Patrick Lange beim Zieleinlauf, beim Gewinn der Ironman-WM 2018.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wollte Patrick Lange eigentlich an der Ironman-WM teilnehmen. Stattdessen bangt der Triathlon-Star aus Bad Wildungen wie viele andere auch um seine Karriere.

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Jan Frodeno jubelt kurz vor der Ziellinie
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Eigentlich hatte Patrick Lange sich dieses Wochenende ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollte der Nordhesse schon längst auf Hawaii sein und – im Optimalfall – in der Nacht von Samstag auf Sonntag (MESZ) seinen dritten WM-Sieg bei der Ironman-WM feiern. Wegen Corona heißt es im Hause Lange aber nun: Alpen- statt Inselfeeling.

"Wir werden sicher eine schöne Bergtour machen und natürlich über die schönsten Erinnerungen aus den tollen Erfolgen sprechen", verriet der Wahl-Halleiner (nahe Salzburg) seine Alternativpläne für die abgesagte Weltmeisterschaft.

Beste Bedingungen auf Hawaii

Ganz ähnlich geht es Jan Frodeno, dem Titelverteidiger, der am Abend vielleicht den Pizzaofen anwerfen wollte. Wie auch Lange wäre Frodeno an diesem Samstagabend irgendwo mit seinem High-Tech-Rad auf dem berühmten Queen Ka'ahumanu Highway unterwegs, weit weg auf Hawaii.

180,2 Kilometer nach den 3,86 Kilometern Schwimmen, danach noch die 42,2 Kilometer Laufen. Sonne mit leichter Bewölkung war für Kailua-Kona vorhergesagt, Temperaturen von über 30 Grad. Beste Bedingungen für ein weiteres denkwürdiges Rennen bei der berühmten Ironman-Weltmeisterschaft, angeführt von den insgesamt vier deutschen Titelträgern an diesem 10.10.2020. Doch daraus wurde nichts.

Corona zeigt die Grenzen auf

"Ein wenig Wehmut ist schon dabei", sagt Frodeno. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass seit langem schon feststeht, dass auch das WM-Rennen, das Ortszeit am Sonntag in der früh traditionell mit einem Kanonenknall gestartet worden wäre, nicht stattfindet.

Zuerst auf Februar 2021 verschoben wegen der Coronavirus-Pandemie, dann komplett abgesagt. "Training ist schön, aber sind wir mal ehrlich: einen Wettkampf und das Kribbeln im Bauch kann es nicht ersetzen", betont der Bad Wildunger Lange.

Kaum Triathlon-Wettbewerbe 2020

Die Coronavirus-Pandemie bringt auch die an Grenzen, die sich einer der härtesten sportlichen Herausforderung stellen. Trainingsprogramme, Saisonplanungen, alles umsonst. Kaum Rennen fanden in diesem Jahr statt.

Eines war angesetzt, bei dem 2014er Hawaii-Champion Sebastian Kienle nur wenige Wochen nach einem Schlüsselbeinbruch nach einem Trainingssturz auf dem Rad antrat. Als wären die Probleme der Profi-Triathleten nicht schon groß genug, musste dieses Rennen im schweizerischen Davos aber kurz nach dem Schwimmen wegen Unwetters abgebrochen werden.

"Das Wetter passt zur Stimmung"

Dass es derzeit in Deutschland auch recht herbstlich ist, macht alles nicht besser. "Das Wetter passt zur Stimmung, sonst war das immer schön, nach dem Rennen in Kona zurück nach Deutschland zu kommen, das Wetter hat die Pause dann noch gemütlicher gemacht. Jetzt verstärkt es die eher düstere Stimmung", sagt Kienle.

Den Athletinnen und Athleten fehlt die größte Plattform des Jahres, um sich und ihre Sponsoren zu präsentieren: In einem Sport, der weit weg ist von Millionen-Gehältern wie im Fußball, ein weiteres Problem in einer schwierigen, weil so gut wie rennlosen Saison. Ihr gehe es wie allen anderen Selbstständigen, Künstlern oder Musikern zum Beispiel, berichtet Anne Haug.

Finanzielle Sorgen, aber treue Sponsoren

"Natürlich bricht ein sehr großer Teil des Einkommens einfach weg", erklärt die Weltmeisterin des vergangenen Jahres aus Bayern. Und auch der Bad Wildunger Lange beantwortet die Frage, ob er seine Karriere bedroht sieht, mit: "Natürlich."

Gerade für Haug hätte dieses Jahr dank des WM-Triumphs als erste Deutsche die Kasse ein bisschen klingeln lassen können. Ebenso wie Lange bedankt sie sich bei ihren Sponsoren, die ihr die Treue gehalten haben. "Länger als dieses Jahr sollte die Krise aber nicht dauern", ergänzt Haug.

Kienle: "Ich bleibe optimistisch"

Die Triathletin wird im Januar nächsten Jahres 38 Jahre alt, Frodeno im August 40. "Wer weiß - vielleicht ist meine Karriere ja schon zu Ende, ohne dass wir es wissen", sagt der gebürtige Kölner: "Es gibt immer Ausfälle im Sport, man wird sich derer nur noch viel bewusster zu späterer Stunde in seiner Karriere." Auch Kienle macht sich so seine Gedanken über die Zukunft. "Existenzbedrohend" sei die Corona-Krise für ihn sicher nicht. "Dazu lief es in den letzten Jahren zu gut, und wir haben gut gewirtschaftet, wie man so schön sagt."

Mit 36 Jahren bleibe ihm aber nicht mehr so viel Zeit. Wenn im nächsten Jahr wieder keine Rennen möglich seien, müsse er sich schon fragen, "ob es Sinn macht, da weiter hundert Prozent meiner Energie reinzustecken. Aber als Berufssportler bist du immer Optimist, also bleibe ich optimistisch."