Trapp Geisterspiel Eintracht

2020 bleibt vorerst das Jahr der Geisterspiele: Ministerpräsident Bouffier schließt eine Zuschauer-Rückkehr in die Sportstätten vor November aus, danach soll neu entschieden werden. Die ersten Vereine schlagen aber schon Alarm.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found MT-Melsungen-Manager Geerken: "Dann gebe es weniger Vereine"

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Die leise Hoffnung auf ein paar Sportevents vor Zuschauern in absehbarer Zeit ist dahin: Laut eines Beschlusses von Bund und Ländern, die Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag präsentierte, bleiben Stadien und Sporthallen bis mindestens Ende Oktober für Gäste geschlossen. Fußballspiele von Eintracht Frankfurt oder Darmstadt 98 werden weiterhin als Geisterspiele ausgetragen, in der Handball-Bundesliga bleiben die Ränge ebenso leer wie beim Eishockey. Kurzum: Hessische Sportfans müssen weiter draußen bleiben.

Bis mindestens Oktober Geisterspiele

"Bis zum 31. Oktober werden Spiele in großen Stadien nicht mit Zuschauern stattfinden können", fasste Bouffier das Ergebnis der viereinhalbstündigen Konferenz zusammen. Für die Zeit danach solle ein bundeseinheitliches Konzept erarbeitet und vorgelegt werden. Bei Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, sind Zuschauer sogar mindestens bis Jahresende untersagt.

Auf diese Vorgehensweise einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag. Eine Arbeitsgruppe mit den Chefs der Staatskanzleien soll nun Vorschläge erarbeiten, wie ab November mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen umgegangen werden kann. Ob schon früher zumindest einige Hundert Zuschauer in die Stadien dürfen, blieb am Donnerstag offen. In Hessen sind Veranstaltungen mit bis zu 250 Gästen prinzipiell weiter erlaubt.

Handballer und Basketballer schlagen Alarm

Besonder schwer betroffen von längerfristigen Fan-Ausschlüssen wären Vereine, die auf Zuschauereinnahmen dringend angewiesen sind. Sollten die Ränge tatsächlich bis zum Jahresende oder sogar darüber hinaus leer bleiben müssen, befürchtet Axel Geerken, der Geschäftsführer von Handball-Bundesligist MT Melsungen, eine Insolvenz-Welle. "Das wäre ein schwerer Fall und das würde dazu führen, dass wir im nächsten Jahr weniger Vereine haben", sagte er dem hr-sport.

Wichtig sei zudem, wie Geerken betonte, so schnell wie möglich Planungssicherheit zu haben. "Wir leben aktuell von Woche zu Woche und von Tag zu Tag. Langsam drängt die Zeit."

Ähnlich ergeht es auch den Bundesliga-Basketballern der Gießen 46ers. Die BBL-Saison beginnt zwar erst im November, ein Start mit Fans ist also theoretisch weiter möglich, das Horror-Szenario Geisterspiele ist aber bereits allgegenwärtig. Keine Fans und damit verbunden keine Eintrittsgelder würde auch die 46ers "hart treffen", wie Sportdirektor Michael Koch klarstellte.

Bouffier appelliert an Vernunft

Bei allen finanziellen Sorgen, das machte Bouffier jedoch noch einmal deutlich, wird weiter einzig und alleine das Coronavirus und die Entwicklung der Infektionszahlen die Richtung vorgeben. "Wir müssen das Virus weiter sehr ernst nehmen", so Bouffier. "Rücksicht, Umsicht, Vorsicht ist die Grundmelodie." Der Sport, die Fans und die Clubs werden sich also weiter gedulden müssen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.08.20, 19.30 Uhr