde Mannschaft gebracht, Wandschneider selbst hätte seinen 2021 auslaufenden Vertrag gerne verlängert. Die Wetzlarer haben die Weichen allerdings in eine andere Richtung gestellt: Benjamin Matschke wird im kommenden Jahr von Liga-Konkurrent Eulen Ludwigshafen zur HSG wechseln.

Sendung: hr-iNFO, 01.10.20, 9.50 Uhr