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Unternehmer will Kreisligisten in die Hessenliga bringen

Stefano Trizzino

Geschäftsmann Stefano Trizzino will hochklassigen Fußball in den Odenwald holen. Dafür hat er bereits hunderttausende Euro in Beine und Steine beim kleinen Kreisligisten SV Hummetroth gesteckt. Das kommt in der Region nicht überall gut an.

Die Fangzäune hängen leicht schief, der Platz gleicht an manchen Stellen mehr einem Spargelacker denn einem Fußballrasen und die Holzvertäfelung an der Theke im Vereinsheim hat ihre beste Zeit auch schon lange hinter sich. Fußballnostalgiker sprechen in solchen Fällen gerne von ehrlicher Kreisliga-Romantik, alle anderen würden den Zustand des Vereinsgeländes des SV Hummetroth schlicht als heruntergekommen bezeichnen.

Angesichts dieser Kulisse wirkt das Auftreten von Stefano Trizzino fast ein bisschen deplatziert. Auf dem schlammigen Parkplatz steht seine frisch polierte S-Klasse, er selbst trägt feine Lederschuhe, Stoffhose und einen dunkelblauen Mantel, der wahrscheinlich mehr gekostet hat als alle Trikotsätze des Vereins zusammen.

Doch was auf den ersten Blick nicht passt, ist offenbar wie füreinander gemacht: Trizzino ist der Mäzen des SV Hummetroth, um ihn dreht sich derzeit alles bei dem kleinen Stadtteilklub aus Höchst (Odenwald). Mit seinem Geld wirbelt er den Amateurfußball im beschaulichen Odenwald so richtig auf.

Langfristig in die Hessenliga

Seit der 54-Jährige 2017 beim SV Hummetroth einstieg, schaffte der Klub den Durchmarsch von der Kreisliga C in die Kreisliga A. Und auch dort thront der SV aktuell unangefochten an der Spitze und wird in die Kreisoberliga aufsteigen – daran führt wohl kein Weg vorbei.

Auch für die Zukunft hat Trizzino noch große Pläne: "Langfristig will ich in die Hessenliga", sagt der studierte Elektrotechniker, der sein Geld mit mehreren Firmen im In- und Ausland verdient. Dafür braucht es Stand jetzt noch vier Aufstiege, dann soll aber Schluss sein. "Für Regionalliga oder mehr reicht die Infrastruktur hier nicht." Er will einfach guten Fußball in den Odenwald bringen und auf Augenhöhe mit Amateurklubs aus Darmstadt und Frankfurt kommen.

Alte Spielerbank beim SV Hummetroth

Zum Erreichen dieser Ziele braucht Hummetroth natürlich entsprechende Spielerqualität. Um veranlagte Kicker vom Gang in die unterklassige A-Liga zu überzeugen, hat Trizzino ein attraktives Wohlfühl-Paket geschnürt. Neben einer großzügigen "Aufwandsentschädigung" bietet er den jungen Männern mitunter auch Ausbildungsplätze in seinen Unternehmen an. Über diesen Weg gelang es dem SV in der Winterpause zum Beispiel, einen Spieler aus der Hessenliga vom SC Viktoria Griesheim in den Odenwald zu locken. Aktuell belaufen sich die Kosten rund um das Team auf etwa 90.000 Euro im Jahr.

Unmut bei der Konkurrenz

Was beim SV Hummetroth für Jubelstimmung sorgt, kommt allerdings nicht überall in der Region gut an. In manchen Vereinen ist der Unmut über die neureichen Kicker aus dem 400-Seelen-Dorf groß, etwa bei der drittplatzierten KSG Vielbrunn. "Wir wollten aufsteigen, die Chance wird uns so aber genommen", sagt der Vorsitzende Martin Reinartz. Thomas Krenz, Abteilungsleiter beim abstiegsbedrohten SSV Brensbach, schimpft: "Das hat nichts mit Kreisligafußball zu tun." Krenz empfindet Trizzinos Engagement als "Wettbewerbsverzerrung".

Beim Blick auf die Tabelle wird schnell klar, woher der Groll kommt. Hummetroth steht mit 15 Siegen aus 15 Spielen und einem Torverhältnis von 77:3 auf Platz eins. Wer gegen den SV spielt, holt sich fast immer eine Packung ab, das sorgt für Frust. Vier Vereine sind deswegen wegen angeblich zu vieler Verletzter gar nicht erst angetreten, die Spiele wurden am grünen Tisch 3:0 für Hummetroth gewertet.

Dass sich Trizzino zuletzt für ein Boulevardblatt mit einem Fußball vor seinem Ferrari ablichten ließ, hat auch nicht zur Entspannung beigetragen. Es geht sogar das Gerücht um, der gebürtige Sizilianer fliege immer sonntags mit dem Flugzeug aus Italien zu den Spielen ein. So etwas kommt nicht gut an im bodenständigen Odenwald.

Offene Anfeindungen gegen Trizzino

Auf fremden Plätzen wurde Trizzino teilweise offen angefeindet: "Da wurden Dinge gesagt, die kann ich hier gar nicht wiederholen." Für den Hass, den Neid und vor allem die vielen Spielabsagen hat Trizzino kein Verständnis. "Gegen uns können sich doch die anderen Spieler beweisen und zeigen, dass sie vielleicht höher spielen können", so der Mäzen.

