Tobias Reichmann

Zwölf Corona-Fälle bringen die deutsche Handball-Nationalmannschaft an den Rande ihrer Einsatzfähigkeit. Neu mit dabei ist jetzt auch der Melsunger Tobias Reichmann.

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Bekommt Bundestrainer Gislason genügend Spieler zusammen?

Bundestrainer Alfred Gislason agiert an der Seitenlinie.
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Klar ist eigentlich nur, dass gar nichts klar ist. Die deutschen Handballer wollen sich trotz immer weiterer Corona-Fälle nicht von der Europameisterschaft zurückziehen. Zumindest vorerst nicht. Das ergab eine Krisensitzung am Mittwochabend. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir es verantworten können, im Turnier zu verbleiben", sagte der Vorstandsboss des Deutschen Handballbundes (DHB), Mark Schober.

Der deutsche Antrag auf die Verlegung des ersten Hauptrundenspiels am Donnerstagabend (18 Uhr/ARD) gegen Spanien wurde abgelehnt. Weitere Corona-Fälle gab es im Laufe des Donnerstages nicht.

Wie ist eigentlich der Stand?

Bislang sind bei dem Turnier in der Slowakei und Ungarn zwölf deutsche Nationalspieler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Um überhaupt noch zu den Spielen antreten zu können, hat Bundestrainer Alfred Gislason bislang immer wieder neue Bundesliga-Profis nachnominiert. Nach drei weiteren Corona-Fällen am Mittwoch stoßen am Donnerstag auch noch Rechtsaußen Tobias Reichmann (MT Melsungen) sowie die Rückraumspieler Lukas Stutzke und David Schmidt (beide Bergischer HC) zum Team.

Reichmann war zum Zeitpunkt der Zusammenstellung des EM-Kaders noch verletzt, ist inzwischen wieder fit und absolvierte aktuell das Vorbereitungstraining mit der MT auf die zweite Bundesliga-Saisonhälfte. Bis der Anruf des DHB am Mittwochabend kam. Damit stehen Gislason 16 gesunde Spieler zur Verfügung.

Können noch weitere Corona-Fälle dazukommen?

Ja. Noch am Mittwochabend hatte die gesamte DHB-Delegation einen weiteren PCR-Test absolviert, die Ergebnisse "sollen im Laufe der Nacht bis Donnerstagfrüh" kommen, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. Zudem steht für Donnerstagmorgen noch eine PCR-Testreihe an. Nach Informationen der ARD-Sportschau sind jedoch keine weitere Positiv-Fälle dazugekommen.

Warum spielt die DHB-Auswahl trotzdem weiter?

Zum einen, weil die verbliebenen Spieler es unbedingt wollen. "Wir haben von unseren Spielern sehr aktiv zu hören bekommen, dass sie dieses Turnier unbedingt nutzen wollen, um ihre neu entwickelte Mentalität auszubauen und als Team weiter zu wachsen", sagte Kromer. Deutschland könnte theoretisch immer mehr Spieler aus der Bundesliga nachnominieren und wäre damit immer spielfähig. Aber auch wirtschaftliche Aspekte spielen eine Rolle. Nie ist die Aufmerksamkeit für den Handball größer als bei den Großturnieren im Januar.

Ein Rückzug würde also auch dem Verband schaden. Zudem würden weitere schwere Konsequenzen drohen. In den Turnier-Regularien steht, dass ein Team bei einem Rückzug sogar von künftigen Europameisterschaften ausgeschlossen werden könnte. Das wäre für den DHB besonders schmerzhaft: Die nächste EM 2024 wird in Deutschland ausgetragen.

Was sagen die Spieler?

"Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen, wie wir das Turnier fortsetzen und zu Ende bringen können. Das ist unser klares Ziel, alles andere war nicht unser Thema", sagte Kapitän Johannes Golla von der MT Melsungen am späten Mittwochabend.

"Auch wenn wir alle auf Abstand unterwegs sind - so einen Zusammenhalt wie in den vergangenen Tagen habe ich selten erlebt. Jeder erkundigt sich nach dem anderen. Es wird alles von jedem in der gesamten Delegation in Bewegung gesetzt, um einander in dieser Lage zu helfen. Es ist etwas ganz Besonderes, das mitzuerleben."

Was ist mit dem Spiel gegen Spanien?

Der DHB hat beim Europäischen Handballverband EHF beantragt, das Spiel auf Samstag oder Montag zu verlegen. Das wurde am Donnerstagvormittag abgelehnt. Da aktuell keine weitere Fälle dazugekommen sind, ist die deutschen Mannschaft gegen Spanien spielfähig.

Wie geht es den infizierten Spielern?

Den Spielern geht es soweit gut. Der Melsunger Rückraumspieler Julius Kühn, der am vergangenen Samstag als erster DHB-Akteur positiv getestet worden war, fühlt sich nach Angaben von Kromer fit und einsatzbereit. Theoretisch hätte er sogar gegen die Spanier nach fünf Tagen Quarantäne schon wieder spielen können. Ein erster PCR-Test am Mittwoch ergab allerdings, dass Kühn noch zu ansteckend ist. Damit kommt er für das Spiel gegen Spanien nicht in Betracht.

Andere Spieler wie Rechtsaußen Timo Kastening (ebenfalls MT Melsungen) haben leichte gesundheitliche Probleme. "Ich habe jetzt leider ein paar Symptome im Hals- und Nasenbereich, habe einen leichten Reizhusten. Richtig schlecht fühle ich mich aber nicht", sagte Kastening im Interview mit hr-iNFO. Auch die anderen positiv getesteten Spieler hätten ähnliche Symptome, einer hätte mehr Halsschmerzen, andere seien noch etwas kaputter, auch wenn keiner wirklich flach liege. Alle infizierten Spieler sind auf ihren Hotelzimmern isoliert.

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