Es gibt aber auch externe Stimmen, die der Entwicklung beim SV Hummetroth Positives abgewinnen können. "Für jeden Fußballer ist es doch etwas Schönes, sich mit den Besten zu messen", sagt Abteilungsleiter Oliver Naas vom zweitplatzierten TSV Günterfürst, der ohne Trizzino wohl aufgestiegen wäre. "Das ist wie im DFB-Pokal, wenn kleine Mannschaften die Bayern zugelost bekommen."

Außerdem sei der SV Hummetroth in der Region schon eine kleine Attraktion, zum Heimspiel kamen rund 900 Zuschauer und Zuschauerinnen an den Platz in Günterfürst. "Das hat sich auch finanziell gelohnt", freut sich Naas. Das Spiel ging knapp mit 0:1 verloren, aufsteigen will Günterfürst dann nächstes Jahr.

Zugewandt und selbstironisch

Wer sich länger mit Trizzino unterhält, merkt schnell, dass hinter seinem Engagement in Hummetroth mehr steckt als die Geltungssucht eines ferrarifahrenden Alphatiers. Er wirkt zugewandt, höflich und so gar nicht eitel – und er nimmt sich selbst nicht so ernst: Dass er jeden Sonntag mit dem Flugzeug anreise, stimme so nicht. Hin und wieder nehme er auch das Auto, erklärt er mit einem Grinsen.

Stefano Trizzinos S-Klasse parkt vor dem Vereinsgelände.

Fragt man die Vereinsverantwortlichen nach Trizzino, fallen Begriffe wie "Freund", "Bruder" oder "Familie". "Etwas besseres konnte uns nicht passieren", sagt der zweite Vorsitzende Bernd Gunkel.

Auch wenn Trizziono mittlerweile in der ganzen Welt zu Hause ist, zum Odenwald hat er eine tiefe Verbindung. Im Alter von sechs Jahren zog er mit seiner Familie aus Sizilien in die Region, wuchs in armen Verhältnissen auf. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache und keine Freunde. "Das war die schwierigste Zeit meines Lebens", sagt Trizzino rückblickend. Über den Fußball habe er es geschafft, in Deutschland Fuß zu fassen – erst in der Jugend beim FC Höchst, später dann beim SV Hummetroth.

"Der Fußball und die Menschen dort haben mir den Spaß am Leben zurückgegeben und die Voraussetzungen geschaffen, dass ich der werden konnte, der ich heute bin", sagt der 54-Jährige. Ohne den integrativen Charakter des Fußballs hätte er nicht eine solche Karriere als Geschäftsmann machen können, glaubt Trizzino: "Jetzt möchte ich dem Sport und der Region etwas zurückgeben."

Eine halbe Million Euro für Bauprojekte

Deswegen investiert er nicht nur in die Mannschaft, sondern auch in die Infrastruktur. "Ich will kein Mäzen sein, der Geld nur in Spieler steckt, und der Verein wieder mit leeren Händen dasteht, wenn ich mal weg bin", so Trizzino. Sich selbst bezeichnet er gerne als "Mini-Hopp" - in Anlehnung an Dietmar Hopp, den Gönner der TSG Hoffenheim. Auch Hopp verberge nicht, dass er Geld hat, tue aber Gutes für die Region und müsse sich dafür auch oft derbe Kritik gefallen lassen. Wie Hopp in Hoffenheim möchte auch Trizino in Hummetroth "etwas Nachhaltiges schaffen" - aber eben ein paar Nummern kleiner.

Bald schon wird das Vereinsheim in neuem Glanz erstrahlen, der Umbau läuft bereits. Zwei sogenannte Soccercourts - kleine Fußballplätze mit Kunstrasen - sollen entstehen, einer in der Halle und einer im Außenbereich. Auch Zäune, Platz, Spielerbänke und Tribüne sollen auf Vordermann gebracht werden. Für die erste Bauphase hat Trizzino bereits 150.000 Euro locker gemacht, insgesamt rechnet er mit Ausgaben von bis zu einer halben Million Euro allein für die Umbauten.

Alles wird neu: Die Bauarbeiten im Vereinsheim sind bereits in vollem Gange.

Soziales Engagement für Kinder

Von den neuen Sportstätten soll dann nicht nur der SV Hummetroth profitieren. Kinder aus der ganzen Region dürfen die Anlagen nutzen, wenn sie denn einmal fertig sind. Trizzino hat dafür eigens eine gemeinnützige Organisation gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Kindern mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien zu helfen. "Wir wollen sie über den Sport integrieren, damit sie Teil der Gesellschaft sein können." Dafür will der Verein auch erstmals eine Jugendabteilung gründen; zumindest eine B- und eine A-Jugend will Trizzino etablieren.

Im Odenwaldkreis dürfte sich die Aufregung spätestens dann legen, wenn der SV Hummetroth überregional spielt. Vielleicht kommen dann ab und zu auch Zuschauer und Zuschauerinnen aus Brensbach oder Vielbrunn, um die Odenwald-Bayern spielen zu sehen - und anschließend bei ein oder zwei Bier in der neuen Vereinskneipe über die guten alten Zeiten zu reden.

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